Komponist Ralph Siegel. Foto: dpa/Matthias Balk

In Deutschland ergießt sich seit Jahren viel Spott und Häme über Ralph Siegel, doch sein internationaler Ruf steht im krassen Gegensatz dazu: Als „König des Eurovision Song Contest“ bezeichnete ihn im April ein schwedischer Podcast anlässlich eines Legenden-Interview mit Siegel. Allzu gern würde der Komponist, der am Mittwoch 75 Jahre alt wird, noch einmal für Deutschland beim ESC starten. Doch es scheint äußerst fraglich, ob aus dem Traum etwas wird.

Seine jüngste Autobiografie – die zweite binnen fünf Jahren – nannte Siegel „Mehr als ein bisschen Frieden“. Der Schlager von Nicole, mit dem Deutschland 1982 den ESC zum ersten Mal gewinnen konnte, scheint für Siegel Fluch wie Segen. Wie der Titel der Biografie zeigt, scheint er noch immer nach Anerkennung über diesen Hit hinaus zu heischen.

So erlebte es im April auch der schwedische ESC-Fachjournalist, der den Deutschen interviewte. Als „wahren Gentleman“ und „unumstrittenen Meister“ im Hitschreiben für den Musikwettbewerb hob dieser Siegel in höchste Höhen. Und Siegel versuchte, noch eins draufzusetzen. Ob er wisse, wie lange es dauere, alle seine Lieder zu hören, fragte er den Moderator und schob gleich die Antwort nach: zehn Tage am Stück – „ohne irgendeine Wiederholung“.

Ralph Siegel GER/Musikproduzent/Schlagerkomponist/Inhaber Plattenfirma Jupiter Records telefoniert in seinem Büro in München

Vielleicht gehört es zur Vita von Siegel, dass er immer ein bisschen mehr um Anerkennung kämpfen muss als andere. Am 30. September 1945 kam er kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Spross zweier Musikstars seiner Zeit in München zur Welt. Sein Vater war der Komponist, Texter und Verleger Ralph Maria Siegel, der Klassiker wie „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin“ oder „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ schrieb. Seine Mutter war die Sopranistin Ingeborg Döderlein, die in der Operette brillierte.

Ihren gemeinsamen Sohn zog es schon von Kind an zu einer eigenen Musikkarriere. Mit 13 Jahren schrieb er seine ersten Lieder, mit 15 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Peter Elversen seine erste Schallplattenaufnahme. Nach dem Tod des Vaters 1972 übernahm der Junior dessen Geschäft und baute es zu einer gigantischen Hitmaschine aus. Rex Gildo, Peter Alexander, Ireen Sheer, Katja Ebstein, Lena Valaitis und Dschingis Khan sangen Siegel-Produktionen, die es in die deutschen Top Ten schafften.

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Doch verbunden wird sein Name vor allem mit den deutschen ESC-Beiträgen. 1974 schickte er Ireen Sheer für Luxemburg ins Rennen und holte direkt Platz vier. Ab dann war das ESC-Fieber bei Siegel ausgebrochen. 1976 landeten The Les Humpries Singers mit „Sing Sang Song“ für Deutschland zwar nur auf Platz 15. Zu einem der bekanntesten deutschen Beiträge der ESC-Geschichte wurde aber drei Jahre später „Dschingis Khan“ mit der gleichnamigen Band. Das Lied landete auf Platz vier, die Gruppe wurde ein Welterfolg.

Ralph Siegel 1982 mit Nicole und Texter Bernd Meinunger nach dem Sieg beim ESC. Foto: Istvan Bajzat/dpa

1980 und 1981 verpasste Siegel mit Katja Ebstein und „Theater“ sowie Lena Valaitis und „Johnny Blue“ auf Platz zwei den ersten deutschen ESC-Sieg denkbar knapp. Diesen holte dann 1982 Nicole mit „Ein bisschen Frieden“.

Insgesamt 25 Mal war Siegel beim ESC dabei, davon 14 Mal für Deutschland. Doch für sein vom Siegel-Klang übersättigtes Heimatland darf er seit fast 20 Jahren nicht mehr antreten. Zuletzt durfte er nicht mal mehr versuchen, eigene Beiträge einzureichen.

Dem Branchendienst „teleschau“ verriet Siegel dieser Tage, dass er den Traum eines ESC-Comebacks aber noch nicht aufgegeben habe. „Ich würde schon noch mal gern teilnehmen, am liebsten natürlich für Deutschland – ob es noch etwas wird, entscheiden andere Leute.“