Scheiß Ossi, Scheiß Wessi, Scheiß Vorurteile – Marteria (links) und Campino von den Toten Hosen sind sich einig
Scheiß Ossi, Scheiß Wessi, Scheiß Vorurteile – Marteria (links) und Campino von den Toten Hosen sind sich einig dpa/Britta Pedersen

Verkehrte Welt: Da singt eine Band aus Düsseldorf „Scheiß Wessis“ und ein Rapper aus Rostock „Scheiß Ossis“. Was ist da los? Die Toten Hosen und Marteria haben je eine neue Single rausgebracht, zwei Songs die doch irgendwie zusammen gehören – wie Ost und West.

„Wir scheiß Ossis, heut ziehen wir blank am FKK“, singt Marteria in seinem Ossi-Part, bringt neben FKK natürlich auch Rotkäppchen-Sekt, Asbest und Aspik unter. Stellt aber auch fest: „Ja, wir sind von gestern, aber wer hat hier die Tesla-Fabrik?“

Campino, Sänger der Toten Hosen tut es ihm für den Westen gleich. Erst tönt er: „Wollt ihr Austern und Champagner? Kommt zu uns ins KaDeWe. Den Krebs könnt ihr behalten in eurer Charité.“ Immer wieder kommt die Zeile „Wir scheiß Wessis waren schon lange vor euch da“, doch dann folgt die Einsicht: „Trink kein' Champagner mehr, nur noch Rotkäppchen-Sekt. Schmeckt gar nicht so schlecht.“

Und auch Merteria kommt zu dem versöhnlichen Schluss: „Dieses Land, immer noch zwei Teile. Lasst das mal ändern, ist doch scheiße“. Die Songs sind nicht aggressiv, sondern augenzwinkernd witzig und selbstironisch.

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Idee kam bei Besuch – Marteria und Campino sind privat befreundet

Die Idee dazu, gemeinsam diese beide Lieder rauszubringen, kam bei einem Besuch von Campino (59) bei seinem Freund Marten Laciny (39), alias Merteria.

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Marteria: „‚Scheiss Wessis‘ war das erste Lied, und dann hat Campi gesagt: Ey, wenn wir dieses Lied haben, brauchen wir auch die andere Seite der Medaille. So, Du machst jetzt ‚Scheiss Ossis‘. Da musste ich erstmal drüber nachdenken, denn ‚Scheiss Wessis‘ ist mir als Ossi natürlich geläufiger, man begegnet dem jeden Tag. Sehr schön war der Spaß daran. Der fällt ja heutzutage bei vielen Themen weg.“

Campino ergänzt: „Dadurch, dass wir uns selbst durch den Kakao ziehen, können wir uns ein ganz anderes Maß an Unkorrektheiten erlauben“, sagt der westdeutsche Punkrocker. „Für mich war klar: Wir drehen die Sache so richtig auf, wenn es noch diesen Gegensong ‚Scheiss Ossis‘ gibt.“

Angriffskrieg auf die Urkaine lassen Lieder in neuem Kontext erscheinen

In einem ergänzenden Statement, kurz vor der Single-Veröffentlichung, merkt Campino an: „Allerdings haben wir die Lieder vor drei Monaten geschrieben und eingespielt, und damals war die Welt noch eine andere. Seit dem Angriffskrieg von Putin in der Ukraine ist nichts mehr so, wie es vorher war und auch unsere beiden Lieder erscheinen in dem neuen Kontext anders als gedacht.“

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Dennoch bleibt er dabei: „Unsere Songs sind ein Plädoyer für das Zusammenstehen, für Gemeinsamkeiten und für Freundschaft. Deshalb passen sie vielleicht doch besser in diese Zeit, als man auf den ersten Blick erkennen kann.“