Emma Corrin als Lady Di in Staffel 4 von The Crown. Foto: Netflix/Des Willie

Die britische Königsfamilie bot von jeher Stoff für eine Vielzahl an Büchern, Romanen, Filmen und Serien. Bereits vor vier Jahren startete Netflix seine Serie „The Crown“, über die Regentschaft von Queen Elizabeth: In diesem Herbst ist sie in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angekommen – und dieses Jahrzehnt darf als besonders interessant gelten. Zum einen krempelte die damalige Premierministerin Margaret Thatcher kräftig Großbritannien um, längst nicht immer zum Gefallen der Queen, zum anderen veränderte die Heirat ihres Sohns Charles mit Lady Diana das Image des Königshauses. Doch der Reihe nach.

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Großbritannien Ende der siebziger Jahre war ein unruhiger Ort. Die Gewerkschaften legten mit Streiks das Land lahm, die Lösung des Nordirland- Konflikts lag in weiter Ferne, und immer wieder gab es Anschläge der IRA. Bei der Parlamentswahl im Mai 1979 gewannen die Tories und mit ihnen Margaret Thatcher. Das Verhältnis zwischen Premierministerin und Königlicher Hoheit galt als angespannt. Die Treffen im Buckingham Palace waren stets von einer gewissen Frostigkeit umgeben, so zeigt es die Serie: Diese Szenen in denen Thatcher, etwas arg alt gespielt von Gillian Anderson, auf Queen Elizabeth (Olivia Colman) trifft, gehören zum Besten, was derzeit in der Serienproduktion zu sehen ist,  so geschliffen sind die Dialoge, so bedeutungsvoll die Blicke, so gespannt die Atmosphäre.

Lady Di leidet unter der kalten Atmosphäre am Hof

Eine Qualität der Serie ist es auch in der vierten Staffel, dass sie glänzend die Gegensätze zwischen öffentlichem Amt, Pflichterfüllung und privaten Nöten zeigt – und wie die Figuren mit diesen Gegensätzen umgehen. Thatcher etwa wird als emotional-depraviert Getriebene und Workaholic porträtiert, gnadenlos vor allem im Umgang mit Frauen, selbst mit ihrer eigenen Tochter. Ihr sagt sie ins Gesicht, dass sie ihren Bruder bevorzuge, denn er ist „stärker als du“.

Doch auch die Queen leidet unter eigenen emotionalen Begrenzungen und den Anforderungen des Amtes. Sie vernachlässigt ihre Kinder, hält ihre instabile Schwester Margaret auf Abstand und kann sich kaum überwinden, Gefühle zu zeigen. Prinz Charles' Frau, Lady Di, leidet ganz besonders unter der kalten Atmosphäre am Hof. Diana wird zur Bulimikerin und wünscht sich nichts mehr als Liebe und Anerkennung, nicht zuletzt auch von ihrer Schwiegermutter, der Queen, die sie in einer Szene sogar vor lauter Überschwang umarmt. Doch es hilft nichts: Das Image des Königshauses ist wichtiger als eine glückliche Ehe. Trotz einiger Wiederannäherungsversuche wird die Ehe zwischen Charles und Diana später scheitern. Drehbuchautor Peter Morgan versteht es meisterlich, den immerwährenden Konflikt herauszuarbeiten: Viele Entscheidungen werden nicht aus persönlichen Motiven gefällt, sondern um vor allem, um eine Institution zu schützen: Die britische Krone. Es gibt in jedem Fall noch genug Stoff für die nächsten Staffeln.

The Crown ab 15. November, Staffel vier, zehn Folgen, Netflix