Die „Sex and the City“-Stars  Kim Cattrall, Cynthia Nixon, Sarah Jessica Parker, Kristin Davis im Jahr 1990. Foto: Imago/Everett Collection

Um Carrie Bradshaw, Samantha und Co. herum sein und dafür bezahlt zu werden … das klingt wie der ultimative Traum für viele Fans von „Sex and City“. Für Heather Kristin wurde es zum Albtraum. Die als Double von Kristin Davis alias Charlotte  verpflichtete Schauspielerin wurde nach eigener Aussage am Set „belästigt und erniedrigt“ – und gab danach ihre Hollywood-Ambitionen auf.

In einem Gastbeitrag im Magazin „Glamour“ schreibt Kristin, dass sie immer wieder von Freunden und Fremden gehört hatte, dass sie wie Kristin Davis aussieht. Worauf sie dem Casting Direktor der Show auflauerte und „ihn anbettelte, mich als Charlotte Double anzustellen.“ Dreist kam weiter. Die damals 25-Jährige bekam tatsächlich ihren Traumjob, der schnell traumatisch wurde:

Mit üblen Sprüchen sexuell belästigt

„Es herrschte ein toxisches Klima am Set.“ Kristin wurde von Crewmitgliedern mit anrüchigen Sprüchen sexuell belästigt und schikaniert: „Einige der Crew haben immer wieder über meine tollen Busenimplantate gewitzelt, obwohl ich gar keine hatte. Und dann wurde immer wieder angedeutet, ich hätte den Job nur bekommen, weil ich den richtigen Leuten einen geblasen hätte. Weil ich eigentlich zwei Zentimeter zu groß bin und den Job hätte nie bekommen sollen.“

Einer der Crewmitglieder kritisierte ständig Kristens Aussehen: „Er hat mich angepöbelt, dass meine Nase viel zu groß sei für die Leinwand. Und dass ich niemals eine Sprechrolle in der Show bekommen würde.“

Heather Kristin (rechts) mit Schauspielerin Kristin Davis, die in „Sex and the City“ die Charlotte spielte und für die Heather das Double war. Foto: Instagram/Heather Kristin

Die 47-Jährige will auch Zeugin geworden sein, wie andere Leute am Set gemobbt wurden: „Eine schwarze Statistin hatte Tränen in den Augen. Ein Crewmitglied hatte ihr gegenüber rassistische Bemerkungen gemacht. Ob sie in einer Gang sei. Und dann hat er sie mit herrischer Stimme angewiesen, ihm frittiertes Hähnchen zu essen zu besorgen.“

Als wäre das schlimme Klima am Set nicht schon schlimm genug gewesen, Kristin war gezwungen, meist mit als Erste vor Ort zu sein und mit als Letzte zu gehen. „16-Stunden-Tage und Schlafmangel waren normal“. In den Mittagspausen versteckte sie sich meist in einer Garderobe und übte Geige, um den anderen aus dem Weg zu gehen.

In peinliche Situation gebracht

Dennoch war sie vor ihren Kollegen nicht sicher. Als Vorbereitung einer Szene, bei der Charlotte zur Untersuchung zum Frauenarzt kommt, sollte Double Kristin im Gynäkologen-Stuhl Platz nehmen: „Mir wurde gesagt, dass ich auch die Beine spreizen und in die Bügel hochlegen sollte. Ich war zwar angezogen, doch es war mir sehr peinlich, und ich bin rot angelaufen.“

Weil sie bereits 60 Stunden in dieser Woche gearbeitet hatte und erschöpft war, schlief sie trotz der nicht sehr bequemen Position ein: „Als ich aufwachte, hatten einige der Crewmitglieder meine Beine und Füße mit Panzerband an den Bügeln festgeklebt. Sie haben gelacht und rüde Kommentare über meinen Körper gemacht. Einer hat sogar Fotos gemacht, zum Jubel der anderen.“

Sie versuchte, sich „meine Angst und Scham“ nicht anmerken zu lassen. Als man sie wieder losgebunden hatte, zog sie sich wie in Trance in ihr Mini-Appartement zurück: „Ich war im Schock und habe abwechselnd Kette geraucht und mich übergeben. Es hängt mir noch heute nach, besonders wenn ich zum jährlichen Kontrolltermin zum Frauenarzt muss.“

Dennoch beschwerte sie sich nicht bei der Produktionsleitung – aus Angst, gefeuert zu werden: „Der Job gab mir ein regelmäßiges Einkommen, und ich konnte so auch durch die Schauspielergewerkschaft Krankenversicherung bekommen. Das wollte ich nicht riskieren.“

Die „Sex and the City“-Stars und ihre Doubles. Foto: Instagram/Heather Kristin

Der Stress drohte, sie krank werden zu lassen

Weil sie durch den Stress kaum noch essen konnte, nahm sie 15 Pfund ab. Nach der zweiten Folge von Staffel 4 zog sie ihrer Gesundheit zuliebe die Notbremse. Kristin kündigte und beschloss, einen anderen Lebensweg einzuschlagen: „Mir war bewusst geworden, dass der Schauspielberuf ungesund für mich ist.“

Erst nach 20 Jahren entschied sich die Mutter einer 11-jährigen Tochter („Ich erhebe meine Stimme auch für sie“) jetzt, mit ihren schlimmen „Sex and the City“-Seterlebnisse an die Öffentlichkeit zu gehen. Ein Sprecher des Senders HBO: „Wir sind sehr enttäuscht zu hören, was Ms. Kristin vor 20 Jahren durchmachen musste.“

Die Stars der Serie waren nett zu ihr

Das Interessante: Kristin hegt keinen Groll gegen die Stars der Show, die sehr nett zu ihr waren: „Kristin Davis hat mir mal angeboten, mich von ihrem Chauffeur nach Hause bringen zu lassen und mir ein blaues Charlotte-Kleid geschenkt, was ich bis heute noch habe.“ Und Parker habe ihr ein kleines Dankschreiben hinterlassen, als sie mal für alle ein Geigensolo vorgespielt hatte.

Kristin würde sich sogar in der Neuauflage der Serie für eine Gastrolle engagieren lassen. Auf Instagram schrieb sie dazu an Sarah Jessica Parker gerichtet: „Warum macht ihr das Ganze nicht wieder gut, in dem ihr mir einen kleinen Part gebt – in dem ich Geige spiele.“