23.10.2020 Berlin
Der SŠnger Klaus Hoffmann

Copyright: Christian Schulz

Foto: Schulz

Am Anfang des zweiten großen Stillstandes erinnert sich der Berliner Sänger Klaus Hoffmann daran, wie er den ersten erlebt hat: „Durch die damit verbundene Stille im Sommer kam ich runter. Ich habe die letzten Arbeiten an meinem neuen Album erledigt. Mit Musikern, die bis nach London verstreut waren und von überall ihre Beiträge schickten. Ich saß vor meinem Bildschirm und kommunizierte mit ihnen.“ Die Beschäftigung mit dem neuen Album „Septemberherz“, das am Freitag herauskommen wird, wirkte auch als Ablenkung: „Das ging, so lange ich arbeiten konnte. Arbeit ist ein Lebensmittel. Dann kamen alte Ängste hoch. Wo geht es hin mit der Gesundheit? Ich denke als Nachkriegskind natürlich auch daran, was meine Eltern durchgemacht haben.“

Corona hatte dafür gesorgt, dass Hoffmann plötzlich vor sehr wenigen Zuhörern sang: „Ich trat vor 50 Leuten auf und bemühte mich, dass die Kultur nicht aus meinem Herzen rausflog. Es muss weitergehen.“ Die Pandemie und das Gefühl des Ausgeliefertseins wirkten auf den Kladower, im Gegensatz zu anderen Künstlerkollegen, wenigstens nicht lähmend: „Ich bin ja so ein komischer Typ, der in so einer Situation durchstartet. Mir fällt es eher schwer, im Bett zu liegen und zu grübeln. Ich muss raus und mich bewegen. Auch geistig.“ Er erlebt, wie die Umstände andere abdriften lassen: „Das ist das Schwerste, zu verstehen, was wirklich notwendig ist, damit man nicht in irgendwelche Verschwörungstheorien abgleitet. Oder in Sorgen.“

Hoffmann sang gerade eine Woche in der Bar jeder Vernunft. Und während bei anderen zuletzt das Publikum fast ganz weg blieb, konnte er sich in den vergangenen Jahrzehnten besonders treue Fans erarbeiten: „Ich habe das Glück, dass mein Publikum mit mir gemeinsam älter geworden ist. Die Plätze, die besetzt werden durften, waren besetzt.“

Die Wochen rund um das Erscheinen eines neuen Albums hat Klaus Hoffmann schon oft erlebt, Routine sind sie trotzdem nie geworden. „Die erste Zeit höre ich das neue Album oft. Dann lege ich es weg, um Distanz zu bekommen. Ich bin total nervös.“ Diesmal war etwas anders: „Ich habe beim Schreiben gemerkt: Vielleicht mache ich das nicht mehr so oft.“ Und damit meint er ausdrücklich nicht diesen vielfach gehörten, wahnsinnig koketten Satz: „Das ist mein letztes Album.“ Hoffmann bekennt sich zu seiner Nervosität, kann sie sogar erklären: „Da sind so ein paar Sachen drauf, die ich noch nie gemacht habe. Wie das Lied mit meiner Tochter. Und die Inhalte habe ich nicht so laut gebellt, dieses Album ist voller Geheimnisse.“ Gerade spürt er, wie er ruhiger wird: „Auch weil ich merke, dass es bei den Leuten, die es schon gehört haben, ankommt. Dafür macht man es ja.“

Plötzlich gerät ein Datum in seinen Blick: der 26. März 2021, an dem unter normalen Umständen ein großes Fest fällig wäre: „Ich entdecke, dass ich 70 werde. Und habe kein Problem damit, älter zu werden, sondern mit dem Gedanken, dass ich irgendwann sterbe, Abschied nehmen muss von dieser Erde.“ Er findet die Zahl 70 unpassend: „Ich bin ja noch so ein durchtrainierter Typ, denke ich dann immer, obwohl es überall knackt.“ Er will wirklich nicht wehleidig klingen: „Im Moment ist es noch okay. Aber ich bin nicht mehr Leichtfuß.“ Der Sänger ist auf der Suche nach einer Gewissheit, die es nicht geben kann: „Das Altern ist in Ordnung, wenn mir jemand einen Vertrag unterschreibt, dass ich noch 20 Jahre leben darf. Gesund, optimistisch und mit genug Geld, um das durchzustehen.“

Die Frage, wie er seinen Geburtstag verbringen wird, kann Klaus Hoffmann noch nicht endgültig beantworten, weil er es noch nicht entschieden hat: „Groß wird die Nummer nicht gefeiert. Eher mit wenigen Freunden. Oder ich haue ab nach Griechenland.“ Seine griechische Sekretärin sagt, dass es im März dort noch kalt sein wird. „Aber das würde mir nichts ausmachen.“