Sebastian Krumbiegel, Sänger der Band „Die Prinzen“ war als 15-Jähriger in Nena verliebt. Foto: dpa

Die Geschichten von Karat, Silly oder den Puhdys scheint fast jeder Musikfan zu kennen. Doch die ostdeutschen Kultbands haben auch so manche Geheimnisse. Nun werden sie gelüftet. Im Buch „Das vermutlich allerletzte Ostrockbuch“ des Berliner Musik-Journalisten Christian Hentschel (53), das am 23. November erscheint. Der KURIER darf bereits exklusiv die Geheimnisse der Ostrocker verraten: So wie das von Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel (54): Er war in Nena verliebt!

Er sang als Knabe im weltberühmten Leipziger Thomanerchor. Kaum bekannt ist, dass  Krumbiegel zu jener Zeit  neben der Klassische Musik auch härtere Töne anschlug. In einer Rockband, die er im Alter von  15 Jahren zusammen mit den Chorknaben und späteren Prinzen Wolfgang Lenk und Dirk Schrot gründete. Damals spielten sie Songs der Beatles oder von Udo Lindenberg nach. Und Krumbiegel verliebte sich, wie er jetzt in dem Interview gesteht, das der Musikjournalist Hentschel für das Ostrock-Buch (Verlag Neues Leben, 20 Euro) mit dem Prinzen-Sänger führte.

Prinzen-Star mit Nena im Studio

Es war ein  Popsternchen, das damals gerade im Frühjahr 1982 am bundesdeutschen Hithimmel mit dem Song „Nur geträumt“ zu leuchten begann, und auch Sebastian Krumbiegel bis heute verzauberte. „Nena, sie ist eine Legende, die ich schon als 15-Jähriger gehört und verehrt habe. Ganz sicher war ich, wie eigentlich alle Jungs in meinem Alter, in sie verliebt“, erinnert sich der Star.

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Was Krumbiegel damals nicht ahnte:  dass er eines Tages mit Nena ins Studio gehen würde, um ein Duett aufzunehmen. „Als sie mich dann 15 Jahre später fragte, ob wir zusammen singen wollen, musste ich nicht überlegen. Nena war damals voll auf dem Kinderlieder-Trip: ,Das Lied dieser Welt‘, der Titelsong zur Zeichentrickfilmserie ,Die Bambus-Bären-Bande‘ (die Mitte der 90-Jahre in der ARD, später im ZDF gezeigt wurde, d. Red.). Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, mit ihr zusammengearbeitet zu haben“, sagt Krumbiegel.

„Nur geträumt“, „99 Luftballons:“ Mit diesen Hits begeisterte Nena auch den damaligen Chorknaben Sebastian Krumbiegel. Foto: imago images/Frinke

Es gibt aber auch ein Duett, das der Prinzen-Sänger eher bereut. Dabei geht es um die Aufnahme mit dem Rapper Fler (2010). „Fler war eher ein Ausrutscher, es ging um ein Cover unseres Liedes ,Das alles ist Deutschland‘, was anfangs ganz cool war, bis dann Bushido mitgemischt und den Text in eine unangenehme Richtung gebracht hat“, sagt Krumbiegel.

Neues Prinzen-Album: Fünf klassische Hits und zehn neue

2021 feiern die Prinzen ihren 30. Bandgeburtstag. „Gabi & Klaus“, „Küssen verboten“, „Alles nur geklaut“ oder „Du musst ein Schwein sein“ sind nur einige ihrer zahlreichen Hits. Krumbiegel brennt nach wie vor mit Leib und Seele für die Band. „Wir sind gerade so gut aufgestellt wie lange nicht“, sagt er und berichtet schon Details über das neue Prinzen-Album. „Wir haben jede Menge neuer Songs. Daraus wählen wir die zehn oder zwölf aus, die aufs Album kommen. Daneben wollen wir fünf klassische Prinzen-Hits mit musikalischen Gästen aufnehmen. Viel mehr will ich noch nicht verraten.“

Die Prinzen: Im komnmenden Jahr feiern sie den 30. Band-Geburtstag. Foto: imago images/Pop-Eye/Kriemann

Dafür enthüllt Krumbiegel ganz andere Geheimnisse: Etwa, dass er eine musikalische Ausbildung als Schlagzeuger hat. „Yeah, das war sozusagen meine ,Eintrittskarte‘, zu DDR-Zeiten Profi-Musiker zu werden“, sagt er. „Du brauchtest damals im Osten einen ,Abschluss‘, du konntest nicht einfach sagen: Ich mache jetzt Musik und mache das zu meinem Beruf.“

Prinzen-Sänger: Klavier spiele ich nie nach Noten

Sein erstes Schlagzeug besitzt Krumbiegel noch, es steht bei ihm im Studio. „Ich hab lange nicht mehr getrommelt“, sagt er. „Aber mein eigentliches Instrument ist das Klavier beziehungsweise mein Flügel. Auf dem spiele ich jeden Tag, wenn ich zu Hause bin.“ Dabei gibt der Prinzen-Sänger zu: „Nach Noten kann ich überhaupt nicht spielen, immer nach Gehör. So hab ich mir das selbst beigebracht. Ich wollte immer die Sachen, die ich gehört habe, selbst spielen und dazu singen: Beatles, Stones, Queen, Lindenberg, Rio Reiser. Unterricht hatte ich kaum, das war mir zu stressig.“

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Und noch etwas verrät Krumbiegel: Seinen Vornamen Sebastian bekam er in Anlehnung an den Komponisten Johann Sebastian Bach.  „Musik und vor allem Bach spielte und spielt in der Familie Krumbiegel immer eine große Rolle“, sagt er. „Deswegen waren mein großer Bruder und ich auch im Thomanerchor. Rückblickend die beste musikalische Schule, die es gibt: Du lernst Musik fast spielerisch nebenbei, wenn du in deiner Kindheit zwei Stunden am Tag Bach singst.“

Verlag Neues Leben
„Das vermutlich allerletzte Ostrock-Buch“

Am 23. November erscheint „Das vermutlich allerletzte Ostrock-Buch“ von Christian Hentschel im Verlag Neues Leben (20 Euro).