Der britische Schauspieler Ewan McGregor, hier bei einer Filmpremiere 2018 in Hollywood. imago/Cinema Publishers

Als Stammgast im Studio 54 und Vertrauter von Liza Minnelli stieg Roy Halston Frowick in den 1970er-Jahren zum bekannten US-Modedesigner auf – ehe er 1990 an Aids starb. Um in die Rolle von „Halston“ (so lautet der Titel der neuen Netflix-Miniserie) zu schlüpfen, musste Ewan McGregor noch einmal in die Lehre gehen – die Schneiderlehre. Er heuerte die Kostümdesignerin Jeriana San Juan als Privatlehrerin an. Die stellte dem Star eine Nähmaschine ins Hotelzimmer und zeigte ihm die professionellen Kniffe dazu. Der 50-Jährige musste wochenlang jede freie Minute üben, um für den Zuschauer überzeugend im Stile des Kult-Modeschöpfers Nähen, Drapieren und Designs abstecken zu können.

KURIER: Ist es schwierig, eine reale Persönlichkeit wie Halston zu verkörpern?

Ewan McGregor: Ich mag die Herausforderung. Es erlaubt mir, einen tiefen Einblick vom Leben eines anderen Menschen zu bekommen. Ich muss sagen, Halstons Zeit in New York City war schon echt spannend.

Inwiefern?

In den 60ern und 70ern ging es dort richtig ab, Vergnügungssucht und ein ausschweifender Lebensstil waren an der Tagesordnung. Roy Halston  war ein Mann, der aus einer Kleinstadt in Mittelamerika in den Big Apple kam. Er wollte sich unbedingt seinen großen Traum erfüllen und Modedesigner werden. Er wusste, was er wollte!

Ewan McGregor als Roy Halston mit seinen Musen, den „Halstonettes“. Netflix/Atsushi Nishijima

Haben Sie mit Freunden oder Zeitzeugen, die ihn persönlich kannten, gesprochen?

Nein, ich habe mir hauptsächlich Filmaufnahmen und Dokus über ihn angeschaut und seine Biografie gelesen, auf die unsere Serie auch basiert. Es gab ein paar fantastische TV-Interviews, durch die ich ihn studieren konnte und ein paar sehr gute Aufnahmen von Halston in seiner Werkstatt bei der Arbeit.

Gibt es Ähnlichkeiten zu Halston, die Sie bei sich entdeckt haben?

Danach habe ich gar nicht gesucht, weil das für meine Rolle nicht relevant war. Mir war es wichtiger, so viele Fakten wie möglich über ihn zu sammeln, damit ich sein Denken nachvollziehen konnte. Ich fand es beeindruckend, wie leidenschaftlich er seine Arbeit angegangen ist und wie absolut gut er darin war. Ich fand Halston unheimlich faszinierend und habe mich sogar ein wenig in ihn verliebt. Deshalb wollte ich ihn auch unbedingt spielen.

Was hat Sie an Halstons Leben am meisten überrascht?

Wie unsagbar berühmt er zu Lebzeiten war. Damals trug jeder irgendwas von Halston. Selbst Jackie Kennedy war ein Fan seines Pillbox-Huts. Ich sage immer, er ist der berühmteste Mensch, von dem Leute heute noch nie etwas gehört haben.

Mode-Designer Halston 1977 mit Bianca Jagger. imago/stock&people

Jeder kennt dagegen Obi-Wan Kenobi. Sie spielen den „Star Wars“-Jedi-Master noch einmal in einer neuen Serie auf Disney Plus …

… und freue mich total darüber. Das hätte ich mir vor zehn Jahren gar nicht nicht vorstellen können, noch einmal Obi-Wan zu sein. Das Coole ist, dass ich inzwischen fast so alt bin, wie es mein Vorgänger Alec Guiness in „Krieg der Sterne“ Teil 3 war.

Der war 63, Sie sind gerade mal 50!

Okay, dann bin ich halt ein bisschen altersmäßig an ihn drangekommen (lacht). Ich finde es toll, dass wir mit der Obi-Wan-Serie jetzt eine ganz neue Generation erreichen können. Deren Eltern waren selbst noch Kids, als die „Star Wars“-Filme rausgekommen sind. Eine Generationen-übergreifende Figur zu spielen, das finde ich total aufregend!