Im großen KURIER-Interview

Sofia Coppolas neuer Film zeigt Elvis Presleys dunkle Seite

Sieben Minuten lang dauerte die Standing Ovation der Zuschauer für „Priscilla“ beim Venice Film Festival. Der KURIER sprach mit der Oscar-Favoritin.

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Regisseurin Sofia Coppola stellt ihren neuen Film „Priscilla“ bei den Filmfestspielen in Venedig vor.
Regisseurin Sofia Coppola stellt ihren neuen Film „Priscilla“ bei den Filmfestspielen in Venedig vor.Gabriel Bouys/AFP

Sieben Minuten lang dauerte die Standing Ovation der Zuschauer für „Priscilla“ beim Venice Film Festival. In der ersten Reihe musste sich das Hauptobjekt des Filmes, Priscilla Presley, immer wieder die Tränen der Rührung aus den Augen wischen. Die Witwe des King saß zwischen Elvis-Hauptdarsteller Jacob Elordi und Regisseurin Sofia Coppola, die der 78-Jährigen immer wieder die Hand drückte. Die 52-Jährige stand nach der Premiere auf dem Lido der Presse Rede und Antwort zu ihrem filmischen Triumph, der ihr laut Kritiker einen zweiten Oscar einbringen könnte.

Was fanden Sie an Priscilla Presleys Geschichte so faszinierend, dass Sie unbedingt einen Film daraus machen wollten?

Sofia Coppola: Wie ungewöhnlich und gleichzeitig gewöhnlich ihre Story war! Ich konnte mich mit Priscilla identifizieren, wie sie vom Mädchen zur Frau heranwuchs, ihr erster Kuss, ihre ersten Momente als Mutter. Und dennoch war sie Teil dieses legendären Paares, Elvis und Priscilla, was ihre Erlebnisse natürlich einzigartig machen. Und ich dachte, es sei an der Zeit, diese legendäre Story endlich aus ihrer Sicht zu erzählen.

Sofia Coppola (l.) und Priscilla Presley bei den Filmfestspielen in Venedig.
Sofia Coppola (l.) und Priscilla Presley bei den Filmfestspielen in Venedig.Gabriel Bouys/AFP

Priscillas Romanze mit Elvis klang immer wie ein modernes Liebes-Märchen. Doch ihr Film zeigt ein viel düsteres Bild von Elvis, inklusive emotionalem Missbrauch und sogar Gewaltandrohungen.

Ich zeige eine menschliche Geschichte. Priscilla enthüllt die Höhen und Tiefen einer Beziehung und beleuchtet alle Seiten – die Romanze und die öffentliche Illusion. Hauptsächlich handelt der Film aber um die Evolution einer jungen Frau, die ihre Ehe mit einer starken Persönlichkeit verlassen musste, um selbst zu einer starken Persönlichkeit zu werden. Sie war eine Vorreiterin.

Inwiefern?

In der Generation meiner Mutter war es für Frauen die größte Erfüllung, einen erfolgreichen Ehemann, ein wunderschönes Haus und ein Kind zu haben. Und wenn eine Frau mehr als das wollte, dann war das ein Kampf. Etwas, was die Gesellschaft nicht erwartete.

Jacob Elordi als Elvis und Cailee Spaeny als Priscilla in einer Szene des Films „Priscilla“.
Jacob Elordi als Elvis und Cailee Spaeny als Priscilla in einer Szene des Films „Priscilla“.Philippe Le Sourd/A24 via AP

Priscillas Story ist aber auch die eines 14-jährigen Mädchen, die sich in einen erwachsenen Mann verliebt und von ihm später verführt wird. Klar war der Mann Elvis Presley, doch das Thema wird heutzutage mit viel kritischeren Augen gewertet als damals. Sie sind selbst Mutter, haben Sie keine Sorge, dass die Zuschauer diesen Aspekt abstoßend finden?

Ich habe versucht, diesen Film allein aus Priscillas Augen zu drehen. Ihr Buch beschreibt die Welt aus ihren Augen. Ich selbst kann mich in das Alter zurückversetzen und erinnere mich, wie ich in ältere Männer, meist Rockstars, verknallt war. Ich habe also versucht, mich als 14-jährige Sofia in sie zu versetzen. Ich wollte ihre Erfahrungen, die so anders sind als meine, so authentisch wie möglich herüberbringen.

Sie sind mit einer Sondergenehmigung trotz des Streiks der Schauspieler und Drehbuchautoren aus Hollywood nach Venedig gereist.

Ja, ich vertrete meinen unabhängig von großen Studios gedrehten Film hier als Regisseurin und Produzentin. Aber ich stehe total hinter den Gewerkschaften und ihren harten Kampf um gerechte Bezahlung. Ich hoffe so sehr, dass schnell eine Einigung erzielt werden kann, weil so viele Menschen wieder zurück zur Arbeit wollen.

Ihr Film ist eine echte Familienproduktion. Ihr Ehemann Thomas Mars hat mit seiner Band den Soundtrack geschrieben und aufgenommen.

Das stimmt. Es war so klasse, mit meinem Mann und seiner Band Phoenix zusammen zu arbeiten. Sie haben eine tolle Musik geschrieben, die nicht nur die 60er Jahren, sondern auch die Gefühle der jungen Priscilla perfekt treffen. Es war eine echte Kollaboration und das erste Mal, dass ich bei der Filmmusik so tief involviert war.

Elvis und Priscilla haben ein Leben in den Augen der Öffentlichkeit geführt. Gab es etwas, was Sie durch Ihre Gespräche mit Priscilla Presley erfahren haben – etwas Erstaunliches, was Sie noch nicht wussten?

Es gab so viele wunderbare kleine Details, die Priscilla in Gesprächen mit mir beisteuern konnte – Dinge, die nicht im Buch standen. Ich konnte sie auch während des Drehs immer fragen. Das war so wichtig für den Film, weil man als Zuschauer dann erst das Gefühl hat, wirklich mit dabei zu sein.

Rock'n Roll Star Elvis Presley mit seiner Frau Priscilla und ihrer kleinen Tochter Lisa Marie (1968). 
Rock'n Roll Star Elvis Presley mit seiner Frau Priscilla und ihrer kleinen Tochter Lisa Marie (1968). AP/dpa

Aber gibt es ein besonderes Detail, was bei Ihnen hängen geblieben ist?

Priscilla hat mir verraten, wie sie in Deutschland mit Elvis im Kino war. Er hat während des Films die Texte der Darsteller auf der Leinwand leise mitgesprochen. Das stand nicht in ihrem Buch! Elvis wollte nämlich sich unbedingt das Image als ernstzunehmender Schauspieler erwerben. Es war sein größter Traum und die Wurzel seines größten Karrierefrusts.

Wie hat Priscilla reagiert, als Sie Ihren Film zum ersten Mal gezeigt haben?

Ich kann Ihnen verraten, dass ich vorher furchtbar nervös war. Nachdem sie den Film gesehen hat, schaute sie mich an und sagte: „Das war mein Leben! Du hast deine Hausaufgaben gut gemacht“. Ich war so erleichtert, weil es für mich unglaublich wichtig war, dass sie happy mit dem Film ist. Dass sie das Gefühl hat, ich habe sie und ihre wahre Geschichte respektiert!