Der deutsche Popsänger Wincent Weiss steht während der Fernsehgala „Goldene Henne“ auf der Bühne. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Ausverkaufte Konzerte, begehrte Musikpreise – Wincent Weiss legte in kurzer Zeit eine rasante Karriere hin. Bis Corona dem Sänger wie vielen anderen Künstlern eine Zwangspause verordnete, in der er viel Zeit zum Nachdenken hatte. Ergebnis: „Erst da habe ich wirklich gemerkt, wie schlecht es mir geht“, sagt er zum Promi-Magazin Bunte. Gemeint sind seine Depressionen, mit denen der Popstar offen umgeht.

Zwei Jahre in Therapie

Der Songwriter aus Eutin in Schleswig-Holstein beschreibt seine Empfindungen so: „Ich konnte mich irgendwann über nichts mehr freuen. Ich habe Auszeichnungen erhalten und dachte nur: Jetzt muss ich mich wieder freuen und in die Kamera lächeln. Für mich war das alles eine Reizüberflutung. Ich bin dann nur noch in meine Wohnung, habe mich hingelegt und konnte einfach nicht mehr aufstehen. Ich habe weder etwas gegessen noch getrunken und war für alles zu antriebslos.“ Wincent Weiss hat sich professionelle psychologische Hilfe geholt und fordert: „Depressionen sollten kein Tabuthema mehr sein. Ich möchte mit meiner Offenheit andere ermutigen und darin bestärken, sich helfen zu lassen.“

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Der Musiker, der mit Hits wie „Musik sein“ oder „Feuerwerk“ bekannt wurde, singt auch auf seinem neuen Album „Vielleicht irgendwann“ über depressive Phasen und persönliche Schwächen. „Es sind nicht alles klassische Radiohymnen, sondern Songs, auf die ich Bock habe und die ich mal ausprobieren wollte“, sagt der 28-Jährige selbstbewusst.

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Foto: Sat.1

Nachdenklich stimmte bereits der Anfang des Jahres veröffentlichte Song „Was habt ihr gedacht“. Dort spricht ein hörbar verletzter Weiss über die Kehrseiten seiner Bekanntheit. „Und sie sagen: „Ja, du hast es so gewollt. Also hör auf, so zu reden. Du hast Geld und den Erfolg.“ Sag mir, was soll ich jetzt machen aus dem Platin oder Gold, wenn ich Liebe haben will, aber von niemandem bekomm?“
Was sich vielleicht etwas überdramatisiert liest, klingt beim Hören durchaus echt. Zumal der Sänger auch darüber redet, dass er wegen seiner depressiven Stimmungen vor zwei Jahren zur Therapie gegangen ist. 

Tagebuch mit Gedanken und Emotionen

„Der Typ von damals, der so lustig und heroisch ist. Hat sich irgendwo versteckt im großen Nichts“, heißt es in „Wie es mal war“.
„Ich habe viele Reaktionen von Fans, aber auch Kollegen bekommen. Die meinten, sie hätten es nicht unbedingt erwartet, im Deutsch-Pop einen Song mit so offenen Worten zu finden. Meist bleibt man ja unpolitisch und glatt, um sich nicht angreifbar zu machen“, erklärt Weiss. Diese persönliche Reflektiertheit zieht sich durch mehrere der 15 Songs. Passend dazu bringt er ein Tagebuch mit Gedanken und Emotionen zu den einzelnen Tracks heraus.

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„Wo die Liebe hinfällt, da lass ich sie liegen“ heißt es in einer Textzeile über Bindungsängste. In „Was die Menschen nicht wissen“ erklärt Weiss, wie schwer es für ihn ist, eine Frau kennenzulernen. Ständig würde darüber spekuliert, ob und wen er gerade datet. Auch ein Teil seiner Fans dürfte sich dabei angesprochen fühlen.