Der US-Schauspieler Sean Penn. Foto: Imago-Images/ZumaPress

Abgesehen von ein paar Nebenrollen im Fernsehen hat man von Sean Penn in den letzten fünf Jahren nicht viel gesehen. Der Hollywood-Rebell leitet die von ihm gegründete Hilfsorganisation CORE, die schon im März 2020 das erste Drive-In für Corona-Tests in Penns Heimat Los Angeles aufbaute. 

In Kalifornien sind die Ansteckungsraten gerade sehr hoch. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Also bislang habe ich mich noch nicht mit Covid-19 angesteckt. Aber ich bin auch sehr vorsichtig. Ich halte alle Meetings draußen ab, wir alle von CORE tragen immer Mundschutz und werden regelmäßig getestet. Aber ich weiß, ich kann es jederzeit bekommen. Ich habe einige Freunde, die krank geworden sind. Ein paar Bekannte sind sogar gestorben.

Sind Sie so wie viele andere auch während der Coronakrise durch ein mentales Tief gegangen?

Nein, weil mir bewusst ist, dass ich zu den Glücklichen gehöre. Ich habe weder drei kleine Kinder zuhause noch wurde ich gerade gefeuert oder lebe mit mehreren Generationen meiner Familie unter einem Dach – ständig in Angst, die anderen mit dem Virus anzustecken. Ich muss mir keine Sorgen machen, wie ich für Essen und Miete aufkommen kann.

Sie können nicht klagen...

Nein. Wenn überhaupt nur, dass sich jeder Tag anfühlt wie der vorherige. Und dennoch passieren zurzeit trotz Corona Dinge, die uns als Menschen zusammenbringen. Wir sind Teil einer weltweiten Bewegung, die sich für Menschlichkeit und Gleichberechtigung einsetzt.

Sah keinen Grund, sich vor dem Video-Interview zu kämmen: Hollywood-Star Sean Penn Foto: Screenshot Dierk Sindermann

Sie sprechen von Black Lives Matter. Wie unterstützen Sie diese Bewegung?

Ich versuche meinen Teil dazu beizutragen, indem ich meine Stimme erhebe. Insbesondere gegen Unternehmen, die nicht zur Verbesserung unserer Welt beitragen, die Hass verbreiten und auf ihre soziale Verantwortung pfeifen. Die muss man boykottieren und auf der anderen Seite Firmen und Menschen herausheben, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. 

Woran liegt es, dass man das Coronavirus in den USA nicht in den Griff bekommt?

Es hat viel mit sozialer Verantwortung und der Einstellung der Gesellschaft zu tun. Viele Amerikaner empfinden es als Einschnitt in ihre persönliche Freiheit, den Corona-Maßnahmen zu folgen und so andere um sich herum zu schützen. In Kanada wurde der erste Ausbruch des Coronavirus nicht mit der Arroganz meiner Landsleute aufgenommen. 

Sie feiern im nächsten Monat einen runden Geburtstag.

Ja, 60. Und es wird auch langsam Zeit! Ich habe schon immer gefühlt, dass ich erst mit 77 mein wahres Ich entfalten kann. Also habe ich noch 17 Jahre Zeit. 

Sind Sie eher Optimist oder Pessimist, wenn es um die Zukunft der Welt geht?

Ich bin ein pragmatischer Optimist. Meine pragmatische Seite sagt, dass die Menschheit auch diese Krise meistern wird. Und ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir nach der Wahl im November in Amerika die Chance auf einen Neubeginn bekommen werden. Das wir diesen obszönen, nationalistischen Horror in die Schranken weisen und mit Hilfe der Black-Lives-Matter-Bewegung einen Impfstoff gegen Rassismus finden.