Höre ich Widerspruch? Mario Barth weiß wie kein anderer Komiker zu provozieren. Seine Fans lieben ihn, seine Kritiker, nun ja, ... Foto: imago images

Eins ist sicher: Kein anderer Komiker zieht so viel Publikum an wie Mario Barth (48). Über acht Millionen Menschen haben den Berliner schon live gesehen. Seine Programme versprechen Geschlechterkampf pur. Das aktuelle trägt den Titel „Männer sind faul, sagen die Frauen“. Im Herbst, zu seinem 20. Bühnenjubiläum, geht Barth mit seinem ersten Programm „Männer sind Schweine, Frauen aber auch“ noch einmal auf Tour. Der etwas andere „Paartherapeut“ hat übrigens ein neues Buch geschrieben: „Happy Wife, Happy Life“.

KURIER: Sehen Sie sich selbst als Forscher, der auf humorvolle Weise Zwischenmenschliches untersuchen möchte?

Mario Barth: In meinem neuen Sachbuch „Happy Wife, Happy Life“ erkläre ich humorvoll, wie man eine glückliche Beziehung führen kann. Dafür habe ich mich drei Jahre lang immer wieder mit Paartherapeuten, Jugend- und Kinderpsychologen und Wissenschaftlern getroffen, die mir erstaunliche Dinge erklärt haben.

Welche Fragen haben Sie diesen Fachleuten gestellt?

Warum gehen Frauen gerne einkaufen und warum hassen Männer das Shoppen? Es gibt natürlich Ausnahmen, aber auf die Masse trifft das zu. Mir ist aufgefallen, dass etwas nur dann lustig ist, wenn es auch einen Wahrheitsgehalt hat. Über Marsmenschen zu schreiben, die kleine Hunde als Haustiere halten, ist nicht wirklich witzig. Die Leute müssen sich in meinem Programm wiederfinden können. Mir ist beim Schreiben des Buches aufgefallen, dass ich eine große Freude daran habe, Dinge zu entdecken, um sie humoristisch den Leuten nahezu bringen. Am Ende meiner Show sage ich immer zum Publikum: Leute, bleibt zusammen! Das meine ich völlig ernst.

Warum ist Ihnen das wichtig?

Wenn du deine Freundin verlässt und dann eine Neue hast, dann hat diese eine andere Haarfarbe und einen anderen Namen. Aber die Probleme bleiben exakt dieselben. Die Anzahl der Probleme ändert sich nie. Ich sage Männern immer, sie sollen sich das mit der Trennung wirklich noch einmal überlegen. So führe ich meine Beziehung seit Jahren.

Halle für Halle (hier in Saarbrücken), Stadion für Stadion füllt Mario Barth mit seiner Comedy.
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Haben Sie bei Ihrer Arbeit etwas Neues über sich und Ihre Beziehung herausgefunden?

Total! Gerade was das Thema Shoppen angeht. Ich hasse das! Ich wusste bislang aber nicht, warum. Wenn meine Freundin mit mir einkaufen gehen will, kriege ich schon schlechte Laune, bevor wir überhaupt da sind. Ich fange plötzlich an zu schwitzen oder kriege Hunger. Es ist überall so voll und nirgendwo kann man sich hinsetzen. Aber Frauen fangen an zu gucken. Wenn man sie fragt, warum wir shoppen gehen, wird gerne gesagt, dass man schauen will, was es so gibt. Na ja, was wird es geben? Alles! Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Da kriege ich eine Meise!

Haben Sie dafür eine wissenschaftliche Erklärung gefunden?

Man nennt es das Prinzessinnenprinzip. Beim Shoppen wird Dopamin ausgeschüttet. Es beschert Frauen ein Glücksgefühl. Sie werden süchtig nach diesem Glückshormon, welches im Körper biochemisch hergestellt wird. Dopamin macht süchtiger als Heroin. Es erhöht die Ausdauer und die Motivation. Darum können Frauen auch zwölf Stunden einkaufen.

Und wie verhält es sich bei Männern?

Exakt dasselbe Organ schüttet auch ein Hormon aus, aber kein Dopamin, sondern Adrenalin. Ein Stresshormon. Es führt zu einem erhöhten Herzrhythmus. Der Blutdruck steigt, weil der Körper auf Flucht oder Kampf gepolt ist. Während sie glücklich beim Shoppen ist, fängt er an zu schwitzen, will flüchten oder bereitet sich auf Angriff vor.

Was genau passiert beim Shopping im Körper des Mannes?

Dabei wird die Arbeit des Magen-Darm-Trakts nahezu eingestellt. Aber die Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin aus. Das heißt, der Mann bekommt Hunger. Ihm wird warm und er kriegt einen roten Kopf. Es ist also völlig logisch erklärbar, warum Frauen beim Shoppen glücklich sind und wir Männer völlig gestresst. Irgendwann ist das Adrenalin so hoch, dass es beim Mann nur noch zwei Verhaltensmuster gibt: Flucht oder Kampf. Mehr ist nicht programmiert. Entweder er verlässt den Raum oder er wird pampig und greift an. Wenn du das deiner Freundin plausibel erklärst, akzeptiert sie auch, dass du draußen auf sie wartest.

Haben Sie dazu auch Feldstudien durchgeführt?

Ich war gerade in den USA und habe dort einen Roadtrip gemacht. Früher gab es in Kaufhäusern nur diese blöden Drahtstühle direkt an der Rolltreppe, heute gibt es dort auch richtige Sessel und Cafés. Aber die Amis hatten eine richtige Kneipe im Kaufhaus. Dort konnte man Bier trinken und etwas essen. Alle, die da saßen, waren Männer. Wie einfach das ist: Die Frau geht einkaufen und es braucht nur einen schönen Sessel, damit der Mann sich währenddessen hinsetzen und etwas trinken kann. Und dann kriegt er Hunger und man gibt ihm Pommes. Das macht ihm gute Laune und alle sind glücklich. Wenn man das so sieht, lernt man für sein eigenes Beziehungsleben eine Menge.

In welchen Momenten haben Sie besondere Glücksgefühle?

Ich bin glücklich, wenn ich zum Beispiel ein Buch schreibe und das fertige Produkt irgendwann in der Hand halte. Viele Frauen sagen, es sei ihr glücklichster Tag gewesen, als ihr Kind geboren wurde. Wegen der wahnsinnig vielen Glückshormone wollen sie noch ein zweites oder drittes Kind haben. Der glücklichste Tag eines Mannes hingegen ist, wenn er erfährt, dass er Vater geworden ist. Dann ruft er seine Freunde an und erzählt ihnen davon. An meinen Brüdern und Freunden habe ich das beobachten können.

Was macht Sie sonst noch glücklich?

Ich mache Kampfsport und habe letzte Woche eine Gürtelprüfung bestanden. Danach ist man völlig alle und kann kaum noch laufen. Aber man sitzt auf der Bank und sagt zu sich: Yes! Dabei schütte ich Dopamin aus, nicht beim Shoppen.

Das Interview führte Olaf Neumann.