Die deutsche Regisseurin Maria Schrader (Mitte) während der Preisverleihung der Emmy Awards. Foto: dpa/The TV Academie and ABC Entertainment

Wie kam es, dass Maria Schrader (54) sich live weltweit über den Emmy-Gewinn für beste Regie in der Mini-Serie „Unorthodox“ freuen konnte? Weil ihr die Produzenten der Award-Show in weiser Voraussicht eine Kamera geschickt hatten. Dank der konnte sie sich mitten in der Berliner Nacht (9 Stunden Zeitunterschied) nach Los Angeles streamen: „Ich bin sprachlos.“

KURIER: Frage an die Gewinnerin: Wie fühlt sich das an während der Corona-Krise?

Schrader: Als ob sie fast vorbei ist. Wir alle wissen, dass wir immer noch infiziert werden können, aber das Geschäft läuft wieder an.

Und das Geschäft ist?

Ich führe Regie in einem Fernsehfilm. Eine Beziehungskomödie mit speziellem Dreh. Weil es die Beziehung zwischen einer Frau und einem Roboter ist. Wir drehen das jetzt in Berlin.

Und der Titel ist?

„Ich bin dein Mensch“.

Und wer spielt darin die Hauptrollen?

Das darf ich Ihnen noch nicht verraten.

Was sind die Probleme beim Dreh in Corona-Zeiten?

Wir brauchten eine Wohnung, in der wir 10 Tage mit dem Hauptdarsteller drehen konnten. Niemand wollte uns die überlassen. Da mussten wir sie im Filmstudio nachbauen. Das war natürlich ein teurer Spaß.

Was ist der Unterschied dazu, in Amerika zu arbeiten?

In Deutschland achten wir darauf, „grün“ zu drehen. Was bedeutet, nicht zu viele Plastik-Produkte zu benutzen.

Kann man sich gegen Corona-Fälle versichern?

Es gibt keine Versicherung. Wenn etwas bei uns passiert und wir müssen das Shooting unterbrechen, dann werden die Kosten 50/50 zwischen dem Sender und der Produktionsgesellschaft geteilt.

Wie war die Reaktion auf „Unorthodox“?

Überwältigend. Ich persönlich habe so etwas noch nie erlebt.

Yanky (Amit Rahav) in einer Szene aus Maria Schraders Serie „Unorthodox“. Foto: Anika Molnar/Netflix/dpa

Was macht Sie glücklich?

Große Frage. Ich bin mit kleinen Dingen glücklich. Vor Corona sind wir gereist, 5 Tage die Woche zum Essen ausgegangen und plötzlich ist unser Leben einfach geworden. Irgendwie macht mich das zufrieden. Ich habe das Glück, einen Partner zu haben, den ich liebe. Zuvor habe ich nie so viel Zeit mit ihm verbracht.

War es schwer für Sie, sich als Frau im Film- und Fernsehgeschäft durchzusetzen?

In meinem Job bin ich von mehr Männern als Frauen umgeben. Im Moment höre ich die Klagen von männlichen Kollegen: „Jetzt ist deine Zeit, es sind die Frauen, die gefragt sind“. Es gibt keinen Grund zum Klagen. Weil wir weit, weit entfernt sind von Gleichstellung. Nur 14 Prozent der Filme, die in Deutschland gemacht werden, sind von Frauen.

Sie stellen in Ihrem Film Berlin in einer Art dar, die man sonst nicht oft sieht.

Wenn Sie so wollen, ist mein Film ein Liebesbrief an Berlin. Die Stadt ist groß. Aber nicht so groß wie New York oder Los Angeles. Eine Stadt, die ihre bunten und ihre dunklen Seiten hat. Eine Stadt der Vielfalt und der Freiheit. Wenn wir mit dem Film der Welt dieses Bild von Berlin präsentiert haben, dann haben Menschen, die nach Berlin kommen, große Hoffnung. Und dann muss unsere Stadt diese Hoffnung erfüllen.