Patrick Stewart als Jean-Luc Picard in einer Szene der Amazon-Serie „Star Trek: Picard“. Nach fast 20 Jahren spielt er wieder diese Rolle. Foto: dpa/Amazon Prime Video

Seine berühmteste Rolle war für Patrick Stewart zugleich Segen und Fluch. Als erster britischer Schauspieler war er Teil einer „Star Trek“-Crew. Der Part als Captain Jean-Luc Picard in der TV-Serie „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“ machte ihn weltberühmt. Aber er begrenzte für lange Zeit auch die Rollen, die ihm angeboten wurden, denn alle sahen in ihm nur Picard.

Nach dem Ende der beliebten Serie und mehreren „Star Trek“-Kinofilmen schien dieses Kapitel für Stewart beendet zu sein. Doch jetzt, wo der Schauspieler am Montag seinen 80. Geburtstag feiert, befindet sich schon die zweite Staffel seiner neuen TV-Serie „Star Trek: Picard“ mit ihm als Titelheld in der Produktion.

In dieser Uniform wurde Patrick Steward in den 80er- und 90er Jahren als Captain Jean-Luc Picard bekannt. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Als ihm die Rolle Mitte der 80er Jahre angeboten wurde, war Stewart, der am 13. Juli 1940 im englischen Dorf Mirfield in West Yorkshire geboren wurde, zunächst skeptisch, was den Erfolg der Serie anging. Beim Start der Serie war der 47-Jährige den meisten Zuschauern in den USA überhaupt kein Begriff. Hauptberuflich stand der Schauspieler damals auf der Theaterbühne. Von 1966 bis 1982 war er Mitglied der Royal Shakespeare Company. Auch heute steht er noch regelmäßig auf den Bühnen Englands.

Die Liebe fürs Theater hatte sein Lehrer geweckt, als Stewart elf oder zwölf Jahre alt war. „Er hat mir ein Exemplar von Shakespeare in die Hand gedrückt und gesagt: ‚Jetzt stell dich hin und trag es vor‘“, erzählte Sir Patrick dankbar, als er 2010 von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen wurde. „Ohne diesen Mann wäre nichts davon passiert.“

15 Jahre lang war Stewart, der seine Fangemeinde durch seine Rolle als Professor Charles Xavier in den „X-Men“-Filmen nochmal vergrößerte, als französischer Raumschiff-Kapitän mit feinem englischen Akzent in sieben TV-Staffeln und vier Kinofilmen zu sehen. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich gar nicht erst mitgemacht“, gestand er 2013 der BBC. „Und wenn ich so zurückdenke, ängstigt es mich auch ein wenig, dass ein so großer Teil meines Lebens vollkommen ‚Star Trek‘ und sonst fast nichts gewidmet war.“

Dennoch ließ er sich nach anfänglichem Zögern 2017 auf ein Comeback als Picard ein, weil ihm der moderne Ansatz gefiel. Die Welt der alten TV-Serie sei „zu perfekt und zu beschützt gewesen“, erklärte Stewart, „es war eine heile Welt voller Respekt, Kommunikation und Fürsorge - und manchmal Spaß“. Dagegen ist „Star Trek: Picard“ grimmiger und pessimistischer, was nicht allen Fans gefällt. Für Stewart hingegen macht es absolut Sinn. „Das war meine Antwort auf die Welt von Brexit und Trump“, sagte er.

Patrick Stewart kommt mit seiner Ehefrau Sunny Ozell im Januar 2020 am Berliner Zoo-Palast. Foto: dpa/Paul Zinken

Da die Corona-Pandemie auch die Film- und Fernsehindustrie ausgebremst hat, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die neuen Folgen zu sehen sind. Stewart, der in dritter Ehe mit der Musikerin Sunny Ozell im New Yorker Stadtteil Brooklyn lebt, vertreibt sich die Zeit unterdessen mit anspruchsvollen Puzzles und schreibt seine Memoiren. Und er geht weiter der Leidenschaft nach, die ihn nun fast 70 Jahre begleitet. In kurzen Videos trägt er Gedichte von William Shakespeare vor.