Rudolf Schenker, Klaus Meine und Matthias Jabs von den Scorpions in den Peppermint Park Studios, wo sie ihr 19. Album aufnahmen. dpa

Das ist sie also, die Scheibe, die beweisen soll, dass Rock noch lange nicht tot ist: das Glaubensbekenntnis der Scorpions „Rock Believer“. Doch kann das Album, für das sich die Band aus Hannover viel Zeit gelassen hat (vor mittlerweile sieben Jahren erschien „Return To Forever“), wirklich die aufpeitschenden Stadionkracher der 80er-Jahre wie „Blackout“ aufleben lassen?

Schlappe 50 (!) Jahre ist es her, dass die Rocker um Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolf Schenker mit dem Debüt „Lonesome Crow“ den Weg zu einer der bekanntesten Rockbands der Welt antraten. Mehr als 120 Millionen Tonträger haben sie  laut ihrer Plattenfirma verkauft. Jetzt wollen sie zurück zu ihren Ursprüngen.

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Auf Rock Believer ist kein Platz für Firlefanz

Und zum Teil gelingt den älteren Herren das formidabel. Kein Schnickschnack, kein Firlefanz, keine opulenten Streichereinsätze, kein Orgelgedöns – hier gibt es puren, ehrlichen Rock, der sich in die Gehörgänge schrammelt.

Insgesamt elf Songs hat das Album, 16 die Deluxe-Edition, die Klaus Meine, Rudolf Schenker, Sologitarrist Matthias Jabs, Bassist Pawel Maciwoda und Ex-Motörhead-Drummer Mikkey Dee einspielten.

Auf geht es mit Pommesgabel und Headbanging

Gleich der Auftaktsong „Gas In The Tank“ gibt die Richtung vor und Lust darauf macht, mit Pommesgabel  und Headbanging Stadiongeruch zu atmen. Der Titelsong „Rock Believer“ schafft es, markig, knackig sich ins Musikgedächtnis zu haften.

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dpa
Hier ist das Ding: Jabs, Meine und Schenker mit „Rock Believer“.

Es folgen noch einige bemerkenswerte Songs, dennoch belibt ein leicht fades Gefühl zurück. Keine Enttäuschung, eher etwas Gutes, aber eben doch Monotones, wenn man das 19. Album der Scorpions nochmal (und nochmal) hört.

Bei den meisten Songs schrieb Meine zunächst die Texte und schickte sie an Bandgründer und Gitarrist Rudolf Schenker (73), der zeitweise in Thailand war, Yoga machte und die Musik komponierte. Viele neue Stücke drehen sich um die Kernbotschaft der Scorpions seit Jahrzehnten. „Bury The Undertaker“ (Begrabe den Bestatter) und „Stop The War“ heißt es zum Beispiel in „Peacemaker“.

Scorpions: Hoffnung auf eine friedliche Welt verwehen im Wind

In der Zeit des Mauerfalls hätten sie alle die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft gehabt, erinnert sich Meine. „30 Jahre später reden wir über Krieg in Europa und viele Menschen haben Angst.“ Es sei traurig zu sehen, wie derzeit die Hoffnungen auf eine friedliche Welt „im Winde verwehen“, sagt der 73-Jährige mit Blick auf den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. „Der Dialog darf trotz allem nicht abreißen“, betont der Musiker.

„Wir müssen uns nichts beweisen, wir müssen der Welt nichts beweisen“, sagt Meine. „Wir müssen nur uns selbst treu bleiben und das machen, wofür unser Herz schlägt, um die Verbindung zu den Fans herzustellen.“

Sie werden es mögen, die Energie, die die älteren Herren entfachen, genießen. Und dann wandert die Scheibe zu den anderen in den Schrank. (mit dpa)