Oliver Pocher hat in seiner „Bildschirmkontrolle“ mal wieder über die Stränge geschlagen. Imago/Future Image

Das war ja mal wieder heldenhaft! Oliver Pocher verdient seit einiger Zeit sein Geld damit, dass er vermeintliche Missstände bei Influencern aufdeckt. Meist geht es um Eltern, die ihre Kinder zeigen oder um die Bewerbung von Produkten, die der 43-Jährige für uninteressant oder minderwertig hält. Nun hat der prollige Moderator aber erneut den Vogel abgeschossen: Erst macht er sich in seiner sogenannten „Bildschirmkontrolle“ darüber lustig, dass Influencer auf die dramatische Situation in Afghanistan aufmerksam machen – und ätzt dann auch noch gegen einen Spendenaufruf für einen afghanischen Frauenverein. Das Niveau sinkt immer weiter.

Oliver Pocher wäre gerne die moralische Instanz für Influencer

Oliver Pocher hält sich und seine „Bildschirmkontrolle“ für so etwas wie die moralische Kontrollinstanz des Influencer-Marketings. Von dem Beruf des Influencers hält er nichts, vom Beruf der Influencerin noch weniger, denn hauptsächlich hat Pocher es auf Frauen abgesehen. Und so reichen oft schon Kleinigkeiten, damit der in den 2000er-Jahren beliebte Comedian mal so richtig draufhaut.

In dieser Woche nahm sich der Anti-Influencer-Influencer nun Social-Media-Stars vor, die in ihren Storys auf die dramatische Situation in Afghanistan nach dem Siegeszug der Taliban und dem kompletten Versagen der westlichen Welt aufmerksam machten. Pochers Hauptkritikpunkt: Dass die Influencerinnen und Influencer ihrem Job nachgehen. Denn nachdem die Influencer auf die humanitäre Krise aufmerksam gemacht hatten, wandten sie sich wieder ihren profanen Alltagsproblemchen wie dem Wetter in Deutschland zu.

Oliver Pocher misst bei Influencern mit zweierlei Maß

Doch was für Pocher ein Unding ist, ist schlicht dem Job des Influencers geschuldet, der sein Geld eben damit verdient, seine Follower in seinen Alltag mitzunehmen – und in dem spielt natürlich auch das Wetter in Deutschland eine Rolle. Pocher wirft seinem Heimsender RTL schließlich auch nicht vor, dass nach den 18.45-Uhr-Nachrichten, in denen auch Afghanistan ein Thema ist, die Soap „Alles was zählt“ läuft, oder dass in der zweiten „RTL Direkt“-Folge von Jan Hofer nach dem Afghanistan-Block ein Comedian auftrat. So was stört Pocher natürlich nur bei Influencern.

Besonders biss sich Oliver Pocher dabei an der Achtsamkeits-Influencerin Jiggyjules fest. Die wies nämlich auch auf die humanitäre Krise in Afghanistan hin und rief zu Spenden auf. Doch danach musste die alleinerziehende Mutter eben wieder ihrem Job nachgehen – und machte Werbung für eine nachhaltige Trinkflasche. Davor schob sie sogar noch einen Disclaimer, dass es nun einen Themenwechsel gibt und, dass sie einen Teil ihrer Gage für diese Werbung an einen afghanischen Frauenverein spenden werde.

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Oliver Pocher wurde zuletzt auch in der Show „5 gegen Jauch“ von seinem Kollegen gerügt. TVNow/Frank W. Hempel

Doch Pocher hackte trotzdem in seiner üblichen Art drauf los. Geld verdienen und auf Missstände aufmerksam machen, das geht in seiner Welt wohl nicht – außer man nennt das Ganze „Bildschirmkontrolle“ und heißt Oliver Pocher, dann ist ja alles in Ordnung. Er kritisierte Jiggyjules scharf, machte sich darüber lustig, dass Spenden sowieso sinnlos seien, weil in Afghanistan ja eh keiner zum Geldautomaten könnte und hetzte damit seine persönliche Trollarmee auf das 40.000-Follower-Profil von Jiggyjules. 

Influencerin muss nach Pocher-Attacke ihr Profil auf Privat stellen

Die bekam schon bald zahlreiche Hass-Nachrichten und musste ihr Profil auf Privat stellen. Zuvor postete sie noch ein paar Statements dazu: Es gehe ihr sehr schlecht, schrieb sie in Bezug auf die Hass-Nachrichten, die sie in den vergangenen Stunden erreicht hatten.

Und in Richtung Oliver Pocher schrieb sie: „Wer eine Frau anhand von verkürzten Darstellungen öffentlich durchs Netz jagt, darf sich nicht wundern, wenn ein misogyner Typ mitmischen will. Pochers Worte tun mir nicht weh, sie sprechen für seine stumpfe Art zu denken.“ In den Hass-Kommentaren, die sie nach Ausstrahlung der „Bildschirmkontrolle“ erreichten, habe sie jedenfalls „wesentlich Schlimmeres“ gelesen. 

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Dieser Fall ist ein wie ein Paradebeispiel dafür, wie die Methode Oliver Pocher funktioniert. Damit, dass Oliver Pocher seine Trolle auf die Influencerin gehetzt hat und sie so dazu zwang, ihr Profil auf Privat zu stellen, hindert er die alleinerziehende Mutter an der Ausübung ihres Jobs – und verringerte ihre Reichweite für den Spendenaufruf. Damit dürfte er wohl sein Ziel erreicht haben.