Seth Rogen wurde 1982 in Kanada geboren. Foto: Chris Pizzello/Invision/AP

New York vor 100 Jahren. Ein Mann fällt in ein Fass, in dem Gewürzgurken eingelegt sind. Keiner bemerkt das Unglück. Deckel drauf. Das Fass taucht erst jetzt wieder auf. Und darin findet man den Unglücksraben. Von der Gurkenlauge wohl konserviert, keinen Tag gealtert und quicklebendig. Das ist der Stoff, aus dem Seth Rogen die neueste seiner erfolgreichen Comedys gemacht hat. Er spielt diesen jüdischen Uralt-Einwanderer, der sich im Leben des modernen New York zurechtfinden muss. Das und der Titel „American Pickle“ klingt witzig. Bis der Star-Komiker, der jüdischer Abstammung ist, sich im Interview für den Film über Religion und den Staat Israel äußerte: „Die Ortswahl in Palästina macht für mich keinen Sinn.“ Ein Shitstorm folgte auf dem Fuß.

Sie mussten viel Kritik einstecken. Auch von Ihrer eigenen Familie?

Nein. Meine Eltern denken ähnlich wie ich. Einstellungen sind eh keine Generationsfrage. Wir haben innerhalb des Judentums weltlich-progressive und religiös-konservative Gruppierungen. Das bestimmt die Ideologie. Und ich stamme aus einem liberalen, nicht religiösen Elternhaus.

Wie viel Ihrer eigenen Erfahrungen haben Sie in Ihre Rolle eingebaut?

So einige. Ich bin zwar auf eine jüdische Schule gegangen und zu jüdischen Veranstaltungen. Ich musste so also lernen, die religiöse und die kulturelle Seite des Judentums auszubalancieren. Das mache ich bis heute.

Ihre Filmfigur Herschel hat eine sehr chauvinistische Einstellung, was die Rolle von Frauen betrifft.

Es ist halt Teil seiner Religion. Fast alle großen Religionen sind sehr patriarchalisch und haben eine rückständige Einstellung, was die Rolle der Frau in der Gesellschaft betrifft. Damit tun sich viele progressive Menschen wie auch ich besonders schwer.

Was gibt Ihnen Halt, besonders in so schwierigen Zeiten wie heute?

Meine Frau Lauren. Ich habe unheimliches Glück, mit ihr verheiratet sein zu dürfen. Wir verstehen uns fantastisch. Sie ist eine unsagbar schlaue, talentierte und brillante Frau, die mir in jedem Aspekt meines Lebens weiterhelfen kann. Während der Quarantäne ist mir bewusst geworden, wie gerne wir beide Sachen zusammen machen. Wir unterstützen uns und mögen uns einfach.

Seth Rogen in seiner Rolle als Herschel Greenbaum in „American Pickle“ Foto: Hopper Stone/HBO Max via AP

Für Ihren Filmhelden Herschel ist Sprudelwasser der größte Luxus auf Erden. Was ist für Sie ein Symbol für Luxus?

Als ich ein Junge war, habe ich von einem Lamborghini Countach geträumt. Ich dachte: „Wenn ich einmal ganz viel Geld habe, dann kaufe ich mir den als Erstes.“ Heute könnte ich mir den leisten, aber es gibt viel wichtigere Dinge, die mich heute glücklich machen.

Zum Beispiel?

Familie ist mir wichtiger als alles andere. Ich habe immer von allen meinen Lieben Fotos bei mir. Ich Zoom-telefoniere oft mit meinen Eltern und besuche sie regelmäßig in Kanada. 

Ist ein lustiger Typ wie Sie auch mal mies gelaunt oder traurig?

Oft. Immer wenn die Öffentlichkeit meine Filme nicht mag. Diese Zurückweisung tut unheimlich weh und ist manchmal sehr traumatisch. Man ist am Boden und es ist sehr schwer, wieder hochzukommen. Besonders, wenn man im Rampenlicht steht.