Neil Diamond bei einem Charity-Event in Las Vegas im März 2020.  Foto:  imago images/APress

Der Welthit „Sweet Caroline“ ist nicht nur immer wieder Ohrwurm von Millionen Menschen weltweit, sondern Neil Diamond schaffte es mit dem Song jüngst sogar in das Verzeichnis bedeutender Tondokumente der US-amerikanischen Library of Congress. Der Song kombiniere die „raffinierte Songschreiber-Handwerkskunst“ von Diamond mit seiner „Bühnen-Persönlichkeit“, wurde die Auswahl begründet.

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Auch als Song des Baseballteams Boston Red Sox sei „Sweet Caroline“ berühmt geworden – „in guten und schlechten Zeiten, als stärkende Hymne, die die guten alten Zeiten heraufbeschwört und gleichzeitig versichert, dass bessere in Sicht sind“. Während der Coronavirus-Pandemie rief Diamond, der diesem Sonntag, am 24. Januar,  80 Jahre alt wird, seine Fans zum gemeinsamen Online-Singen des Songs auf. Er habe „Sweet Caroline“ einst in den 1960er-Jahren in einem Hotel in Memphis geschrieben, erzählte der Musiker gerade noch einmal dem US-Magazin Forbes – „Es hat nicht lange gedauert, es war nur eine Frage von Minuten zum Herzen des Songs zu gelangen.“ Diamonds Erfolg aber ist seitdem fest damit verknüpft.

Rund ein halbes Jahrhundert lang war der Musiker mit den mehr als 100 Millionen verkauften Alben und zahlreichen Auszeichnungen fast ununterbrochen über die Bühnen der Welt getourt, dann zwang eine Krankheit ihn zum Aufhören. „Mit großem Widerwillen und Enttäuschung kündige ich an, dass ich keine Konzerte mehr geben werde“, teilte Diamond Anfang 2018 mit, nachdem Ärzte bei ihm Parkinson diagnostiziert hatten. „Es war mir eine große Ehre, meine Shows in den letzten 50 Jahren der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Der Musik aber ist Diamond trotzdem treu geblieben und hat gerade erst 14 seiner alten Songs gemeinsam mit den Londoner Symphonikern für ein Album neu aufgenommen.

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Die Musik hat Diamond reich und weltberühmt gemacht – dabei ist das Singen für ihn eigentlich eher eine Notlösung. „Ich bin nicht so schlau“, sagte er einmal dem britischen Telegraph. „Wenn ich schlau wäre, hätte ich Medizin studiert, wäre jetzt Biologe und hätte ein Heilmittel für Krebs entdeckt.“ Stattdessen begann er schon als Teenager, Songs zu schreiben. „Ich bin besser darin, Dinge zu fühlen, als sie zu verstehen. Weisheit kommt nur nach Jahren des Nachdenkens. Und wenn ich ein bisschen Weisheit habe, dann mache ich einen Song daraus.“ So entstanden über die Jahre zahlreiche Klassiker – neben „Sweet Caroline“ beispielsweise auch noch „Cracklin' Rosie“, „You Don't Bring Me Flowers“ und „Red Red Wine“.

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So richtig genießen kann der Musiker seinen Job aber nicht. „Man würde denken, dass mir das Schreiben nach all diesen Jahren leicht und schnell von der Hand gehen würde, aber so scheint es einfach nicht zu sein. Es ist harte Arbeit und es wird nicht einfacher. Ich hasse es. Aber ich mache es jetzt schon eine ganze Weile und ich finde einfach keine andere Möglichkeit, Geld zu verdienen.“

Der 1941 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborene Neil Leslie Diamond, der zum dritten Mal verheiratet ist und vier Kinder hat, stammt aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater hatte einen kleinen Laden. Diamond ging auf die Erasmus Hall High School, wo er mit Schulkameradin Barbra Streisand im Chor sang. Mit einem Fecht-Stipendium ging er aufs College, brach das aber ab, als er seinen ersten Job als Songschreiber bekam.

Für den New Yorker Brill Verlag arbeitete er in einem winzigen Büro am Broadway, das hauptsächlich aus Schreibtisch, Klavier und Münzfernsprecher bestand. Die 35 Dollar Wochenhonorar, die er anfangs bekam, waren gut investiert: Für Cliff Richard komponierte er Hits wie „Just Another Guy“ und „I'll Come Running“, für Deep Purple „Kentucky Woman“, für die Monkees „I'm A Believer“.

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Nach dem ersten eigenen Plattenvertrag 1966 reihte sich ein Hit an den nächsten: „Solitary Man“ (1966), „Girl You'll Be A Woman Soon“ (1967) und „Red Red Wine“ (1968). Bald zählte Diamond zu den bestverdienenden Showstars der Welt. Mit seinem Album „Hot August Night“, einem Livemitschnitt eines Konzerts in Los Angeles, konnte er sich 1972 sogar gut anderthalb Jahre in der US-Hitparade halten.

Die Musik-Karriere habe er eigentlich dem Baseball zu verdanken, erzählte Diamond jüngst dem britischen Guardian. Als Teenager sei er großer Fan der Brooklyn Dodgers gewesen, aber dann sei das Team nach Kalifornien umgezogen. „Mein Herz war zerbrochen und ich fiel in eine Teenager-Depression. Meine Eltern waren so besorgt, dass sie wussten, sie mussten irgendwas tun, um mir aus meinem Loch zu helfen. Sie haben mir meine erste Gitarre gekauft, für zehn Dollar, die sie über zehn Wochen mit je einem Dollar abbezahlt haben. Ich habe die Gitarre in die Hand genommen und mein Leben war für immer verändert. Wie gut, dass die Dodgers Brooklyn verlassen und mein Herz gebrochen haben, denn sonst hätte ich vielleicht nie eine Gitarre angefasst.“