Tänzerinnen des Deutschen Fernsehballetts treten bei der Aufzeichnung der Show „Das Deutsche Fernsehballett – Die große Show zum Abschied“ auf. Foto: Sebastian Willnow/dpa

Mit einer großen Gala verabschiedet sich nach fast 60 Jahren das Deutsche Fernsehballett vom TV-Publikum. „Ich bin traurig, aber das Ende überrascht mich nicht“, sagt Emöke Pöstenyi, frühere Solistin und Choreographin des Ensembles, der Deutschen Presse-Agentur. „Es war schon länger klar: Es geht nicht mehr.“ Die Aufträge seien weggeblieben, es gebe keine Sendungen mehr, in die das Format des Balletts hineinpassen könnte.

Die Ungarin sowie die deutsch-amerikanische Tänzerin Susan Baker waren in DDR-Zeiten als Solistinnen die Superstars der Truppe. Wenn sie und Pop-Größen aus dem Westen in der Sendung „Ein Kessel Buntes“ auftraten, schauten Millionen zu. Die Zusammenarbeit sei faszinierend gewesen. „Doch mit Susan habe ich heute keine Kontakte mehr, unsere Lebenswege sind auseinandergegangen“, sagt die heute 78-Jährige. Im Jahr 1978 hätten sie zum letzten Mal gemeinsam auf der Bühne gestanden. „Danach habe ich mich vor allem um die Choreographie gekümmert“, erzählt Pöstenyi, die heute in der Nähe von Bad Saarow in Brandenburg lebt.

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Ursprünglich wollte das Deutsche Fernsehballett im Jahr 2021 eine Abschiedstournee geben. Doch die fällt nun wegen Corona aus, hatte Geschäftsführer Peter Wolf in der vergangenen Woche angekündigt. Das Ballett wird nun bereits Ende 2020 aufgelöst. Mit der Gala, die am 31. Oktober im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird, verabschiedet sich das Ensemble vom TV-Publikum.

„Das Deutsche Fernsehballett – Die große Show zum Abschied“

Moderiert wird die Sendung „Das Deutsche Fernsehballett – Die große Show zum Abschied“ von Entertainer Ross Antony. Gäste sind unter anderem die Musiker David Garrett, Beatrice Egli und Michelle. Es wird auch eine Überraschung geben, kündigte Christiane Stürenberg, Geschäftsführerin der produzierenden Saxonia Entertainment GmbH an. Ein Fernsehliebling werde zu erleben sein, mehr verrät sie nicht.

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Auch Pöstenyi wird Gast der Sendung sein. Am selben Tag erscheint ihr Buch „Das Fernsehballett – Mein Leben mit dem Tanz“. Darin schildert sie auch, wie sie in Budapest zum Ballett kam. „Meine Mutter schickte mich auf eine Tanzschule, weil ich über den Onkel lief, wie man auf Deutsch sagt“, so Pöstenyi mit Blick auf eine Fehlstellung, die sie hatte.

Moderator Gunther Emmerlich 1991 mit dem Fernsehballett.
Foto: imago images/teutopress

„Die Tänzerinnen und Tänzer werden in der Show noch einmal alles zeigen, was sie können“, verspricht Geschäftsführer Wolf. Sie beherrschten alles, vom Schuhplattler bis zum Cancan. „Doch man muss der Realität ins Auge sehen. Die Zeiten der großen Shows im Fernsehen sind vorbei.“

Die Tänzerinnen suchen nach neuen Jobs

Der Geschäftsführer hatte ursprünglich angekündigt, das Ensemble Ende 2021 auflösen zu wollen. Grund sind mangelnde Aufträge. Bis auf den MDR seien die anderen Sender nicht mehr bereit gewesen, für das Ensemble zu zahlen. Wolf hatte 2012 das Ballett vom MDR, einer Berliner Agentur und einer Beteiligungsgesellschaft, deren Mehrgesellschafter wiederum neun katholische Bistümer waren, in Privatregie übernommen.

Gegründet wurde das Ballett mit derzeit 32 Tänzerinnen und Tänzern aus 18 Nationen im Jahr 1962. Kostüme, Musik und Bewegungen waren meist exotisch anzusehen. Nach dem Mauerfall tanzte das Ballett dann in großen Fernsehshows von ARD, ZDF und MDR.

Und was wird aus den Mitgliedern des Ensembles? „Es ist hart“, sagt Wolf. Die Tänzerinnen und Tänzer müssten sich auf dem freien Markt eine neue Arbeit suchen, gegebenenfalls umschulen. Die 33 Jahre alte Solotänzerin Marie-Luisa Kaster, deren Mutter 17 Jahre im Fernsehballett tanzte, tut das bereits. „Den Tanz gebe ich nicht ganz auf, aber ich habe bereits eine Umschulung zur Heilpraktikerin begonnen.“