US-Talk-Queen Oprah Winfrey. Foto: Imago/AppleTV

Oprah Winfrey ist sicherlich nicht auf den royalen Glanz anderer angewiesen. Die legendäre TV-Moderatorin genießt in den USA selbst den Status einer inoffiziellen Königin: Die schwerreiche Talkshow-Queen ist mit einfühlsamen Interviews von Berühmtheiten selbst zu einem Superstar geworden. Mit ihrem Interview von Prinz Harry und seiner Frau Meghan ist der 67-Jährigen aber ein neuer Coup gelungen.

Denn schon vor der Ausstrahlung am Sonntag im Sender CBS sorgte das Gespräch weltweit für Schlagzeilen – dank sorgsam ausgewählter, vorab veröffentlichter Häppchen. Inmitten der wachsenden Entfremdung zwischen dem in Kalifornien lebenden Paar und dem britischen Königshaus warf Meghan dem Buckingham-Palast vor, „ständige Falschaussagen“ über sie und ihren Mann zu verbreiten. Das Interview mit Winfrey bezeichnet sie als „wirklich befreiend“.

Oprah war für viele Stars befreiend

Als befreiend haben schon viele ihre Begegnung mit der Fernsehmoderatorin erlebt. Ihre „Oprah Winfrey Show“ war 25 Jahre lang Ort für Gefühlsausbrüche und für viele eine Art öffentliche Therapiesitzung. Hollywood-Star Tom Cruise hüpfte 2005 bei der Moderatorin wie besessen auf dem Sofa herum, um seine Liebe zu Schauspielkollegin Katie Holmes kundzutun. Radrennfahrer Lance Armstrong räumte bei Winfrey 2013 erstmals seine Doping-Sünden ein.

Oprah Winfrey im Interview mit Harry und Meghan. Foto: dpa/Joe Pugliese

Die Herzogin von York, Sarah „Fergie“ Ferguson, beichtete, dass sie wegen Geldsorgen versucht hatte, Zugang zu ihrem Ex-Mann Prinz Andrew zu verkaufen. Und als Winfrey 1993 Michael Jackson in seiner Neverland Ranch interviewte, schalteten 100 Millionen Menschen ein.

Wie kaum einer anderen Fernsehpersönlichkeit gelingt es der Moderatorin, Nähe zu ihren Gästen herzustellen, Emotionen zu schaffen und Intimes zu entlocken. Die in ärmlichen Verhältnissen im Südstaat Mississippi aufgewachsene und als Kind sexuell missbrauchte Winfrey wurde mit dieser Gabe – und einem unglaublichen Geschäftssinn – zur ersten afroamerikanischen Milliardärin der US-Geschichte. Das Finanzmagazin „Forbes“ schätzt ihr Vermögen derzeit auf 2,7 Milliarden Dollar, umgerechnet mehr als 2,2 Milliarden Euro.

Mit 19 ergatterte Oprah ihren ersten Fernsehjob

Schon als 19-Jährige hatte Winfrey in Nashville im Bundesstaat Tennessee einen Fernsehjob ergattert und dann schnell herausgefunden, dass nicht Reportagen, sondern Talkshows ihre Berufung sind. „Ich habe sofort gewusst, dass ich meinen Platz gefunden habe“, sagte sie einmal. „Ich habe Mitgefühl, das liegt einfach in meiner Natur.“ Zwischen 1986 und 2011 befragte sie in ihrer „Oprah Winfrey Show“, der mit wöchentlich geschätzt 40 Millionen Zuschauern meistgesehenen Talkshow der Fernsehgeschichte, mehr als 30.000 Gäste.

Ihr Imperium ist weitverzweigt. Sie hat einen Buch-Club, der Bücher schlagartig zu Bestsellern machen kann, lancierte 2000 das Magazin „O, The Oprah Magazine“, gründete ihren eigenen Fernsehsender OWN (Oprah Winfrey Network), betreibt den Podcast SuperSoul und unterzeichnete 2018 einen Vertrag mit Apple TV+. Die Moderatorin, die Zeit ihres Lebens mit Gewichtsproblemen kämpfte, ist auch Mitbesitzerin der Weight Watchers.

Oprah ist für viele ein Vorbild

Winfrey ist für Millionen Menschen in den USA ein Vorbild – und hat damit auch großen politischen Einfluss. Vor der Präsidentschaftswahl 2008 stellte sie sich hinter den späteren Wahlsieger Barack Obama, was diesem einer Schätzung zufolge eine Million zusätzliche Wählerstimmen einbrachte. 2018 gab es kurz Spekulationen, sie könnte selbst ins Präsidentschaftsrennen einsteigen. „Das ist nichts für mich“, wies Winfrey das zurück.

Anstelle mit US-Politik befasst sie sich nun mit den Intrigen im britischen Königshaus. In dem Interview mit Meghan und Harry sagt Winfrey an einer Stelle, sie habe schon vor der Hochzeit des Paares 2018 vergeblich um ein Interview mit der Schauspielerin angefragt. „Endlich haben wir es geschafft, uns für dieses Gespräch zusammenzusetzen“, freut sich die Moderatorin. Im fernen Buckingham-Palast dürfte sich die Freude, vorsichtig formuliert, in sehr engen Grenzen halten.