Die italienische Sängerin Milva bei einer Generalprobe der ARD-Sendung „Musikantenstadl“ im Jahr 2012.   dpa/Bodo Schackow

Mit Liedern über Freiheit und Liebe verzauberte Milva in den 1970er Jahren Deutschland: „Freiheit in meiner Sprache“ und „Wenn der Wind sich dreht“ gehörten hierzulande zu ihren größten Erfolgen. Und natürlich „Hurra, wir leben noch“, die trotzige Antwort auf die Widrigkeiten des Lebens. Nun starb die italienische Sängerin mit den feuerroten Haaren im Alter von 81 Jahren in Mailand.

Zuletzt trat Milva 2010 im Fernsehen auf, damals erklärte sie ihren Rückzug aus dem Showgeschäft mit gesundheitlichen Problemen: „Ich habe meiner Gesundheit geschadet durch Medikamente, die mir geholfen haben, die Belastung durch meine Arbeit weniger zu spüren“, sagte sie nach einem halben Jahrhundert auf der Bühne. „Ich denke, ich habe meine Arbeit gut und mit Würde erledigt.“ Ganz hielt sie sich aber nicht an ihre Ankündigung: So war sie 2012 nochmals im „Musikantenstadl“ zu sehen.

Milva wurde als Maria Ilva Biolcati am 17. Juli 1939 im Fischerdorf Goro in der norditalienischen Emilia Romagna geboren. Sie kam aus einfachen Verhältnissen, war die Tochter einer Schneiderin und eines Fischhändlers. Ihre Karriere als Sängerin erhielt 1961 den entscheidenden Schub, als sie beim Festival von Sanremo den dritten Platz belegte. Neben ihrer ausdrucksstarken Stimme machte auch ihre Impulsivität Schlagzeilen, in Italien erhielt sie den Spitznamen „Pantherin von Goro“.

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Zwei Jahre nach ihrem Durchbruch in Sanremo gelobte sie 1963, nie wieder an diesem großen, international bekannten Festival teilzunehmen, weil die Jury sie nicht unter die ersten drei gewählt hatte. Diese Entscheidung revidierte sie jedoch wieder – und trat bis 2007 15 Mal bei dem Wettbewerb auf.

Solche oft heftigen Kontroversen begleiteten die Karriere des internationalen Stars. Nach Italien eroberte Milva Deutschland – wofür sie Deutsch lernte. Auch in Lateinamerika, Spanien und Frankreich hatte sie große Erfolge, ihre französischen Fans verglichen sie mit Edith Piaf.

In den 1960er und 1970er Jahren machte Milva sich einen Namen als Rebellin, nahm Partisanenhymen wie „Bella Ciao“ in ihr Repertoire auf und erzählte in politischen Chansons vom Arbeitermilieu. Das brachte ihr den Spitznamen „die Rote“ ein – als Anspielung auf ihre leuchtend rote Haarpracht und ihr politisches Engagement.

In den 70er Jahren stand Milva auch oft auf Theaterbühnen. Nach ersten Auftritten in Giorgio Strehlers Piccolo Teatro in Mailand spielte sie 1973 erfolgreich in der ebenfalls von Strehler inszenierten Dreigroschenoper von Bertolt Brecht mit, die sie durch ganz Europa führen sollte. Wegen ihrer herausragenden Interpretationen von Brecht- und Kurt Weill-Stücken verlieh ihr 2006 der damalige Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz.

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Von 1973 bis 1980 tourte die rote Diva mit der Gruppe „I Milvi“ durch Europa, Kanada, Russland und Japan. Ihre Leidenschaft für Politik mündete in der Zusammenarbeit mit verschiedenen engagierten Liedermachern wie dem Italiener Franco Battiato oder dem Griechen Mikis Theodorakis. Damals erweiterte sie ihr Repertoire um die noch wenig bekannte griechische Musik und Poesie.

Ihr Album „Was ich denke“ schoss 1978 in Deutschland an die Spitze der Verkaufscharts, was ihr eine silberne Schallplatte einbrachte. Aus der Zusammenarbeit mit Franco Battiato Anfang der 1980er Jahre entstand „Alexander Platz“, einer ihrer international berühmtesten Songs, der auf dem Album „Milva e dintorni“ (1982) verewigt wurde.

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Während ihrer 50-jährigen Karriere nahm Milva etwa sechzig Alben auf und arbeitete unter anderem mit den Filmmusik-Komponisten Ennio Morricone, Francis Lai und Vangelis zusammen. Unvergessen bleibt auch ihr Auftritt 1984 in der Show „El Tango d'Astor Piazzolla“ im Pariser Théâtre des Bouffes du Nord.

1961 heiratete Milva ihren Manager und Förderer, den Regisseur Maurizio Corgnati. Milva hinterlässt ihre Tochter Martina aus der Ehe, die nur acht Jahre hielt.