Hotelerbin Paris Hilton. Foto: Imago-Images/Raimund Müller

Schon die erste Vorschau auf ihre neue Doku ließ so etwas vermuten. Schließlich sprach Paris Hilton darin, dass sie bis heute unter einem Kindheitstrauma leide. Nun enthüllte die 39-Jährige, was ihr als Jugendliche widerfahren war: Sie wurde mit 17 auf einem Internat seelisch und körperlich schwer misshandelt.

Weil sie sich gegen die strengen Regeln ihrer Eltern auflehnte und ständig heimlich auf Partys ging, machten Rick und Kathy Hilton kurzen Prozess mit ihrer Tochter. Sie schickten das Teenie-Girl auf die Provo Canyon School nach Utah, die auf verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche spezialisiert war. Mit der Ankunft dort wurde Paris für die nächsten elf Monate das Leben zur Hölle gemacht: „Angeblich war es eine Schule, doch der Fokus lag nicht auf Unterricht. Stattdessen wurde ich mit dem Moment des Aufwachens bis zum ins Bett gehen angebrüllt. Die Lehrer und Angestellten haben mich durchgehend gequält und wollten, dass ich mich schlecht fühle. Ihr Ziel war es, uns zu brechen.“

Da war die Internat-Vergangenheit noch frisch: Paris Hilton mit Schauspielerin Maya Rudolph und Hündchen Tinkerbell im Jahr 2004. Foto: Imago-Images/Everett Collection

Und es blieb nicht bei dem verbalen Missbrauch. Laut Hilton wurden die Mitarbeiter der Provo Canyon School auch gewalttätig bei ihr und anderen Schülern: „Sie haben uns körperlich misshandelt. Sie haben uns geschlagen und gewürgt. Sie wollten uns Angst einimpfen, weil wir aus Furcht dann nicht mehr aus der Reihe tanzen würden.“ Drei ehemalige Mitschüler des Internats kommen in der Doku „This is Paris“ ebenfalls zu Wort und bestätigen die Aussagen der 39-Jährigen. Und noch mehr. Einige von ihnen wurde gezwungen, Medikamente zu schlucken und als Strafe festgebunden. Als eine Mitschülerin Hilton anschwärzte, dass sie Fluchtpläne hegte, kam Paris in Isolierhaft: „Ich wurde 20 Stunden am Tag allein in einen Raum gesperrt. Als Strafe. Ich entwickelte Panikattacken und habe jeden Tag geweint. Ich fühlte mich wie eine Gefangene und hasste mein Leben.“

Ihre Versuche, ihre Eltern zu verständigen, waren lange vergeblich. Denn die Schüler durften nur alle drei Monate ihre Familien kontaktieren. Als Paris dann die Gelegenheit wahrnahm, ihren Eltern von den schlimmen Zuständen zu erzählen, wurde ihr schnell der Hörer aus der Hand gerissen: „Ich bekam unglaublich Ärger. Sie haben mir eingebläut, dass mir eh niemand glauben würde, weil sie den Eltern erzählen, dass die Kinder lügen. So hatten meine Eltern keine Ahnung, was vor sich ging.“

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Mit 18 verließ Hilton die Schule und ging 1999 nach New York. Sie erzählte niemandem von den schlimmen Vorkommnissen: „Ich war einfach nur so dankbar, da raus zu sein. Ich konnte und wollte nicht mehr darüber reden, weil ich mich geschämt habe.”

Erst 21 Jahre später ist Hilton in der Lage, über ihr Trauma zu sprechen: „Es fühlt sich an, als wäre der Albtraum endlich vorbei. Ich werde die Folgen zusammen mit meinen Eltern schauen. Es wird sicher sehr emotional, aber ich will keine Geheimnisse mehr zwischen uns.“

Paris (r.) will die Doku mit ihren Eltern Kathy und Rick Hilton sehen. Hier sind die drei mit Paris' Schwester Nicky und Melania und Donald Trump im Jahr 2012. Foto: Imago stock&people/ZumaPress

Hilton will mit ihrem Outing auch eine Kampagne starten, um andere Schulen und Internate für verhaltensauffällige Kinder zur Verantwortung zu ziehen. Die Provo Canyon School ist seit 2000 unter neuer Führung und weist jede Verantwortung für die Jahre davor zurück. Hilton: „Ich will, dass Horte, die noch immer mit psychischer und körperlicher Misshandlung arbeiten, geschlossen werden. Dafür setze ich mich ein!”