Das Foto zeigt Prinz Andrew, Virginia Giuffre und Ghislaine Maxwell im Jahr 2001. Imago/Meida Punch

Ihr Anwalt hatte es angekündigt, jetzt hat Virginia Giuffre in New York Zivilklage gegen Prinz Andrew eingereicht. Sie wirft dem zweiten Sohn der Queen seit längerem vor, dreimal als Minderjährige von ihm sexuell missbraucht worden zu sein.

Fall Epstein: DAS steht in der Klageschrift gegen Prinz Andrew

In ihrer Klageschrift vor dem Obersten Gerichtshof von New York wirft Virginia Giuffre dem „Herzog von York alias Andrew Albert Christian Edward“ Körperverletzung durch sexuellen Missbrauch sowie absichtliches Zufügen von emotionellem Leid vor: „Prinz Andrew hat Giuffre mehrere Male auf sexuelle Weise ohne ihre Zustimmung angefasst. Sein Verhalten ist ein extremes und unverschämtes Fehlverhalten, das jedes Gewissen schockt“.

In der Klage steht weiter: „Prinz Andrew hat ein Kind, von dem er wusste, dass es ein Opfer von Sexhandel ist, sexuell missbraucht. Und wenn ein 40-jähriger Mann gegen alle Grenzen des Anstands verstößt, dann kann man das in einer zivilisierten Gesellschaft nicht tolerieren.“

Giuffre: Prinz Andrew hat keine Empathie für die Epstein-Opfer

In den Gerichtsdokumenten outet die heute 38-Jährige den Sohn der Queen als einen der „mächtigen Männer“, an die sie von Epstein für sexuelle Dienste verliehen wurde. Dazu wird Andrew vorgeworfen, öffentlich Ahnungslosigkeit vorgetäuscht zu haben, wenn es um die Machenschaften von Epsteins Sexhandel ging. Er habe keine Empathie für die Opfer des pädophilen Milliardärs gezeigt, weil er sich weigerte, mit dem FBI zu kooperieren.

Prinz Andrew bei der Beerdigung seines Vaters Prinz Philip. Zuvor hatte ihn das Königshaus aus der Öffentlichkeit ferngehalten. AP/Steve Parsons

Die königliche Familie soll übrigens nicht mit in die Zivilklage hineingezogen werden. Laut Klageschrift habe Andrew bei allen Vorfällen mit Giuffre „als Privatmann und nicht als Abgesandter des Königshauses fungiert“.

Virginia Giuffre will anderen Opfern Mut machen

Giuffre lebt heute mit ihrem Mann und drei Kindern in Australien. Dem Sender ABC bestätigte sie, dass „ich Prinz Andrew für das, was er mir angetan hat, zur Rechenschaft ziehe.“ Und: „Die Mächtigen und Reichen sind genauso verantwortlich für ihre Taten und müssen Rechenschaft ablegen. Ich hoffe, dass andere Opfer das zum Vorbild nehmen werden.“ Giuffre fiel es nicht leicht, die Klage gegen Prinz Andrew einzureichen: „Als Mutter und Ehefrau kommt meine Familie zuerst. Und mir ist bewusst, dass mich Prinz Andrew und seine Verbündeten wieder attackieren werden. Doch ich musste es tun, weil ich sonst andere Opfer im Stich lassen würde.“

Giuffre beschreibt in ihrer Klage die drei sexuellen Übergriffe von Andrew. So will sie das erste Mal im Londoner Haus von Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell zum Sex mit dem Prinzen gezwungen worden sein. Das zweite Mal geschah es 2001 in der New Yorker Villa von Epstein: „Maxwell hat die Klägerin, die noch ein Kind war, und ein zweites Opfer gezwungen, auf Prinz Andrews Schoss zu sitzen, damit er sie angrapschen konnte. Während des Besuchs musste die Klägerin dann auch gegen ihren Willen mit Prinz Andrew Sexakte vollziehen.“

Virginia Giuffre hatte Angst, getötet zu werden

Der dritte Übergriff fand auf Epsteins privater Insel in der Karibik statt: „Die Klägerin wurde durch offene und angedeutete Drohungen dazu gezwungen, Sex mit dem Prinzen zu haben. Sie hatte Angst, getötet oder verletzt zu werden, wenn sie sich Epstein, Maxwell und Prinz Andrew widersetzt hätte. Die hatten mächtige Connections, Reichtum und Autorität.

Virginia Giuffre kämpft ihren Kampf gegen Prinz Andrew auch für andere Opfer des Epstein-Komplexes. AP/Bebeto Matthews

Laut Klage habe Andrew gewusst, dass Giuffre die Sexsklavin von Epstein und auch noch minderjährig war: „Er hat Giuffre sexuell missbraucht, nur um seine sexuellen Lüste zu befriedigen.“

Giuffre: Prinz Andrews sexuelle Übergriffe haben emotionale Spuren hinterlassen

Nach den Gesetzen des Bundesstaates New York handelt es sich bei einer Zivilklage um den Tatbestand der „Köperverletzung“, wenn eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung nachgewiesen werden kann.

Des weiteren wirft Giuffre dem Prinzen vor, dass dessen „sexuelle Übergriffe“ bei ihr „schwere emotionale und psychologische Traumata“ ausgelöst haben. Die sich auch in Zukunft noch verschlimmern werden, weil Giuffre bis heute unter „Angstzuständen, Verlust von Selbstvertrauen und Würde“ leide und jede Form der Privatsphäre verloren hat.

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Dass die Taten nicht verjährt sind, verdankt Giuffre einem neuen Gesetz in New York, das minderjährige Opfer von Gewaltverbrechen die Möglichkeit gibt, ihre Peiniger anzuzeigen. Und dass sogar ohne jegliche Verjährungsfrist. Giuffres Staranwalt David Boies: „Wenn wir es jetzt nicht getan hätten, dann hätte niemand Prinz Andrew zur Verantwortung ziehen können. Wir können ihm nicht erlauben, einfach so davonzukommen.“