Dieter Birr im Studio: Hier spielt er seinen Corona-Song.  
Benjamin Pritzkuleit

Maschine startet durch. In der Nähe vom Orankesee kann man derzeit den Ex-Puhdys-Star Dieter Birr (77)  im Tonstudio treffen. Ja, er rockt wieder – und wie. Eine neue Plattenfirma macht es möglich. Und neue Mitstreiter, mit denen der Rocker im idyllischen Norden von Berlin an seinem fünften Solo-Album arbeitet. Der erste Song ist schon fertig. Es ist ein Lied über Corona.

Die Aufnahme ist bereits vor Tagen entstanden. Am Freitag erscheint schon die Single. Doch beim KURIER-Besuch im Studio steht Maschine mit Lederjacke und Gitarre noch einmal vor dem Mikro, um sein neues Lied vorzuspielen. Produzent Lukas Schaaf fährt am Laptop die Musik ab, die mächtig aus den Boxen klingt. „Verlierer und Helden, Leben und Tod: Die Ampeln des Lebens stehen auf Rot“, singt Birr dazu. Es sind die ersten Zeilen des Liedes, das er mit „Bessere Tage“ überschrieben hat.

Maschine dürfte damit zu den ersten Künstlern gehören, die das Thema Corona offen in einem Lied verarbeitet haben. „Jeder ist darin angesprochen, wird sich in dem Song wiederfinden“, sagt er. „Egal in welchem Job, in welcher Situation: Auch wenn jetzt die lang ersehnten Lockerungen kommen, mussten wir alle gemeinsam tragische Tage durchstehen, in denen ein kleiner, unscheinbarer, aber gefährlicher Virus unseren gewohnten Alltag veränderte und Opfer forderte. Ich bin mir sicher, es werden wieder bessere Tage kommen. Mit dieser Aussicht endet auch mein Lied.“

Neues Album von Ex-Puhdys-Star Dieter „Maschine“ Birr über die Pandemie

Wie sich das Leben in der Pandemie in Berlin drastisch änderte, wurde Maschine beim Dreh des Videos zu dem Song bewusst. „Das war vor wenigen Wochen. Da galt in der Stadt ab 22 Uhr noch die Ausgangssperre“, sagt er. „Es war gespenstisch, als wir zu dieser Zeit auf dem Alex, an der Friedrichstraße und auf dem Potsdamer Platz drehten. Die Orte, an denen zu dieser Zeit noch das Berliner Leben tobt, waren plötzlich wie ausgestorben. Man konnte sich das gar nicht vorstellen, dass so etwas einmal passiert.“

Für Birr bedeutete der lange Lockdown, keine Auftritte mehr zu haben. Einfach nur daheim zu sitzen und auf bessere Tage zu warten, ist aber auch nicht sein Ding. „Musik ist mein Leben“, sagt Maschine. „Also spielte ich fast jeden Tag mit der Gitarre, denn auch ein Musiker muss sich wie ein Sportler fit halten und auf seinem Instrument trainieren.“ So manche Songs entstanden in dieser Zeit. „Allerdings habe ich dabei nicht an ein neues Album gedacht“, sagt Birr.

Dass nun eine Platte im Werden ist, dafür sorgte Steven Dornbusch, der Manager der Deutsch-Rock-Band Goitzsche Front, mit der Dieter Birr Pfingsten 2019 den ersten Auftritt nach seiner Tumor-OP und Reha hatte. „Als ich jetzt von Maschine hörte, dass er neue Songs schrieb und noch keinen richtigen Plan dafür hätte, sagte ich zu ihm: ,Wenn ich dein Manager wäre, würde ich dir raten, daraus ein Album zu machen‘“, erklärt Dornbusch. Und so kam es. Dornbusch ist nun der neue Manager von Maschine, der dem Ex-Puhdys-Star jetzt auch zu einer neuen Plattenfirma verhalf, bei der auch Julia Neigel unter Vertrag ist.

Maschines neue Mitstreiter: Produzent Lukas Schaaf (li.) und Manager Steven Dornbusch Benjamin Pritzkuleit

Für das geplante Album, das nun im Studio von Produzent Lukas Schaaf entsteht und zusammen mit Maschines Keyboarder Marcus Gorstein produziert wird, ist neben dem Corona-Lied „Bessere Tage“ noch ein weiterer Song fertig. Ein recht trauriges Stück mit dem Titel „Sternenkinder“, in dem es um ein junges Paar geht, das sich so sehr auf sein künftiges Baby freut – aber das kommt tot zur Welt.

Im kommenden Jahr soll das Album fertig werden. „Die lange Zeit brauche ich auch“, sagt Birr. „Denn in den nächsten Monaten werde ich dank der Lockerungen auch wieder viel auf der Bühne stehen.“ Am 12. Juni geht das Touren mit seiner Show „Maschine intim – Lieder für Generationen“ in Rathenow los, die der Ex-Puhdy mit Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker bestreitet. Am 26. Juni sind sie in Magdeburg, am Folgetag in Dresden.