Tatort-Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) mit Kollegin Katia (Anja Taschenberg). dpa/Meyerbroeker

Waffen statt Landmaschinen, Fehde statt Familienbande und Rückschläge statt Ermittlungserfolge – der neue „Tatort“ aus dem Norden setzt auf doppelte Spiele und Täuschungen. Die Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) ermitteln im „Tatort: Macht der Familie“ (18.4., 20.15 Uhr, das Erste) diesmal gegen das organisierte Verbrechen. Sie wollen Waffenhändler überführen und schicken dafür einen verdeckten Ermittler auf die Spur einer russischen Familie.

Doch der erste Einsatz als Leiterin geht für die frisch beförderte Hauptkommissarin Grosz gründlich schief. Der Kollege ist tot, die Spur zunächst verloren. Falke, Grosz und das Team setzen deshalb auf eine Kollegin des Landeskriminalamtes (Tatiana Nekrasov), die die Nichte des Waffenhändlers ist. Doch auch dieses doppelte Spiel scheint nicht ganz aufzugehen.

Der vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) produzierte „Tatort“ baut viele Widersprüchlichkeiten auf und fokussiert sich auf den Kontrollverlust. So ist die russische Waffenschmuggler-Familie so reich, anmutig und gebildet wie skrupellos. Einsatzleiterin Grosz versucht, in der Kommandozentrale selbstbewusst Stärke zu demonstrieren und ist dabei gleichzeitig enorm nervös und gehetzt. Und die Ermittlungen und Hinweise auf mögliche Verdächtige locken die Zuschauer immer wieder in neue Sackgassen.

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Dabei hat es Drehbuchautor und Regisseur Niki Stein allerdings ein bisschen zu gut gemeint. So manchen Zuschauer dürfte die eine oder andere Finte aus der Story aussteigen lassen. Auch das doppelte Spiel der LKA-Kollegin, die sonst in der Rotlichtszene ermittelt und nun in der eigenen Familie tätig werden soll, ist streckenweise unlogisch. Dass am Ende ein ganz anderer Spieler von deutlich größerem Kaliber auftaucht, hinterlässt auch so manches Fragezeichen.

Julia Grosz (Franziska Weisz) und Falke (Wotan Wilke Möhring) sind ein eingespieltes „Tatort“-Team. NDR/Chrisine Schroeder

Ein bisschen unnötig ist zudem, dass Falke wieder einmal durch persönliche Beziehungen zu den beiden verdeckten Ermittlern möglicherweise befangen ist. Dass die privaten Geschichten der beiden Ermittler lediglich im Hintergrund vorsichtig weitererzählt werden, trifft dagegen genau den richtigen Ton. Auch wegen des beruflichen Aufstiegs von Grosz–Falke stehen sie damit nun auf einer Stufe – die Beziehung zwischen beiden muss neu zurechtgerüttelt werden – und damit gleichzeitig die geknüpften freundschaftlichen Bande nicht verloren gehen, passt das zu den nordisch-kühlen Ermittlern.

Der „Tatort: Macht der Familie“ wurde im Juli und August 2020 in Schleswig-Holstein (Lübeck und Kreis Stormarn), Hamburg und Umgebung gedreht. Aufgrund der Corona-Beschränkungen musste die Crew teilweise auf Komparsen verzichten. Das Drehbuch wurde entsprechend angepasst.

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In vielen Szenen wirken sonst übliche Hotspots wie die Reeperbahn oder die Hamburger U- und S-Bahn-Station Elbbrücken erstaunlich leer. Mit Mundschutz sind die Polizisten dennoch nicht zu sehen. Wotan Wilke Möhring hätte sich durchaus Szenen mit Bezug zum Corona-Alltag gewünscht, verriet er im NDR-Presseheft zum Film. „Dass wir unser Leben in der Pandemie nicht zum Thema machen, liegt wohl daran, dass alle dachten, die Seuche geht ruckzuck vorbei.“