Bob Geldof (68) hat noch immer den Blick auf die Ungerechtigkeiten in der Welt gerichtet. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Mit seiner Band „Boomtown Rats“ und ihrem Hit „I Don’t Like Mondays“ wurde Bob Geldof berühmt, Rockgeschichte schrieb der heute 68-Jährige als er 1985 auf dem Höhepunkt der Hungersnot in Afrika das „Live Aid“-Marathon-Konzert auf die Beine stellte. Die Queen schlug ihn dafür zum Ritter. Lange war es ruhig um den irischen Rockmusiker, vor kurzem hat er mit den „Rats“ ein neues Album rausgebracht. Die Corona-Pandemie hat ihn nicht überrascht, und er hofft, dass aus der Krise gelernt wird, wie er im Interview mit dem „Blick“ sagte.

Zum Interview traf ihn die Schweizer Zeitung  per Telefon – natürlich – und wie bei so vielen Ferngesprächen in Corona-Zeiten ging es erst mal darum, wo man sich gerade befindet. „Zu Hause, wie die meisten schlauen Leute“, sagt Geldof und er schätzt sich glücklich, dass er einen Garten hat, „in dem ich mich vertun kann.“ Überrascht hat ihn die Pandemie nicht.  „Ich war oft genug in Afrika. Ich habe Aids erlebt, Ebola, Sars. Immer wurden die Ärmsten der Armen dahingerafft.“ Er erzählt von einer Konferenz, an der er 2006 teilnahm, bei der Wissenschaftler schon warnten, dass eines Tages ein Tier ein Virus ausbrüte, das eine allumfassende Pandemie auslösen würde. „Wären wir Menschen wirklich clever, hätten wir bessere Vorbereitungen getroffen“, so Geldof. Man habe doch gewusst, was Viren wie Sars oder Mers verursachen können. „Wir Menschen meinen immer, wir hätten alles unter Kontrolle. Dem ist nicht so. Die Natur dominiert uns.“

Mit Skepsis sieht er die Lerneffekte aus der jetzigen Krise. „Sobald ein Impfstoff da ist, wird alles wieder so sein wie früher. Wir vergessen sehr schnell, wie verwundbar wir sind, wenn die Bedrohung nicht mehr ganz so akut ist. Ich hoffe dennoch, dass wir aus dieser Krise etwas lernen.“ Die globale Gemeinschaft müsse effektiver werden im Kampf gegen globale Bedrohungen „Wir erreichen nichts, wenn jedes Land für sich allein vor sich hin wurstelt. Global zu leben, bedeutet nicht nur, amerikanische Serien zu gucken, Kleider aus Asien zu bestellen und nach Griechenland in die Ferien zu fliegen.“ Das Grundübel in der Welt sei nach wie vor die Armut. „Terrorismus, Pandemien, Flüchtlingswellen würde es nicht geben, hätten wir keine Armut.“

Auf die Anmerkung, dass sein neues Album herrlich nostalgisch töne, meint Geldof: „Nur, wenn man ein alter Sack ist und über die historischen Referenzen an die Bands der 70er-Jahre verfügt. (…). Die Jungen hören unsere Platte und denken: Hey, endlich mal etwas anderes als Ed Sheeran oder Taylor Swift!“ Altersmilde sei bei ihm, der auf die 70 zugehe, nicht zu spüren, stellt der Interviewer fest. „Ach, mit 70 wird wohl schon so eine Art Resignation einsetzen. Ich habe Familie, ich fühle mich geliebt. Ich habe genug Geld auf der Seite, um über die Runden zu kommen. Sich sicher zu fühlen, danach streben wir alle. Aber wer sich sicher fühlt, wird auch bequem. Und das ist das Recht der Alten.“