Der Berliner Capital Bra gehört zu den beliebtesten Deutschrap-Sängern. Foto: dpa

In Songs, in Videos und auf der Bühne macht er gerne auf „dicke Hose“. Doch jetzt möchte der Berliner Rüppel-Rapper Capital Bra (26) ein guter Junge werden. Der Sänger schämt sich öffentlich dafür, dass er von der Szene-Droge Tilidin abhängig war und diese sogar noch in seinen Liedern feierte. Nun will Capital Bra die Finger davon lassen, vor allem seinen Kindern zuliebe.

Tilidin ist ein synthetisches Opiat. Das rezeptpflichtige Medikament bekommen unter anderem Krebspatienten von ihren Ärzten verschrieben. Aber das euphorisierend und enthemmend wirkende Mittel wird seit Jahren illegal, vor allem von Jugendlichen aus der Rapper-Szene, als Droge konsumiert. Laut Berichten der Krankenkasse stiegen die Tilidin-Verschreibungen bei den 15- bis 20-Jährigen innerhalb von zwei Jahren um das Dreißigfache an.

Und ihre Stars, wie Capital Bra, heizen die Stimmung noch an, in dem sie das Mittel in ihren Songs verherrlichen. Er habe darüber gesungen, weil das Zeug zu seinem Leben gehörte, sagt der Rapper in einem Interview mit dem NDR-Jugendformat Funk. Mit 15 fing er an, sagt Capital Bra. Bürgerlich heißt er Waldislaw Balowazki, wurde in Sibirien geboren, zog sieben Jahre später mit seiner Mutter nach Hohenschönhausen, spielte dort in seiner Jugend sogar beim BFC Dynamo.

Doch nicht Fußball wurde für ihn zur Droge, sondern Tilidin. Sie sei günstig gewesen, so der Star. „Du gehst nicht schaukeln mit 15“,erklärt der Sänger und beschreibt sein Leben in dem Lichtenberger Stadtteil, in dem er aufwuchs, so: „Stell dir mal vor, du hast kein Geld, du bist in Hohenschönhausen. Ihr hängt alle zusammen rum.“ Und weiter: „Einer holt Gras, einer Tilidin, dann chillst du den ganzen Tag.“ Schließlich sei er süchtig geworden.

Dabei hatte Capital Bra gleich beim ersten Mal „den schlimmsten Absturz“. Zwei Tage lang lag er im Bett, übergab sich. Doch gleich die Sache beenden – nein. „Du kannst nicht ohne Tilidin. Du sitzt dann da wie ein vercrackter Junkie.“ Und als er ein Rap-Star wurde, habe ihm das Zeug sogar geholfen, den Stress zu verdrängen, wie er sagt.

Capital Bra und sein Kumpel Samra haben über die Rapper-Droge Tilidin gesungen.  Foto:  imago-images

Nun hat Capital Bra beschlossen, das Mittel abzusetzen: „Irgendwann geht das Zeug auch auf deinen Kopf. Wenn du keine Kontrolle mehr über etwas hast, ist das kacke“, sagt er. Und der will auch aus einem anderen Grund mit dem Mittel aufhören. Capital Bra möchte seinen beiden Söhnen ein guter Vater sein. „Ich wollte meine Kinder auch vom Kindergarten abholen“, sagt er. „Ich wollte nicht mehr benebelt sein oder was auch immer.“