Sängerin Julia Neigel. Ihr neues Album „Ehrensache“ ist gerade erschienen. Foto: C.Barz/Premium Records/Soulfood/dpa

Von 1988 bis in die 90er-Jahre hinein war die Jule Neigel Band („Schatten an der Wand“) eine feste und gefeierte Größe in der deutschen Musikszene. Jetzt enthüllt Frontfrau Julia Neigel im Promi-Magazin „Bunte“, wie sehr sie damals hinter den Kulissen des Erfolgs gelitten hat: „Ich habe #MeToo am eigenen Leib erlebt“, fasst Neigel ihre Erlebnisse zusammen.

„Jahrelang hörte ich, ich sei als Frau nichts wert. Ich erlebte keinen Respekt, sollte stattdessen die hübsche Marionette für die Männer um mich herum sein. Die machten auf meine Kosten Karriere, verdienten mit meinem Namen Geld, bestimmten komplett über mein Leben.“ Warum sie sich seinerzeit so lange gefügt hat, begründet die Musikerin so: „Ich dachte, das sei halt so in diesem Beruf. Um mich herum gab es zu viel negative Energie, zu viel Alkohol und Drogen und ich konnte mich nicht daraus befreien.“

Sängerin Jule Neigel bei einem Auftritt 1988. Foto: Horst Galuschka

Als sie schließlich mit anwaltlicher Hilfe die Band auflöste, bekam sie Morddrohungen und Polizeischutz. „Ich hatte furchtbare Angst um mein Leben“, erzählt Neigel. „Aber dann dachte ich: Freiheit ist das Wichtigste.“ Heute ist Julia Neigel Schirmherrin der Aktion „Laut Stark – gemeinsam gegen Sexismus“ des Familienministeriums Rheinland-Pfalz.

Noch viel lieber würde die Sängerin wieder auftreten. Doch Konzerte sind seit Monaten wegen der Corona-Pandemie unmöglich. „Ich wäre jetzt auf Tour, daran darf ich gar nicht denken“, sagt die Sängerin. Nicht auftreten zu können, sei schmerzlich – doch es treffe auch andere Künstler. „Anderen geht es viel schlechter, ich bin dagegen ein Glückspilz: Ich habe ein neues Album.“ Die Mischung aus Leidenschaft, Gelassenheit und Reife tut auch dem Album gut. Mit der Zeit sei sie angstfrei geworden, sagt Julia Neigel. „Ich habe mich immer irgendwie durchgeboxt. Alles wird gut.“