Eigentlich ein No-Go

Tabubruch verpasst Fans einen „Traumschiff“-Schock

Die neue „Traumschiff“-Folge schockiert Fans, weil sie unerwartet ein Tabuthema aufgreift und die heitere Serienformel bricht.

Author - Julia Nothacker
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Emilia Gronewald (Nadine Wrietz) und Oliver Stiller (Görtz Schubert) wollen sich auf dem Traumschiff das Leben nehmen.
Emilia Gronewald (Nadine Wrietz) und Oliver Stiller (Görtz Schubert) wollen sich auf dem Traumschiff das Leben nehmen.Dirk Bartling/ZDF

Die Neujahrsfolge von „Das Traumschiff“ hat die treuen Zuschauer kalt erwischt. Die Kult-Serie, die normalerweise für leichte Unterhaltung und harmlose Herzschmerz-Geschichten steht, bricht dieses Mal ein radikales Tabu – die Fangemeinde reagiert fassungslos.

„Das Traumschiff“ bricht mit einem heftigen Tabu

In der 90-minütigen Episode, die am 1. Januar ausgestrahlt wurde, machte sich das „Traumschiff“ auf den Weg ins Südafrikanische Madikwe und sorgte dabei für so einige Überraschungen: Nicht nur, dass sich Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen) in die Ärztin Sophia Berg (Valentina Pahde) verliebte und es zu einem romantischen Kuss kam, auch das Patchwork-Drama von Katja Sommer (Isabell Horn) und Björn Wagner (Daniel Krauss) sorgte für Aufsehen, weil plötzlich die beiden Teenager-Kinder Lisa (Klara Kleinheins) und Paul (Cooper Dillon) miteinander knutschen.

Doch für den größten Skandal sorgte die Geschichte rund um Emilia Gronewald (Nadine Wrietz) und Oliver Stiller (Götz Schubert).

Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen) und Sophia Berg (Valentina Pahde) kommen sich näher.
Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen) und Sophia Berg (Valentina Pahde) kommen sich näher.Dirk Bartling/ZDF

Das ZDF rückte erstmals ein Thema in den Fokus, das bislang niemals Teil der „Traumschiff“-Welt war: zwei Passagiere reisen mit dem festen Vorsatz, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sowohl Emilia Gronewald als auch Oliver Stiller treten die Kreuzfahrt an mit dem Plan, vom Schiff zu springen. Ein Schockmoment, der die heitere Grundidee der Reihe geradezu sprengt.

Ausgerechnet am Neujahrstag – einem Tag, an dem Fans traditionell auf leichte, hoffnungsvolle TV-Unterhaltung setzen – konfrontiert das „Traumschiff“ sein Publikum mit einem so dunklen Thema, dass es vielen die Sprache verschlug. Ging das ZDF damit zu weit?

Der „Traumschiff“-Schöpfer hatte eigentlich einen anderen Plan

Eigentlich wollte „Traumschiff“-Schöpfer Wolfgang Rademanns solche Themen eben nicht behandeln – keine Abgründe, kein Tod, keine schwere Schicksalsschläge. Doch plötzlich finden wir eben genau diese Themen beim „Traumschiff“.

Hanna Liebhold (Barbara Wussow, r.) ist besorgt: Was planen Emilia Gronewald (Nadine Wrietz, 2.v.l.), Oliver Stiller (Götz Schubert, 2.v.r.) und Peter Keller (Lutz van der Horst, l.)?
Hanna Liebhold (Barbara Wussow, r.) ist besorgt: Was planen Emilia Gronewald (Nadine Wrietz, 2.v.l.), Oliver Stiller (Götz Schubert, 2.v.r.) und Peter Keller (Lutz van der Horst, l.)?Dirk Bartling/ZDF

Natürlich springen die beiden Passagiere am Ende nicht vom Schiff und schöpfen neue Hoffnung für das Leben. Ein vorhersehbarer Ausgang, der auch die Zuschauer mit einem positiven Gefühl zurücklassen soll. Doch ging dieser Plan wirklich auf?

Die Thematik Suizid wird beim „Traumschiff“ mit einer Priese Humor angegangen. Zum Beispiel, als Emilia und Oliver immer wieder ihre Schuhe ausziehen, um ihren Plan in die Tat umzusetzen, und Hoteldirektorin Hanna Liebhold (Barbara Wussow) diese dann findet und sich Sorgen macht. Ein Umgang mit dem Thema, der nicht jedem Zuschauer gefiel.

Das ZDF schockt die Zuschauer

Auch die Tatsache, dass am Ende für knapp fünf Sekunden ein Text eingeblendet wurde, der auf die Telefon-Seelsorge verweist, kann die Fans nicht beruhigen, wie sich in den Kommentaren auf X zeigt:
- „Und als Feigenblatt blenden sie jetzt die Suizid-Hotline ein. Das ZDF sollte sich wirklich was schämen.“
- „Dieser Disclaimer rettet da auch nix mehr.“
- „Und jetzt ne Vier-Sekunden-Selbstmord-Hotline-Einblendung. Immerhin, der Wille zählt.“
- „Die Einblendung war keine fünf Sekunden zu sehen. Alles ganz schlecht. Macht das nicht wieder!“
- „Würde man das Thema wirklich ernst nehmen, hätte man jetzt irgendwie live was gesendet, so wie Joko & Klaas das immer machen und nicht den Zuschauern komplett lost mit einer Zwei-Sekunden-Einblendung zurückgelassen.“

Diese „Traumschiff“-Folge geht in die Geschichte der Reihe ein – als radikalste in über 40 Jahren. Während sich viele Zuschauer vor den Kopf gestoßen fühlen, begrüßen auch einigen den mutigen Schritt. Eins ist klar: Das ZDF hat zumindest dafür gesorgt, dass über diese Folge noch lange gesprochen wird.

Wie ist Ihre Meinung zur neuesten „Traumschiff“-Folge? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com

HILFE BEI SUIZIDGEDANKEN
Ihre Gedanken hören nicht auf zu kreisen? Sie befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation und spielen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen? Wenn Sie sich nicht im Familien- oder Freundeskreis Hilfe suchen können oder möchten – hier finden Sie anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote: Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichen Sie rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen Sie Ihre Sorgen und Ängste teilen können. Auch ein Gespräch via Chat ist möglich. telefonseelsorge.de Kinder- und Jugendtelefon: Das Angebot des Vereins „Nummer gegen Kummer“ richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter 11 6 111 oder 0800 – 111 0 333. Am Samstag nehmen die jungen Berater des Teams „Jugendliche beraten Jugendliche“ die Gespräche an. nummergegenkummer.de Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Ein Teil von ihnen spricht auch Türkisch. mutes.de Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention: Eine Übersicht aller telefonischer, regionaler, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland gibt es unter suizidprophylaxe.de