Willi Herren ist im Alter von 45 Jahren verstorben. Imago/Sven Simon

So unsouverän der Umgang von Sat.1 mit „Promis unter Palmen“ bislang gewesen ist, so gut haben sie am Dienstagnachmittag die wohl schwierigste Klippe umschifft. Rund 45 Minuten, nachdem der Tod von Willi Herren bekannt wurde, setzte der Sender zweit Tweets ab. Im ersten verliehen sie ihrer Trauer über die Nachricht Ausdruck – und in einem zweiten zogen sie die einzig richtigen Schlüsse: Man hatte sich entschlossen, die verbleibenden Folgen von „Promis unter Palmen“ aus Pietätsgründen nicht auszustrahlen.

Es wäre wohl eine unwürdige Veranstaltung geworden. Sat.1 hatte schwere Fehler in Casting gemacht und einen unausgewogenen Cast zusammengestellt, der sich, so zeigten es die Vorschauen, bis aufs Blut bekriegte. Diese Sendungen, den Streit, die Intrigen, in die Willi Herren möglicherweise involviert gewesen wäre, mit dem Wissen zu sehen, dass Willi Herren inzwischen verstorben ist, hätten sich wohl nur sehr voyeuristische Zuschauer angesehen. Es ist ein richtiger Schritt von Sat.1 diese Lust nicht befriedigen zu wollen.

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Zumal es zur Natur von Trash-TV-Sendungen gehört, sich durchaus über die Teilnehmer lustig zu machen, sie wie bei „Promis unter Palmen“ in alberne Kostüme zu stecken und lächerliche Spiele zu machen. Diese Bilder, oder solche von einem verzweifelten, vielleicht auch wütenden Willi den Angehörigen und Fans in Anbetracht eines überraschenden und frühen Todes zu ersparen, ist die einzige richtige Entscheidung. 

Durch den Abbruch bleibt vielleicht auch eine Szene umso mehr in Erinnerung, die zeigt, dass Willi Herren bei allen Skandalen und allen Streitpunkten das Herz am rechten Fleck hatte: Seine stürmische Gegenrede gegen die homofeindlichen Äußerungen von Prinz Marcus. Das ist in jedem Fall würdiger als das nächste enganliegende Kostüm.

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Allerdings gab es auch kritische Stimmen, die dem Sender vorwerfen, Willi Herrens Tod als Vorwand zu nehmen, um eine zum Scheitern verurteilte Show aus dem Programm zu nehmen und behaupten, Herren hätte es gewollt, dass diese Folgen gezeigt werden. Doch weder das eine, noch das andere können sie beweisen. Natürlich war es Willi Herrens Leben, die Menschen zu Unterhalten, das hatte er immer wieder betont. Aber sein Leben nahm am Dienstag ein tragisches Ende. Diese Folgen auszustrahlen, ohne, dass der Protagonist selbst darauf reagieren kann, wäre schlicht falsch. Sat.1 hat das erkannt und die richtigen Schlüsse gezogen.