Filmregisseur Terry Gilliam bei einem Fototermin für seinen Film „The Man Who Killed Don Quixote“ in Rom 2018. Foto:  Ettore Ferrari/ANSA/AP/dpa

Einer von Terry Gilliams populärsten Filmen wirkt in diesen Zeiten auf unheimliche Weise aktuell.

In dem dystopischen Science-Fiction-Thriller „12 Monkeys“ aus dem Jahr 1995 bedroht ein gefährliches Virus in der Zukunft die gesamte Menschheit, die deshalb im Untergrund lebt – quasi in einer Art Lockdown. „Wollen Sie damit sagen, dass es meine Schuld ist?“, scherzt Gilliam im Zoom-Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Es lag immer in der Luft, dass eine Pandemie kommen wird, und jetzt ist es schließlich passiert.“

Und so verbringt der Regisseur seinen 80. Geburtstag im Lockdown zu Hause in London. „Ich bin alt, aber sonst ist alles gut“, sagt er bestens aufgelegt und lacht. „Laut der Statistik müsste ich schon tot sein, jedenfalls was Covid angeht. Aber ich bin nicht tot.“ Seine lebendige Art und sein ansteckendes Lachen lassen den früheren Monty Python-Komiker deutlich jünger wirken als 80.

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Am 22. November 1940 kam Terrence Vance Gilliam in Minneapolis zur Welt. Als Teenager zog er mit seiner Familie nach Los Angeles. Dort hatte er in den 60ern oft Ärger mit der Polizei – wegen seiner langen Haare, meint Gilliam. „Das hieß, dass man ein Drogendealer oder -süchtiger sein musste, der wahrscheinlich vom Geld eines reichen Mädchens lebt.“ Doch der studierte Politikwissenschaftler verdiente sein Geld damals mit Werbung, als Comic- und Trickfilmzeichner.

Eine ausgedehnte Rundreise durch Europa war der Beginn seiner tiefen Leidenschaft für den Kontinent. 1967 siedelte er nach London über. „Die einzige Sprache, die ich sprach, war Englisch“, erzählt er schmunzelnd. „Das dachte ich zumindest. Als ich hier ankam, hab ich festgestellt, dass ich Amerikanisch spreche. Das ist was anderes.“

Eine saukomische Truppe: Eric Idle, Graham Chapman, Michael Palin, John Cleese, Terry Jones und Terry Gilliam (v. l. n. r.) im Jahr 1971.
Foto:  imago images/Everett Collection

Sein späterer Monty Python-Kollege John Cleese, den Gilliam einige Jahre zuvor kennengelernt hatte, vermittelte ihm einen Job bei der BBC, wo er die zukünftigen Pythons Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin traf. Als die TV-Serie „Monty Python's Flying Circus“ 1969 debütierte, kreierte Gilliam als Zeichner die ikonischen Animationen, bevor er – nach Graham Chapman – sechstes Mitglied der Truppe wurde.

„Es war eine großartige Zeit, weil wir die Kontrolle darüber hatten, was wir machen wollten“, schwärmt Gilliam. „Wir waren sechs Typen, die gemeinsam gearbeitet haben, die ihren Spaß daran hatten witzig zu sein, interessant, schockierend und manchmal anstößig. Wir haben all das gemacht, was man heute nicht mehr machen soll. Und wir haben uns ständig gestritten. Aber wir waren alle schlau genug, um zu erkennen, dass es gerade wegen der Spannungen in der Gruppe so gut funktioniert hat, weil jeder das Talent der anderen respektiert hat.“

Bei der Produktion von „Monty Python's Flying Circus“ lernte Gilliam die Kostümdesignerin Maggie Weston kennen, mit der er seit 1973 verheiratet ist. Das Paar hat zwei Töchter und einen Sohn.

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Bis heute Kult: die Komödie „Das Leben des Brian“, 1980. 
Foto: imago images/United Archives

Monty Python drehten auch Kinofilme, darunter der Klassiker „Das Leben des Brian“. Die Satire auf religiösen Dogmatismus erzürnte Ende der 70er-Jahre die Kirche. Könnte so ein Film heute noch gemacht werden? „Ich finde sogar, die Leute müssten das heute machen“, fordert Gilliam, der für überhöhte Empfindlichkeit nichts übrig hat. „Die Leute sind schon immer verärgert gewesen. Es ist doch kein Problem, dass man gelegentlich verärgert oder beleidigt ist. Das ist völlig unbedeutend. Ich finde, dass Humor das Wichtigste ist.“

Quelle: YouTube

Die Monty Python-Komödie „Die Ritter der Kokosnuss“ war 1975 der erste Kinofilm, bei dem Terry Gilliam Regie führte. Später schuf er als Regisseur und Drehbuchautor Filmklassiker wie „Time Bandits“ (1981), „Brazil“ (1985) und „Angst und Schrecken in Las Vegas“ (1998) – visionäre Filme, die zunächst nicht unbedingt große Kassenschlager waren, heute aber Kultstatus genießen. „Ich habe nie gelernt, wie man Filme macht“, gibt Gilliam zu. „Ich hab vieles vorgetäuscht und vielen Leuten was vorgemacht. Ich lerne immer noch.“

Nehmen die Ritter der Tafelrunde gehörig auf die Schippe: die britische Komikertruppe Monty Python in der Komödie „Die Ritter der Kokosnuss“, 1975. Foto:  imago images/United Archives

Aus Ablehnung der damaligen US-Regierung von George W. Bush und aus steuerlichen Gründen legte Gilliam 2006 seine US-Staatsbürgerschaft ab und überlegte es sich auch während der zehnjährigen Probezeit nicht anders. „Nicht für eine Minute“ habe er das jemals bereut, sagt er, obwohl es einen Haken gab. „Als die Probezeit 2016 zu Ende ging, wurde ich zu 100 Prozent Brite, für mich hieß das: zu 100 Prozent Europäer. Aber dann kam der Brexit. Der Witz nimmt kein Ende.“

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Seinen bislang letzten Film „The Man Who Killed Don Quixote“ stellte er 2018 fertig. Die Arbeit daran hatte schon 1989 begonnen, der erste Dreh mit Jean Rochefort und Johnny Depp wurde 1998 wegen zahlreicher Probleme aber abgebrochen. 2002 erschien ein Dokumentarfilm über das gescheiterte Projekt, doch Gilliam blieb hartnäckig und drehte den Film schließlich mit Jonathan Pryce und Adam Driver. „Wenn ich eine gute Idee habe, bin ich davon besessen“, sagt er. „Dann mache ich Dinge, die ich nicht tun würde, wenn ich intelligenter wäre.“

In fast allem, was der Regisseur und Komiker sagt, schwingt eine große Portion Humor und Selbstironie mit. „Wenn ich nicht mehr über die wirklich wichtigen Dinge lachen kann, dann könnte ich auch tot sein“, sagt er. „Für mich ist der Tod ein großer Witz. Solange ich lache, bleibt er mir fern, denn der Tod hat keinen Sinn für Humor.“

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Terry Gilliam will weiter Filme drehen, doch vorerst arbeitet er an einem Buch mit seinen Storyboard-Illustrationen. „Dabei ist mir plötzlich aufgefallen, dass ich einen oder zwei sehr gute Filme gemacht habe“, sagt er lachend. „Es wäre schön, wenn die Leute das später über mich sagen: ‚Er hat ein oder zwei sehr gute Filme gemacht.‘“