Begab sich in der Fortsetzung von „Borat “in lebensgefährliche Situationen: Sacha Baron Cohen.  Foto: imago images/ZUMA Wire

Vom Hollywood-Nobody über Nacht zur Sensations-Blondine. Borat macht's möglich. Sacha Baron Cohen (49) brauchte für die Hauptrolle in seinem DaCapo (Titel: „Borat Subsequent Moviefilm“) als Hinterwäldler-Reporter, der aus Kasachstan in die USA abkommandiert wird, eine junge Schauspielerin, die ebenso seine 15-jährige Tochter wie eine Polit-Journalistin spielen kann. Er fand sie „nach 7 Monaten Suche“ in Bulgarien, wo Maria Bakalova erst im letzten Jahr die Nationalakademie für Theater und Film absolviert hatte. Jetzt ist die 24-Jährige weltweit bekannt als Verführerin von Rudy Giuliani (76).

Der Trump-Intimus lässt sich im Film von der naiven Blondine während eines (Fake-Interviews) ins Schlafzimmer einer Hotelsuite locken. Ein Standbild des Ex-Bürgermeister von New York, wie er sich aufs Bett legt und sich dabei in die Hose fasst, sorgte für globalen Wirbel.

Berliner KURIER: Guiliani besteht darauf, dass er sich nicht unangemessen mit der jungen Frau verhalten habe!

Sacha Baron Cohen: Es ist faszinierend, was das Trump-Regime als angemessen im Umgang mit Frauen betrachtet. Aber jeder der den Film sieht, kann sich darüber selbst ein Bild machen.

War das Ganze denn wirklich eine vorher geplante Verführungsfalle, in die Guiliani getappt ist?

Ich will die Pointen nicht verraten. Aber die einzige Person, die für Rudy Guilianis Verhalten verantwortlich ist, ist Rudy Guiliani. Ich würde es als Produzent niemals zulassen, dass sich eine meiner Schauspielerinnen in Gefahr begibt. Ich werde immer eingreifen!

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Haben Sie danach von Guiliani gehört?

Er hat sich scheinbar ziemliche Sorgen gemacht. Er hat uns nämlich die Polizei auf den Hals gehetzt! Ich weiß nicht, was er behauptet hat. Aber die Cops haben eine Razzia in unserem Hotelzimmer gemacht. Ohne gültigen Durchsuchungsbefehl.

Sie begeben sich im Film in einige sehr heikle Situationen. Hatten Sie eigentlich nie Angst?

Natürlich habe ich Angst, so wie jeder andere auch. Ich habe oft Szenen geschrieben und fand sie toll. Bis zu dem Tag, an dem ich sie dann drehen musste. Ich hatte solch einen Schiss, dass ich am liebsten abgehauen wäre. Ich musste mich jedes Mal überwinden.

Sacha Baron Cohen in einer Szene aus dem Film „Borat Subsequent Moviefilm“.
Foto: Amazon Studios via AP

Gab es einen besonders gefährlichen Moment?

Ja, gleich am ersten Drehtag. Wir waren bei einer Demonstration für Waffenrechte im Bundestaat Washington. Ich trug ein T-Shirt, dass … äh … nicht wirklich die mächtige Waffenlobby NRA unterstützt hat. Ich habe darunter eine kugelsichere Weste getragen, zum ersten Mal in meiner Karriere. Es liefen so viele Typen mit halbautomatischen Gewehren herum, es hätte sich sogar versehentlich ein Schuss auf mich lösen können. Ich bin auf jeden Fall bei diesem Film mehr Risiken eingegangen, als je zuvor. Aber ich musste es tun!

Warum?

Wir leben gerade in einer Zeit, wo Amerika an einer Klippe steht und in die Autokratie zu stürzen droht. Je nachdem, was bei den Wahlen geschieht. Ich wollte einfach zeigen, dass die Schattenseiten der amerikanischen Gesellschaft durch den Präsidenten salonfähig geworden sind.

Quelle: YouTube

Und die decken Sie als ausgerechnet als „Borat“ auf?

Er ist doch der ideale Mann dafür. Ein Fake News Journalist, der eine leicht extremere Version von Trump ist. Beide sind frauenfeindlich, beide sind rassistisch, beide unterstützen Antisemiten, beide scheren sich gar nicht um Demokratie, beide haben die alte Weltanschauung und beide sind einfach lächerliche Figuren. Ich habe realisiert, dass deshalb Trump-Anhänger gewillt sind, mir einen Einblick zu geben, wie weit sie wirklich gehen würden.

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Sie haben mit zwei von denen sogar ein paar Tage gelebt. Das muss ja der Horror gewesen sein!

Nein, im Gegenteil! Ich wollte in meinem Film zeigen, dass diese zwei Verschwörungstheoretiker eigentlich herzensgute Menschen sind. So wie viele der Trump-Anhänger auch. Sie wurden mit Lügen gefüttert, die auf Social Media verbreitet werden. Und sie haben sie geglaubt. Aber die Menschlichkeit ist bei ihnen noch vorhanden und das macht mir Hoffnung.

Sie sehen also nicht schwarz für die Zukunft?

Das kann ich erst nach der Wahl in den USA sagen und die steht auf Messers Schneide! Es ist hart gerade sehr optimistisch zu sein. In Trumps Amerika sind ja Fakten langweilig geworden. Und reißerische Lügen werden so lange durch Social Media verbreitet, bis sie geglaubt werden. Es ist die größte Propagandamaschine der Geschichte.

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Was macht Trump Ihrer Meinung nach so gefährlich?

Ich bin nur ein Comedian, ein Schauspieler und kein Politikexperte. Aber meiner Meinung nach hat Trump eines sehr genial gemacht. Er ist durch Fake Media zum Präsidenten geworden. Und dann hat er den Spieß umgedreht und verunglimpft alle Berichte, die ihm nicht passen, als Fake News. Wie es in Autokratien üblich ist. Er hat die Medien als Feind auserkoren und hetzt seine Anhänger so sehr auf, dass sie sogar bereit zur Gewalt gegen Journalisten sind.

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Es ist erstaunlich, dass Leute noch immer auf „Borat“ reinfallen. Wie schaffen Sie das?

Indem ich authentisch bin. Ich werde voll und ganz zu meiner Rolle. Ich kann alle Fragen über mein Land, meine Familie und meine Freunde beantworten. Von der Unterhose bis zu Krimskrams, den ich in der Hosentasche habe, alles ist Original Borat. Inklusive meines Gestanks. Glauben Sie mir, niemand hält es lange in meiner Nähe aus.