Harry und Meghan lachen während ihres TV-Interviews mit Oprah Winfrey.  Foto: AP/Joe Pugliese

Schon im Vorfeld sorgte das große TV-Interview von Prinz Harry und seiner Ehefrau Meghan mit US-Talkerin Oprah Winfrey für große Aufmerksamkeit. Von allen Seiten gab es Spekulationen über die Sprengkraft der zweistündigen Show, zu der auch zu Werbezwecken vorab veröffentlichte Ausschnitte des Senders CBS beitrugen. Nun sind die Sätze der Royal-Aussteiger in der Welt und die Diskussion geht weiter. Was ist dran an den Vorwürfen? Warum gingen Harry und Meghan ins Fernsehen? Auch in der KURIER-Redaktion sind sich die Autoren uneins. Zwei Meinungen zum Interview der Stunde.

Contra: Harry und Meghan sind unglaubwürdig

Es war so ziemlich alles drin, was aus Familienbanden eine Familien-Bande Windsor macht. Meghan und Harry servierten einen bitteren Brei mit Vorwürfen von Rassismus, menschlicher Kälte, Zerwürfnissen, Verzweiflung, überzuckert mit Lob für die liebe Omi Elizabeth und – wie schön – der Ankündigung eines zweiten Kinds.

Das geht ans Herz, und einen Moment lang ist man geneigt, das alles zu glauben.

Wären da nicht die Unschärfen wie bei der Rassismus-Klage, bei der man nicht erfährt, wer sich denn da rassistisch geäußert hat.

Wären da nicht die Bilder der Hochzeit mit Harry, bei der die Schauspielerin und angehende Herzogin so gar nicht den jetzt von ihr erweckten Eindruck vermittelte, sie habe keine Ahnung, in was für einen Betrieb sie einheiratet, was seine Spielregeln sind, und welche Rolle die erbarmungslosen britischen Zeitungen einnehmen.

Wäre da nicht die verräterische Äußerung Harrys, man bekomme kein Geld mehr vom Königshaus und schlage sich mit dem Erbe seiner Mutter Diana durch, die auch gern auf naiv gemacht hatte. Etwas weltfremd, wenn man vorher für mutmaßlich 16 Millionen Euro eine bescheidene Hütte in Santa Barbara erworben hat.

Angeblich haben die beiden, die verschuldet sein sollen, kein Geld für das Interview bekommen.

Das kann man glauben. Wie den ganzen Rest. (GL)

Pro: Harry und Meghan sorgen für Transparenz

Das war es nun. Das Interview mit Harry und Meghan, vor dem die britischen Royals so gezittert haben. Und wie sich nun zeigte: mit Recht! Denn die royalen Aussteiger formulieren scharfe Vorwürfe gegen das Königshaus: Mangelnde Unterstützung in schweren Zeiten, Lügen, die Verweigerung psychologischer Hilfe und Rassismus.

Harry und Meghan redeten sich vieles von der Seele. Sie sprachen über Gefühle und Emotionen, Dinge, die sich nicht schickten auszusprechen, als sie noch Teil der königlichen Familie waren. Und sie räumten mit Mythen auf, die in der britischen Presse vor allem über Meghan verbreitet wurden und zuvor ganz offenbar falsch aus dem Palast heraus durchgestochen wurden. 

Die Adels-Aussteiger scheinen schwere Geschütze aufzufahren, doch sind sie selbst eigentlich gar nicht verantwortlich für die Dinge, die sie nun berichten. Wenn Meghan und Archie Opfer von Rassismus im britischen Königshaus geworden sind und das nun öffentlich machen, ist das kein harter Spielzug, sondern es war eine Verfehlung der namentlich nicht genannten Aggressoren. Betroffene wissen, wann sie Rassismus ausgesetzt sind. Das nun anzuzweifeln ist anmaßend. 

Harry und Meghan haben sich gewehrt und sietrafen das britische Königshaus dabei mit der Waffe, die es wohl am meisten fürchtet: Transparenz. (dma)