Mit charmantem Lächeln, strahlend blondem Haar und ruhiger Stimme gehörte Karin Tietze-Ludwig fest zum Samstagabendprogramm im Ersten. Imago Images

Mehr als 30 Jahre lang verkündete sie als Lottofee die Zahlen, welche die Zuschauer vor dem Fernseher für wenige Minuten von einem Leben als Millionär träumen ließen. Mit charmantem Lächeln, strahlend blondem Haar und ruhiger Stimme gehörte Karin Tietze-Ludwig fest zum Samstagabendprogramm im Ersten. Am Montag feiert die Lottofee im Ruhestand ihren 80. Geburtstag.

Ihre Fernsehkarriere begann sie 1964

Ursprünglich wollte die in Siegen geborene und in Biedenkopf an der Lahn aufgewachsene Ludwig Stewardess werden. Doch ihr Vater legte sein Veto ein – und Tochter Karin wurde zunächst Fremdsprachensekretärin einer Fluggesellschaft. Ihre Fernsehkarriere begann sie dann 1964 als Ansagerin beim Hessischen Rundfunk.

„Lottofee“ Karin Tietze-Ludwig präsentiert 1996 im Studio des Hessischen Rundfunks die Ziehung der Lottozahlen.  Fabian Matzerath/dpa

Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann Hans-Jürgen Tietze kennen, einen Journalisten. Bundesweit bekannt wurde Tietze-Ludwig, als sie im August 1967 ihren Dienst an der Lottotrommel antrat – wobei sie sich zunächst noch mit ihrer Kollegin Karin Dinslage abwechselte, der ersten Lottofee Deutschlands.

Aufgeregt sei sie anfangs schon gewesen, gab die Moderatorin später in einem Interview mit Lotto Hessen zu. „Mir ging dauernd durch den Kopf, dass es um sehr viel Geld geht und dass ich mich daher auf keinen Fall versprechen darf.“ Dabei leistete sie sich nach eigenen Worten in der langen Zeit als Lottofee nur einen einzigen Patzer: Irritiert von einer Lichtreflexion im Studio verwechselte sie einmal die Sechs mit der Neun.

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Die Ziehung der Lottozahlen wurde im Lauf der Jahre immer bunter und glamouröser. In Teakholzplättchen eingravierte Lottozahlen wurden von Leuchtelementen auf Plexiglas abgelöst. Zuletzt wurden die Zahlen beim Hessischen Rundfunk mit der Frankfurter Skyline im Hintergrund gezogen. Tietze-Ludwig blieb. Ihren Standardsatz konnten wohl die meisten mitsprechen: „Der Aufsichtsbeamte hat sich vor der Ziehung vom ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgeräts und der 49 Kugeln überzeugt.“

Karin Tietze-Ludwig mit ihrem Ehemann Hans-Jürgen Tietze. Imago Images/Gerald Matzka

Manche Zuschauer hofften, ihrem persönlichen Zahlenglück mithilfe der Lottofee nachzuhelfen und der Moderatorin vorab die sechs Richtigen zu entlocken – natürlich vergebens. „Da wurden mir Häuser, Autos, Weltreisen oder eine prozentuale Beteiligung versprochen“, erzählte Tietze-Ludwig gern in Interviews. Ein ganzes Buch schrieb sie über solche Anekdoten. Ihre Bücher „Zusatzzahl 13“ und „Glück kommt nie zu spät“ signierte Tietze-Ludwig gern mit persönlichen Glückwünschen.

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Um wieder mehr Zeit für ihr Privatleben zu haben, übergab Tietze-Ludwig im Januar 1998 die Präsentation der Lottozahlen ihrer Nachfolgerin Franziska Reichenbacher. Zum letzten Mal verkündete sie die Lottozahlen am 17. Januar 1998. Seither war sie nur noch selten auf dem Bildschirm zu sehen. Dafür fand die Lottofee außer Dienst Zeit für ihre Hobbys – vor allem für das Reisen und das Golfspielen.

Bundesweit bekannt wurde Tietze-Ludwig, als sie im August 1967 ihren Dienst an der Lottotrommel antrat. dpa

Dass die Lottoziehung den Zuschauern nicht mehr live im Fernsehen vergönnt ist, findet die ehemalige Moderatorin schade, wie sie im vergangenen Jahr in einem Interview mit der Bild-Zeitung sagte. Die Onlinebekanntgabe der Lottozahlen empfinde sie heute eher als bloße Verkündung statt als Glücksmoment, wie er früher einmal einer war.

Ihre Liebe zum Lotto verlor Karin Tietze-Ludwig auch im Ruhestand nicht – obwohl sie diese nur noch als Spielerin ausleben kann. Wenn sie es nicht ausnahmsweise einmal vergisst, macht sie bis heute ihre Kreuze auf dem Lottoschein, wie sie der Bild verriet. „Besonders, wenn der Jackpot sehr hoch ist.“ Doch knacken konnte sie ihn bisher nicht.