Schauspielerin Carol Schuler jongliert nach der Verleihung des Deutschen Schauspielpreises ihre Auszeichnung auf dem Kopf.  Foto: dpa/Jens Kalaene

Der Deutsche Schauspielpreis brachte am Freitagabend den Glamour zurück nach Berlin. In einer  abgespeckten, aber feierlichen Zeremonie wurden Kulturschaffende aus Film, Fernsehen und Theater geehrt. Dass die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, grenzte an ein Wunder.

Man kann sagen, was man will. Hartnäckig ist die Branche, nicht totzukriegen. Und das ist auch gut so. Monatelang harrten Tausende Schauspieler coronabedingt zu Hause aus. Für manche war die Zwangspause zunächst ein willkommener Anlass  – die Datsche zu pflegen, die Familie zu hegen, durchzuatmen, die ausgesaugten Batterien aufzuladen. Doch spätestens im Mai kam der Koller. Kaum einer, der seriös sagen konnte, ob – und wenn ja, wann – es in diesem Jahr überhaupt noch einmal losgehen könnte mit Jobs. Die nackte Angst trieb viele Künstler zum Protest auf die Straße.

Gisa Flake und Leon Ullrich präsentieren im Spindler & Klatt ihre Trophäen.  Foto: dpa/Jens Kalaene

Inzwischen wird wieder gedreht, mit Abstandsgebot und rigorosem Knutschverbot, aber immerhin. Auch Berliner Theater füllen sich langsam wieder. Von einem Normalzustand kann allerdings längst nicht die Rede sein.

Umso so eindrucksvoller ist es da, dass die Macher des Deutschen Schauspielpreises um Leslie Malton und Hans-Werner Meyer ihre Veranstaltung auch in diesem Jahr als Live-Event durchzogen. Kleiner und feiner zwar, aber der Deutsche Schauspielpreis 2020 ging über die Bühne. Im hübsch an der Spree gelegenen Restaurant-Club Spindler & Klatt in der Köpenicker Straße durften zur neunten Ausgabe der Verleihung 250 handverlesene Gäste, Nominierte, Laudatoren und Mitglieder des Bundesverbands Schauspiel (BFFS) allen Widrigkeiten zum Trotz vom blauen Teppich aus hoffnungsfroh in klickende Kameras lächeln (Dresscode „Sparkling Chic“!). Unter den Anwesenden waren auch nominierte Großstars wie Nina Hoss und Lars Eidinger, dazu Annabelle Mandeng, Gerit Kling, Jasmin Wagner, Jasmin Tabatabai und Jannis Niewöhner.

Das Motto des flirrenden Abends im Zeichen der Corona-Krise lautete auch dieses Mal: „Gezeugt aus einer Laune, geboren mit Enthusiasmus, hineingewachsen ins Chaos“. Und das passte am Freitagabend natürlich wunderbar.

Alina Serban jubelt nach der Verleihung neben Schauspieler Jörg Schüttauf. Die Auszeichnung wird seit 2012 vom Bundesverband Schauspiel (BFFS) verliehen.  Foto: dpa/Jens Kalaene

BFFS-Vorstand Hans-Werner Meyer fasste die Achterbahn-Stimmung der Branche zusammen: „Wir hatten den Admiralspalast, Platz für 1800 Gäste, wir hatten ein Orchester, wir hatten einen Eröffnungssong. Und dann kam Corona.“ Vorstandskollegin Leslie Malton hielt es dennoch für angebracht, die Ersatzveranstaltung  im coolen Berliner Spree-Club zu loben: „Es ist ganz wichtig, dass wir das hier machen, dass wir ein Zeichen setzen.“ Sie betonte die neue Solidarität unter Schauspielern: In den vergangenen Monaten habe sich da wirklich viel getan. Und sie feuerte die Feiernden an: „Let’s rock on!“ Das nun war allerdings leichter gesagt als getan.

Mund- und Nasenbedeckung mussten schon beim Vorempfang um 17 Uhr gezückt werden, außerdem war ein Mindestabstand von 1,5 Metern angesagt. Gewahrt werden sollte zudem eine Nies- und Hustenetikette, und Händeschütteln und Umarmungen seien zu vermeiden, hieß es auf einem Merkblatt, das alle Gäste vorab zugeschickt bekamen. Auch beim späteren Drei-Gänge-Menü an blumengeschmückten Tischen mit anschließendem Currywurst-Gelage mussten die Regeln strikt eingehalten werden. Dass trotzdem alles tipptopp, smart und elegant ablief, war wiederum der ausführenden Agentur „La Maison“ um die Berliner Event-Damen Kerstin Schilly und Christine Bücken zu verdanken.

Wir hatten den Admiralspalast, Platz für 1800 Gäste, wir hatten ein Orchester, wir hatten einen Eröffnungssong. Und dann kam Corona.

Hans-Werner Meyer

Eine Randnotiz: Zum entschiedenen Brüller auf der Herrentoilette im Stahl-Container entwickelte sich das frostgeschockte Pissoir-Karree. Das blecherne Teil war bis obenhin mit Eiswürfeln gefüllt – als hätten alle coronageplagten Wirte Berlins ihre seit Monaten unverbrauchten Bestände da reingekippt.

Ernst wurde es auf der Bühne, denn beim Schauspielpreis geht es vor allem um die Lebensleistung von Darstellern. Vorab bekannt geworden waren die Preisträger für die Kategorien Theaterpreis (Nicole Heesters, „Ich freue mich besonders, diesen Preis von einer Kollegin zu bekommen“), Ehrenpreis Inspiration (Wolfgang Schaller, Autor) und Die Stimme (Joachim Kerzel). Mit dem Deutschen Fairnesspreis wurden zudem Schauspielerin Maryam Zaree und die Produzenten Ira und Alex Tondrowski geehrt. Dieter Mann, der im Spindler & Klatt leider fehlte, erhielt den Ehrenpreis Lebenswerk.

Lars Eidinger kam mit Mundschutz zur Verleihung.

Foto: Christian Schulz

In der Königsklasse Hauptrolle durften sich dann Alina Serban („Gipsy Queen“, gewann gegen Nina Hoss) und Bernhard Conrad („Kahlschlag“, gewann gegen Edin Hasanovic) über je eine Trophäe freuen. In der Kategorie Nebenrolle bekamen Carol Schuler („Skylines“) und Rauand Taleb („4 Blocks“) die begehrten Preise. Volksbühnen-Legende Sophie Rois gewann beim „Starken Auftritt“. Weitere Gewinner waren Gisa Flake (Komödie), Leon Ullrich (Komödie), Tua El-Fawwal (Nachwuchs) und Simone Bär, Phillis Dayanir & Johanna Hellwig (Casting).

Zu den anwesenden Laudatoren und Juroren des einmaligen und lauschigen Spätsommerevents  gehörten auch Stars wie Anna Maria Mühe (in Giorgio Armani), Anja Kling, Fahri Yardim, Almila Bagriacik, Lea van Acken und der lässige Jörg Schüttauf. Die Bühnen-Moderation hatten Nadine Heidenreich und das Schweizer Drei-Sprachen-Genie Pasquale Aleardi (kann Deutsch, Italienisch und Griechisch) übernommen.

Nun, was soll man sagen? Vielleicht das: Es war nach langer Zeit mal wieder eine Preisnacht der gelassenen Meisterschaft – die zwar mit Regeln, aber ohne übertriebene Förmlichkeit auskam. Dafür alle Achtung.