Wie so oft im Polizeiruf bringt Olga Lenski (Maria Simon) ihre Tochter mit zum Tatort. Foto: rbb/Oliver Feist

Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) hat ihren Dienst im deutsch-polnischen Revier quittiert, ohne ihre Kollegen zu informieren. Nicht mal ihrem Partner Raczek hat sie Bescheid gesagt. Gerade will sie ihren Resturlaub mit der Tochter antreten, da wird sie ein letztes Mal zurückgerufen. Eine junge Frau (Luzia Oppermann) hat eine Mitarbeiterin im Jugendamt erstochen und ihr Chef nimmt an, dass eine Polizistin mehr Erfolg bei dieser Täterin hat. Jedenfalls fährt Lenski, wie schon so oft, mit ihrer Tochter am Tatort vor. Die Neunjährige, gespielt von Maria Simons Tochter Aennie, ist natürlich wenig begeistert und schleudert ihrer Mutter entgegen: „Ich hasse dich!“

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„Monstermutter“ ist der letzte „Polizeiruf“ mit Maria Simon nach vier Jahren mit Horst Krause als Horst Krause und sechs Jahren mit Lucas Gregorowicz als Adam Raczek. Die Mutterschaft war ein Generalthema der letzten Jahre: Ob Mutterliebe im „Muttertag“, ob Mördermutter, Rabenmutter oder religiös-fanatische Übermütter – der RBB hat das Thema regelrecht durchdekliniert. Maria Simon hat die Nöte alleinerziehender Mütter immer wieder ausgestellt, mitunter zu Lasten des Krimis.

Im finalen Fall fällt nun Olga Lenski, während ihre Mutter auf die Tochter aufpasst, in die Hände der gewalttätigen Jungmutter Luisa. Doch die Idee – Kommissare als Geisel – ist nicht besonders originell, sondern bei Drehbuchautoren allzu beliebt. Erst jüngst kurvte ja der Kölner „Tatort“-Kollege Freddy Schenk tagelang mit einer Geiselnehmerin durch die Gegend.

Olga Lenski (r., Maria Simon) ist im neuen „Polizeiruf“ die Geisel von Jungmutter Luisa (Luiza Oppermann) Foto: rbb/Oliver Feist

Diesmal ist die Entführerin eine Art „Systemsprengerin“ von 23 Jahren. Ihre überforderte Mutter (Jule Böwe), die hier als eigentliche „Monstermutter“ vorgeführt wird, hatte schon vor der kleinen Luisa Angst und gab sie ab ins Heim. Nach einer Odyssee durch Jugendheime und den Jugendknast will Luisa nach ihrer Entlassung nun mit Lenskis Pistole den Zugang zu ihrer fünfjährigen Tochter erzwingen, die bei Pflegeeltern lebt.

Die Fahrt durch das Oderbruch verläuft im erwarteten Hin und Her zwischen jäher Gewaltandrohung und vorsichtiger Annäherung der beiden Frauen. Luzia Oppermann bringt viel Energie in dieses Mütter-Duell ein, doch ihre brutale, rüde fluchende Figur ruft kaum Empathie hervor, fordert dafür aber Maria Simon in ihrem letzten „Polizeiruf“ noch einmal heraus.

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Spannender an den deutsch-polnischen „Polizeirufen“ waren allerdings nicht die oft grob gezimmerten Storys, sondern die eher fein gesponnenen Auseinandersetzungen zwischen Lenski und Raczek. Diese Duelle fehlen in diesem Fall leider – und ob Lucas Gregorowicz eine neue Partnerin bekommt, ist noch nicht klar.