Ernst-Georg Schwill in seiner Wohnung in der Torstraße. Foto: imago images / Manja Elsässer

Nur 1,63 Meter klein, doch auf der Leinwand und auf dem TV-Bildschirm zählte Ernst-Georg Schwill zu den großen DDR-Darstellern. Später glänzte er als „Tatort“-Star. Der Kleene mit Berliner Herz und Schnauze: Er starb mit 81 Jahren.

Der Verlag „Das Neue Berlin“ teilte den Tod des beliebten Schauspielers mit. Im Krankenhaus Friedrichshain war Schwill am Donnerstag um 9 Uhr an einem Herzinfarkt verstorben.

Sein Leben war aufregend, vor allem die Kindheit. Schwill war eine echte Berliner Göre, wie er 2008 in seiner Biografie „Is doch keene Frage nich“ schreibt. Mit vier Geschwistern und der Mutter wächst er in Mitte auf. Sein Vater fällt im Krieg. Als 1946 die Mutter stirbt, kommt der Kleene zu seiner Tante, später in das Kinderheim Königsheide (Johannisthal). Dort wird Schwill mit 14 Jahren zum Kinder-Star.

Im Kinderheim wird er von der Defa entdeckt

Die Defa ist im Heim. „Beinahe hätte ich meine Karriere verpasst“, so Schwill in seinem Buch. Denn er sagt den Filmleuten, dass er Autoschlosser werden will. Doch Defa-Regisseur Gerhard Klein fragt ihn, ob er boxen kann. „Einem auf die Fresse hauen kann ick“, sagt Schwill und bekommt die Kinderrolle im Krimi „Alarm im Zirkus“ (1954).

Den Berufswunsch gibt der Junge auf, lässt sich zum Kameramann und zum Schauspieler ausbilden. Star-Regisseure holen Schwill vor die Kamera: Heiner Carow für „Sie nannten ihn Amigo“ (1958) und Frank Beyer für „Fünf Patronenhülsen“ (1960). Eine der bekanntesten Rollen: Der Halbstarke mit dem Spitznamen „Kohle“, den Schwill im Defa-Kultfilm „Berlin – Ecke Schönhauser“ (1957) spielt.  

Auch die Stasi interessiert sich für Schwill, führt ihn als IM „Jacob“ und IM „Maxe“. Als dies vor Jahren bekannt wird, bestreitet Schwill Vorwürfe einer Zusammenarbeit mit dem MfS.

„Auch kleine Rollen muss man mit vollem Einsatz spielen“

Ab den 70er-Jahren   wird er Dauergast im DDR-Fernsehen (wie „Polizeiruf 110“). Auch nach dem Mauerfall glänzt Schwill im TV. Auch kleine Rollen müssten gespielt werden, und zwar mit vollem Einsatz, bekannte Schwill. „Sie geben den Filmen die Würze.“ Zum echten Kult wird sein  Einsatz für den „Tatort“ im RBB (1999-2013). Mit Schiebermütze und Berliner Mundart: Schwills Auftritte als Kriminalassistent Lutz Weber bleiben unvergesslich.