Arthur (Henry Hübchen) und Elsa (Corinna Kirchhoff) wollen ihr Haus am See entrümpeln, denn es soll verkauft werden. Der demenzkranke  Arthur will das aber nicht.  dpa/WDR/Flare Film/Oliver Feist 

Sie kommen heim, in ein verlassenes Haus am See ganz in der Nähe von Berlin: Einst haben sie es restauriert, hier haben der nun Ex-Schlagerstar Arthur Weyer (75, Henry Hübchen) und seine zehn Jahre jüngere Noch-Ehefrau Elsa (Corinna Kirchhoff) viele glückliche Stunden verbracht. Arthur ist an Demenz erkrankt, schläft den ganzen Tag und macht nachts merkwürdige Dinge, er verletzt sich etwa, als er sich ein Brot schmieren will. 

Um seinen Platz im Pflegeheim zu finanzieren, müssen sie ihr idyllisches Haus gegen seinen Willen verkaufen. Was passiert mit einer Ehe nach so vielen Jahren? Darum dreht sich das Drama „Ein Leben lang“ am heutigen Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten. 

Der eine trinkt, die andere ist verletzt

Für die Entrümplung engagieren die Eheleute den Mittvierziger Sorin Ludinas (Eugen Knecht), der allein auf einem Hausboot lebt und sich als DJ und mit Gelegenheitsjobs durchschlägt. Kurz zuvor hat er noch viele Äpfel und Quitten aus ihrem Garten gestohlen, er erweist sich zunehmend aber als Glücksfall. Mit Arthur versteht Sorin sich auf Anhieb erstaunlich gut, streitet sich aber zunächst heftig mit Elsa.

Auf einmal werden nämlich Dinge erörtert, die bislang verdrängt wurden. Dazu gehören neben schönen Erinnerungen auch Verletzungen und Konflikte. Arthur hatte Elsa vor Jahren für eine jüngere Frau verlassen, die wiederum verließ ihn, als er krank wurde. Allmählich wird deutlich, weshalb die seltsam distanziert wirkende Elsa sich noch um ihren Mann kümmert, der sie einst für eine andere verließ, und warum Sorin allein lebt und trinkt.

Die unverhoffte und verwirrende Begegnung der drei Menschen verändert vieles, führt gar zu schwerwiegenden Entscheidungen - aber tatsächlich verbindet die drei nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch die Last von mühsam verdrängten Ereignissen und das Ringen um ein selbstbestimmtes Leben - bis zum Schluss.

Inszeniert in melancholischer Herbststimmung

Regisseur Till Endemann (45, «Das Versprechen») und Autor Paul Salisbury (42, «Atlas») haben ihr kammerspielartiges Drama mit ruhiger Hand, ganz viel feinem Gespür für die leiseren Töne und wunderschönen Bildern (Kamera: Philipp Sichler) in melancholischer Herbststimmung inszeniert. Die lebensklugen und herzenswarmen Dialoge werden von den drei Hauptdarstellern mit viel Feingefühl verkörpert; Eugen Knecht (34, «Sturm der Liebe») ist ein ebenbürtiger Partner für seine beiden bekannteren Kollegen.

Henry Hübchen (74, „Wir bleiben Freunde») und Corinna Kirchhoff (63, «Die Eifelpraxis») spielen das bodenständige und vertraute, jetzt getrennt lebende Ehepaar mit sparsamer, aber eindrucksvoller Gestik und Mimik einfach großartig.

Er als Mann und ehemaliger «König der Hitparaden“, dem damals die Herzen der Fans und insbesondere die der Frauen nur so zuflogen, und dem allmählich sein Leben entgleitet. Sie als stets verständnisvolle Gattin, die immer für ihn da gewesen ist und alles für ihn gemacht hat. Das tut sie auch jetzt noch, und nicht nur deshalb, weil sie bislang nicht von ihm geschieden ist. Vielmehr kann sie einfach gar nicht anders - weil sie ihn noch immer liebt.