Der Schauspieler Martin Semmelrogge beim Filmfest München, 2019.  Foto: Felix Hörhager/dpa

Sein Markenzeichen: die Stimme. Mit der kann Martin Semmelrogge Rumpelstilzchen genauso sprechen wie Piraten, Krötenechsen oder Gangster. Viele kennen ihn schon seit den 70er Jahren: In der legendären Kinderserie „Die Vorstadtkrokodile“ spielte er einen Fiesling, da waren die Haare noch rot. Er hat in Klassikern wie „Tadellöser & Wolff“ mitgemacht, im Film „Bang Boom Bang“ und in vielen Serien. Er spielte viel Theater und war sich auch fürs Trash-Fernsehen nicht zu schade.

Seine berühmteste Rolle: der Zweite Wachoffizier neben Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer in „Das Boot“. Die Sprüche hat er heute noch drauf. Martin Semmelrogge, einer von Deutschlands bekanntesten Charakterdarstellern, wird am 8. Dezember 65 Jahre alt.

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Seine Agentur nennt ihn „das Stehaufmännchen der deutschen Schauspielkunst“. Eine Biografie hat er „Das Leben ist eine Achterbahn“ genannt. Es war bei Martin Semmelrogge einiges los. Höflich gesagt: Nicht alles lief glatt, aber das ist schon ein bisschen her.

Schauspielerfolge, Gefängnisaufenthalte, Alkohol- und Drogenexzesse 

Seit 20 Jahren wohnt Semmelrogge auf Mallorca. Am Telefon quatscht er drauf los. Mit 65 denken andere an Ruhestand, er auch? „Als Schauspieler bist du nie im Ruhestand, weil das eine Leidenschaft ist. Solange die brennt, machst du das natürlich gerne. Es gab Jahre, da bist du total unter Strom. Da arbeitest du. Jetzt ist es ruhiger. Jetzt geht ja gerade nix. Kollege Corona!

Aber er sei breit aufgestellt, sagt Semmelrogge. „Ich bin gesegnet mit meiner Stimme, das Arbeiten geht auch auf Mallorca. Ich habe Theater gespielt und mache gerade ein Hörbuch - ‚Blitzfreak‘.“ Im Fernsehen läuft im Dezember im Ersten die neue Staffel von „Falk“ an, da spielt er wieder den windigen Anwalt Blankenstein.

Schauspieler Martin Semmelrogge und seine Freundin Regine Prause bei den 69. Bad Hersfelder Festspielen.  
Foto: Swen Pförtner/dpa

Und wenn er nicht arbeitet? „Ich habe immer was zu tun. Heute zum Beispiel war ich joggen, dann war ich im Wasser, dann essen und bei einem Bekannten, mit dem ich Oldtimer mache. Gestern Nacht war ich für zwei Rap-Stücke im Studio mit meinem Team. Und ich habe Hausputz gemacht mit einem Kollegen.“ Bald will er seine Freundin Regine Prause heiraten, die er schon „meine Frau“ nennt. Aber es gibt noch Bürokratie-Probleme. „Ich muss nach Amerika, da ist meine alte Heiratsurkunde. Irgendwann wird es schon klappen.“ Semmelrogge kommt aus Bad Boll in der Nähe von Stuttgart, war zweimal verheiratet und hat zwei Kinder, Dustin und Joanna, beide auch Schauspieler. Das liegt in der Familie: Bereits Semmelrogges Vater Willy war vom Fach. Rückblicke sind nicht sein Ding. Über seine Probleme mit dem Gesetz, die Zeit im Gefängnis, Alkohol und Drogen mag er nicht mehr sprechen. „Weil das durch ist, ich definiere mich nicht darüber. Man kann sich ja mein Buch kaufen.“

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Den Blick stets in die Zukunft gerichtet

Er gucke eigentlich immer nach vorne, nicht nach hinten. „Für mich ist es immer am wichtigsten, was ich jetzt mache.“ Er habe viele schöne Rollen gespielt. Zu Corona fällt ihm was Passendes frei nach „Das Boot“ ein: „Das muss das Boot abkönnen“. Man müsse Präsenz zeigen, bereit sein für alles, findet Semmelrogge. „Alles andere findet sich. Ich habe Shakespeare und Beckett gespielt, aber das muss ich nicht immer machen.“ Gerade hat er wieder Geschichten aus seinem Leben veröffentlicht. Titel diesmal: „Mir selbst auf ewig ein Rätsel“.

Eine Szene aus dem Weltkriegs-Epos „Das Boot“ von Regisseur Bernd Eichinger, 1981. 
Foto:  imago images/United Archives

Was gefällt ihm im Fernsehen heute besser als früher? „Ich finde die Streamingdienste wie Netflix und Amazon gut, da läuft ja gerade die Miniserie mit mir, ‚Für umme‘. Die machen Gewinn und Qualität.“ Und es gebe tolle junge Regisseure, wie in „Limbo“ oder „Falk“. „Das sind alles so kleine Coen-Brüder. Wichtig ist, dass Inhalt drin ist. Ich mag keine Klischeerollen. Den unangepassten, freiheitsliebenden Typus, den ich verkörpere, der ist authentisch und den lieben die Leute auch an mir.“

Anruf bei „Falk“-Regisseur Peter Stauch (45). Wie war es, mit so einem Urgestein für eine Serie zu drehen? Stauch schwärmt. Semmelrogge sei ein „totales Unikum“. Beim Dreh sei er sehr gut vorbereitet gewesen. „Das ist echt, was er macht.“ Die Auseinandersetzung mit ihm lohnt sich aus seiner Sicht. „Wenn man ihn nicht schätzt, spürt er das sofort.“ Wenn Semmelrogge aber bei einem Regisseur eine Vision erkennt, ist er demnach voll dabei. Und: „Dieser Mann ist unfassbar komisch.“

Trash-TV ist auch Teil der Karriere Semmelrogges 

Semmelrogge hat vieles gemacht: auch Trash-Fernsehen wie „Promi Big Brother“ und „Das Sommerhaus der Stars“. Wenn das „Dschungelcamp“ ihm eine Million geben würde: Na klar, auch dort würde er einziehen, sagt er. „Warum nicht? Damit kann ich viele schöne Sachen machen, aber das würden die nicht zahlen. Wichtig wäre, dass einer aus der Schauspielbranche mitmachen würde.“ Semmelrogge ist schon eine Weile im Geschäft. Die Leute erkennen ihn, besonders mit Corona-Maske, wie er erzählt. „Man konzentriert sich dann auf Stimmen. Da falle ich natürlich total auf.“

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Martin Semmelrogge bei den Dreharbeiten zu der TV-Serie „Dit is Fussball“ auf einem Motorrad. 
Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Wie er seinen Geburtstag feiern will? Noch vor Beginn des Teil-Lockdowns sah so ein perfekter Geburtstags-Tag für Semmelrogge aus: „Meine Frau wird mich bestimmt überraschen mit etwas kleinem Süßen. Ich werde ein bisschen mit der Harley fahren, wenn das Wetter gut ist, werde in mein Lieblingsrestaurant gehen, wo es eine tolle Salatbar gibt. Ich werde mit meinem Team essen gehen, vielleicht auch ins Kino. Ins Fitnessstudio gehe ich auch gerne.“ Er lebe eigentlich jeden Tag wie seinen Geburtstag. „Hauptsache ich bin gesund und bleibe gesund.“ Was er unbedingt noch sagen will: „Meine Frau macht den besten Erdbeer-Mascarpone-Gugelhupf. Sie ist mein Traum-Mädel.“