In der neuen Star Wars-Serie spielt Ewan McGregor wieder den Jedi Obi-Wan Kenobi. Disney/Lucasfilm Ltd.

Ich habe extra nachgeschaut: Ich habe erst eine einzige Kolumne über das „Star Wars“-Universum geschrieben, und so muss ich kein schlechtes Gewissen haben, erneut über die vor mehr als 45 Jahren von George Lucas erdachte Geschichte zu schreiben. Die hat nach der Original-Trilogie viele Höhen und Tiefen erlebt: Die Prequels, besser bekannt als die Episoden I bis III, die animierten Serien „The Clone Wars“ und „Rebels“, die höchst umstrittenen Episoden VII bis IX, zuletzt die Geschichten um den Mandalorianer Din Djarin – und nun die Rückkehr zu den Anfängen: Zum ersten jemals in „Star Wars“ gezeigten Jedi Obi-Wan Kenobi!

Denn der hat seit dem vergangenen Freitag seine eigene Serie, die auf Disney+ läuft. Die ersten beiden Folgen waren am Freitag herausgekommen – und sie sind einfach der Wahnsinn!

Obi-Wan Kenobi: DARUM geht es in der „Star Wars“-Serie

Die Serie spielt zehn Jahre nach den Geschehnissen in Episode III und damit rund zehn Jahre vor den Geschehnissen von Episode IV, dem allerersten „Star Wars“-Film. Und es wird schnell klar, was die Serie schaffen soll: Sie soll eine Brücke schlagen zwischen dem Jedi-Meister Obi-Wan, der in den Klonkriegen kämpfte und seinen Schüler Anakin Skywalker an die dunkle Seite verlor zu „dem alten Ben“, der als Einsiedler auf Tatooine lebt und dem jungen Luke, dem Sohn seines Schülers, die Wege der Macht erklärt.

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Zu Beginn der Star Wars-Serie führt Obi-Wan Kenobi ein Leben im Verborgenen. Disney/Lucasfilm Ltd.

Regisseurin Deborah Chow zeigt einen gebrochenen Kebobi, der wie in den Prequels von Ewan McGregor gespielt wird, der sich im englischen Original-Ton als hervorragender Imitator von Alec Guinness‘ Stimme entpuppt, der Obi-Wan in der Original-Trilogie verkörperte. Der gebrochene Obi-Wan will mit der Macht scheinbar nichts zu tun haben, er versteckt sich, steckt den Kopf in den auf Tatooine reichlich vorhandenen Sand und hat sogar sein Laserschwert darin vergraben.

In seiner Angst erneut zu scheitern, verweigert der einst so edelmütige Obi-Wan anderen die Hilfe und zeigt sich von dem entfernt, was ihn einst ausmachte, bis dann die kleine Leia Organa entführt wird und er sie retten muss.

Obi-Wan Kenobi: Der„ Star Wars“-Held ist ein gebrochener Jedi

Die Geschichte um den gebrochenen Jedi, der den Weg zurück zur Macht finden muss, ist nicht nur liebevoll, sondern auch für das stets kritische „Star Wars“-Publikum plausibel geschrieben. Schließlich ist Leia die einzige Figur im ganzen Universum, die Obi-Wan so sehr aus der Reserve locken kann, dass er nicht mehr unter dem Vorwand, Luke beschützen zu müssen, anderen Personen die Hilfe verweigern kann. Schließlich sagte George Lucas bereits in den 80er Jahren – und die Kenobi-Serie verdeutlicht das noch einmal – dass Luke und Leia gleichwichtig seien. Und so wird Kenobi vom Einsiedler Ben wieder zum Jedi Obi-Wan.

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Neben Darth Vader treten in der Kenobi-Serie Inquisitoren wie Reva (Moses Ingram) als Antagonisten auf. Disney/Lucasfilm Ltd.

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Bereits in den ersten zwei Folgen schafft es das Team um Deborah Chow eine gute Mischung aus Antworten auf lange offene Fragen, Spannung, neue Figuren und Anspielungen auf andere „Star Wars“-Filme und Serien abzuliefern ohne dabei in einem Bereich zu überreizen.

Obi-Wan Kenobi: Das macht die „Star Wars“-Serie so stark

Letztendlich ist die Kenobi-Serie vor allem deshalb so stark, weil sie die grundsätzlichen Konflikte des „Star Wars“-Universums behandelt. Der Konflikt zwischen der hellen und dunklen Seite der Macht – zwischen Obi-Wan und seinem ehemaligen Schüler Darth Vader, der wie in den Prequels von Hayden Christensen gespielt wird und eine ganze Elite-Truppe an Inquisitoren hat, die in der Galaxis Jedi jagen. Und es geht um die Wege zur dunklen Seite, die in der Logik der Jedi mit Angst beginnen.

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Auch Obi-Wan hat in seiner Serie zunächst mit vielen Ängsten zu kämpfen. Mit der Angst zu versagen, mit der Angst, entdeckt zu werden, mit der Angst Luke nicht beschützen zu können. In den verbleibenden Folgen wird Obi-Wan diese Angst Schritt für Schritt überwinden und zu dem Jedi werden, der 1977 auf der Leinwand auftauchte. Wie das geschieht, wird spannend zu sehen sein. Die ersten Folgen machen Lust auf mehr!

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
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