Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) versuchen, einen Mord zu verhindern. Foto: Thomas Kost/WDR/ARD/dpa

Nachdem am vorigen Sonntag die ARD ihr Ferdinand-von-Schirach-Festival zelebrierte – und mit dem zentralen Film im Ersten um 20.15 Uhr übrigens deutlich weniger Zuschauer lockte als im „Tatort“-Schnitt 2020 – ertönt nun wieder das markante Intro.

Unter den Drehbuchautoren scheint sich der Lehrsatz „Selbst die Ankündigung von Folter ist verboten“ noch nicht herumgesprochen zu haben. Jedenfalls droht hier der bullige Kommissar Schenk (Dietmar Bär) einer grazilen Entführerin (Ulrike Krumbiegel) ganz uncharmant, er würde aus ihr „herausprügeln“, wo sie den Kollegen Jütte eingekerkert habe. Da würde man Autor Wolfgang Stauch gern zum Nachsitzen zwingen – mit allen vier „Feinde“-Filmen vom letzten Sonntag am Stück.

Mit dem Gag „Wir sollten öfter mal zusammenarbeiten“ stimmen sich Schenk und Ballauf auf ihren 80. gemeinsamen Fall seit 1997 ein. Tatsächlich aber arbeiten sie diesmal gegeneinander. Freddy Schenk wird von einer verdächtigen Hotelchefin entführt, die mit ihm im Gespann beweisen will, dass sie nicht schuld ist am Tod einer erhängten Erpresserin in ihrem Hotel.

Als Faustpfand hat sie den tapsigen Assistenten Jütte in ein modriges Verlies gesteckt. Wohin die Reise geht, wird bald klar: in ihre DDR-Vergangenheit. Ballauf (Klaus J. Behrendt) spricht sogar vom „ehemaligen Osten“, was die Frage aufwirft, ob die Himmelsrichtungen inzwischen neu definiert wurden oder ob sich Deutschland nach Osten erweitert hat.

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Die Tour gleicht einer Geisterbahnfahrt des realsozialistischen Schreckens, führt vorbei an Ex-Stasi-Offizieren, durch die giftigen Quecksilberdämpfe von Schkopau, wo Zwangsarbeiter malochen müssen, beschreibt die Leipziger Messe als „größtes Bordell Europas“, wo „Porno-Peter“ und eine alkoholabhängige Sex-Spionin ihr Unwesen treiben. Solch ein Drehbuch erinnert an die frühen 1990er-Jahre, als die Stasi noch jeden dritten Krimi beherrschte.

Um auch dem Westen sein Fett zu verpassen, wird der Film zum Politthriller aufgeblasen. Doch auch wenn sich der Kölner „Tatort“ mit dem Titel an den Oscar-Gewinner „Das Leben der Anderen“ anzuhängen versucht, so bleibt er zwei Klassen darunter. Ulrike Krumbiegel schafft es wenigstens andeutungsweise, die aufgestapelten Behauptungen ihrer schillernden Figur zusammenzuführen.

Dagegen kann Dietmar Bär nicht klarmachen, warum sein Schenk tagelang mit dieser Entführerin durch die Gegend reist. Kleine Oasen der Entspannung bieten zwischendurch die Country-Knarzer von Seasick Steve. Für Lichtblicke sorgen auch die Auftritte einer frischen Assistentin (Tinka Fürst) im Polizeirevier. Der Rest bleibt zähe, unglaubwürdige, oft lächerliche Kolportage.

Tatort: Der Tod der Anderen – So, 10.1., 20.15 Uhr, ARD