Silly-Sängerin Tamara Danz verstarb 1996 an KRebs. Foto: imago/Peter Homann

Für viele Rock-Fans bleibt sie für immer unvergessen: Silly-Sängerin Tamara Danz, die vor 25 Jahren an Brustkrebs starb. Das MDR-Fernsehen widmet der DDR-Rocklady am Sonntag (20.15 Uhr) eine große Erinnerungsshow. In „Legenden – Ein Abend für Tamara Danz“, in der nun auch die weniger bekannten Kapitel aus dem Leben der Künstlerin erzählt wurden. Etwa, warum sie die schwere Entscheidung traf, auf eigene Kinder zu verzichten. Dabei war Tamara Danz schwanger!

Das Wort Abtreibung fällt in der Doku nicht. Ganz behutsam wird in der Sendung (ist in der ARD-Mediathek noch bis zum 29. August zu sehen) die Geschichte erzählt, an deren Ende Tamara Danz vielleicht eine der schwersten Entschlüsse ihres Lebens traf.

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Es war Anfang der 80er-Jahre, als die Band Silly mit einem Schlag die DDR-Rockmusik dominierte. Mit dem zweiten Album „Mont Klamott“, auf dem neben dem Titelsong auch so hammerharte Pop-Hits wie die „Wilde Mathilde“ und die Gänsehaut-Ballade „Abendstunden“ zu hören waren. 1983 wurde die Silly-Platte zurecht zum DDR-Album des Jahres gekürt.

Zu der Band gehörte seit 1981 auch der einstige Pankow-Musiker Ritchie Barton. Das er und Tamara Danz ein Liebespaar waren, blieb damals in der Öffentlichkeit ein Geheimnis. Die Liebesbeziehung sollte keinen Einfluss auf die musikalische Arbeit von Silly haben.

Tamara Danz, links neben ihr steht Ritchie Barton: Als dieses Silly-Foto 1989 entstand, war die Sängerin bereits mit Uwe Hassbecker (rechts von ihr) zusammen. Das Paar heiratete kurz vor dem Krebstod der Künstlerin.
Foto: imago/stock & people

Silly standen alle Türen offen – da kam Tamaras Schwangerschaft

Schließlich standen der Band nach dem Erfolg mit „Mont Klamott“ alle Türen offen. Das Nachfolge-Album „Zwischen unbefahrenen Gleisen“ war nicht nur bei DDR-Staatsplattenfirma Amiga fest eingeplant. Der Westberliner Musikproduzent und Fotograf Jim Rakete (Nena, Spliff) hatte vorab ein Demo von der Platte erhalten, die deutsche Tochter der US-Plattenfima CBS (Bruce Springsteen) zeigte sich an dem dritten Silly-Album sehr interessiert. Es war der Ritterschlag für die DDR-Band.

Und in genau dieser Zeit wurde Tamara Danz von Ritchie Barton schwanger. „Es war ihre Entscheidung, dass Kind nicht austragen zu wollen“, sagt der Silly-Musiker in der MDR-Sendung. „Das hatte natürlich mehrere Gründe gehabt. Aber vor allem den Grund: Es ging nun gerade richtig los mit der Band, da kam die Schwangerschaft.“

Natürlich sei Barton euphorisch gewesen, als er davon erfahren hatte. Aber aus der Entscheidung, die Tamara treffen sollte, hielt er sich heraus. „Tamara hatte alles mit ihrer besten Freundin besprochen“, sagt der Keyboarder heute. „Aber ich habe sie mit meiner Euphorie nicht genervt. Ich musste ihre Entscheidung akzeptieren und ich habe sie akzeptiert.“

1984 erscheint das Album „Zwischen unbefahrenen Gleisen“ in der DDR und wird sofort von den Kulturfunktionären mit einem Veröffentlichungsverbot belegt. Platten, die noch in den Läden stehen, werden aus den Regalen geholt und geschreddert. Das Album erscheint auch nicht bei CBS im Westen Deutschlands.

Das Cover von der verbotenenen Silly-Platte „Zwischen unbefahrenen Gleisen“, die 2000 wieder veröffentlicht wurde. Foto: Amiga

Es sind drei Lieder, die die Funktionäre in Aufregung versetzen: Der Titelsong, in dem auf die unbefahrenen Gleisen zwischen Ost- die West-Berlin angespielt wird. Der Eröffnungssong „Tausend Augen“ spielt im Text für jeden verständlich auf die Allmacht der Stasi an. Und auch der letzte Song der Platte, „Nur ein Lied“, missfällt den Oberen.

Silly muss die Platte und die drei Songs entschärfen, um die Existenz der Band nicht zu gefährden. 1985 erscheint das Album unter dem Namen „Liebeswalzer“. Die gefürchteten Songs wurden nun zu  „Psycho“ („Tausend Augen“), „Berliner Frühling“ („Zwischen unbefahrenen Gleisen“) und „Großer Träumer“ („Nur ein Lied“) geändert. Wer genau hinhört, merkt, dass auch die veränderten Titel nicht Kritik gegen das Regime sparen. Die Original-LP wird erst im Jahr 2000 erneut veröffentlicht.