Willi Herren und Tochter Alessia lassen das Auto stehen und fahren mit dem Rad. Foto: Sat.1

Die Erde ist in Gefahr! Schuld ist daran allerdings nicht irgendein Meteorit, der vielleicht dieses Jahr rund zwei Millionen Kilometer an unserem Planeten vorbeifliegt, sondern ihr schädlichster Bewohner selbst: der Mensch. Die westliche Welt beutet den Planeten und seine Rohstoffe seit 500 Jahren systematisch aus, mit dem Beginn der Industriellen Revolution stieg der CO2-Ausstoß sprungartig an und veränderte die Atmosphäre dauerhaft. Seit Beginn des industriellen Zeitalters ist die globale Temperatur bereits um ein Grad angestiegen und sie steigt weiter. An vielen Orten der Welt haben diese Temperaturunterschiede schon zu Veränderungen gesorgt, einige sind unumkehrbar. 

Um die Klimakrise zu stoppen, gehen seit Jahren vornehmlich junge Menschen im Rahmen von Fridays for Future auf die Straße. An diesem Freitag hat die Initiative zum Globalen Klimastreik aufgerufen. Doch anstatt der Politik haben die Aktivisten bislang vor allem die Popkultur erreicht. So auch den TV-Sender Sat.1, der sich nun an einer Umweltschutz-Show versucht, aber nicht nur wegen der teilnehmenden Kandidaten grandios scheitert.

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Für die Show „Promis, 7 Tage ohne...“ sollten Willi Herren und seine Tochter Alessia, Matthias Mangiapane und sein Mann Hubert Fella und Joey Heindle und Freundin Ramona sollten sieben Tage ihren Strom- und Wasserverbrauch deutlich reduzieren – und auch das Auto soll lieber stehen bleiben. Für eine normale Reality-Show ein zweifellos guter Cast aber, um das Problem der Klima-Krise abzubilden ein wenig krawallig. Das zeigte sich auch schnell, als beispielsweise Hubert Fella sagte: „Ich glaube nicht, dass die Kinder, die auf die Straße gehen und demonstrieren, dass die kalt duschen.“

Ein Satz der das Problem der ganzen Show beschreibt. Denn, dass sechs Promis in einer Woche an vier Tagen aufs Duschen verzichten und wie Willi Herren und seine Tochter das Wasser für die Toilettenspülung aus dem Rhein holen, hält den Klimawandel nicht – oder mit gaaaanz viel Phantasie höchstens ein kleines Bisschen auf. Doch vor allem lenkt es vom eigentlichen Thema ab, wie Klima-Aktivisten immer wieder betonen.

Klima-Aktivisten: Nicht die Verantwortung Einzelner, sondern des Systems

Den eigenen Konsum oder die Art des Reisens zu hinterfragen und möglichst nachhaltig zu gestalten, ist wichtig. Aber es löst das globale Klimaproblem nicht, uns selbst oder gegenseitig dafür zu „shamen“, nicht konsequent genug zu sein, sagte jüngst wieder die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer in ihrem Podcast „1,5-Grad“. Selbstverständlich solle auch jeder einzelne sich bemühen, seinen eigenen Alltag nachhaltig zu gestalten, wichtiger sei jedoch ein Systemwandel, in dem die nachhaltigste Lösung auch die bequemste ist. Immer wieder betont sie, dass es beim eigenen Konsum nicht darum gehe, eine „Klimaheilige“ zu sein. Fridays For Future gehe es nicht um die Verantwortung einzelner Personen, sondern des Systems. 

Klimaaktivistin Luisa Neubauer bei einem Klimaschutz-Konzert des Pianisten Igor Levit im Dannenröder Forst. Foto: Imago/Rolf K. Wegst

Doch das System wird von den Machern von „Promis, 7 Tage ohne...“ so gut wie nicht thematisiert. Da geht es darum, wie viele Klamotten Matthias Mangiapane besitzt, da um Willi Herrens Autofahrt zum Supermarkt gegenüber und um Joey Heindels Abneigung zum Kaffee, der nicht um die halbe Welt geschifft wurde. Um Unternehmen wie Siemens, die an Kohlebergwerken Geld verdienen geht es genauso wenig wie um Staatshilfen in der Corona-Krise für fossile Unternehmen ohne eine entsprechende Verpflichtung, zukünftig klimafreundlicher zu handeln.

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Dafür wurden im Namen der Sieger - Willi Herren und Tochter Alessia - am Ende 10.000 Bäume gepflanzt. Das ist hilfreich, keine Frage. Aber es ist nicht die Wurzel des Problems. Und dorthin drang die Sendung niemals auch nur annähernd vor.