Dieses Foto, auf dem Prinz Andrew zusammen mit der damals 17 Jahre alten Virginia Giuffre und Ghislaine Maxwell zu sehen ist, belastet den Sohn der Queen Imago/MediaPunch

Mit dem Selbstmord von Jeffrey Epstein ging die Aufarbeitung des Missbrauchs-Komplexes um den Geschäftsmann erst richtig los. Ermittler und Journalisten machten immer mehr Kontaktpersonen ausfindig, sowohl auf der Seite der Opfer als auch auf der der mutmaßlichen Täter. Auf der stand bereits seit längerem der Briten-Prinz Andrew, der viele Jahre eine enge Freundschaft zu Jeffrey Epstein pflegte. Als die Vorwürfe gegen Andrew immer lauter wurden, ging der Sohn der Queen in die Offensive und wollte sich mit einem Interview bei der BBC retten. Doch für Opfer-Anwalt David Boies war das nichts anderes als ein Schuldeingeständnis.

Prinz Andrew: War sein BBC-Interview ein Schuldeingeständnis?

Auch als neutraler Beobachter kam man nicht an der Einschätzung vorbei: Wirklich gut geschlagen hatte sich Andrew in dem Interview im Herbst 2019 nicht. Er stammelte, erzählte schwer glaubbare Geschichten und rang immer wieder nach Worten. Kein Wunder, dass er nur kurz darauf aus der ersten Royal-Reihe zurücktreten musste und seither immer wieder von seiner Mutter Queen Elizabeth versteckt wird. So war er nicht mal auf den offiziellen Fotos zur Hochzeit seiner Tochter Beatrice zu sehen.

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Ghislaine Maxwell und Prinz Andrew waren zusammen auf mehreren Veranstaltungen. dpa/picture alliance

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Doch David Boies, Anwalt von Virginia Giuffre, die angibt, als 17-Jährige mehrfach von Prinz Andrew mehrfach missbraucht worden zu sein, sieht in dem Interview nicht nur einen ungeschickten Auftritt sondern ein echtes Schuldeingeständnis. Warum? „Während des Interviews sagte Prinz Andrew, dass er sich nicht daran erinnern könne, Frau Giuffre jemals getroffen zu haben“, erklärte der Anwalt in Dokumenten, die diese Woche in New York eingereicht wurden. Doch diese Darstellung stehe im krassen Gegensatz zu Fotos und anderen Beweisen. Das könnte nun an der Glaubwürdigkeit des Prinzen kratzen.

Prinz Andrew: Anwalt riet ihm ab, sich zum Epstein-Skandal zu äußern

Und auch Prinz Andrew selbst wird inzwischen klar sein, dass das BBC-Interview ein Fehler war. Sein Anwalt Mark Howard soll ihm sogar davon abgeraten haben, sich öffentlich zu äußern. In die Offensive zu gehen, sei nur dann sinnvoll, wenn „Sie eine vollständige Antwort auf jede mögliche Frage haben“, erklärte Howard einst in einem Interview. Doch im Fall von Virginia Giuffre und dem Missbrauchskomplex um Jeffrey Epstein gibt es viele offene Fragen.

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Einige werden womöglich aktuell in New York geklärt. Dort steht Ghislaine Maxwell vor Gericht. Sie gilt als Jeffrey Epsteins rechte Hand, soll ihm viele junge Frauen und Mädchen zugeführt haben, an denen sie sich teilweise sogar zusammen vergangen haben sollen. Maxwell ist auch als enge Freundin von Prinz Andrew in Erscheinung getreten. Auf mehreren Events war sie seine Begleitung. Ob es im Prozess gegen sie auch um Andrew gehen wird, ist noch nicht abzusehen.