Im Film „Spencer” spielt Kristen Stewart Prinzessin Diana. Foto: Arthur Mola/Invision/AP/dpa

Kristen Stewart war erst 7 als der Unfall in Paris die „Prinzessin der Herzen” das Leben kostete: „Ich bin nicht mit ihr aufgewachsen, aber ich fühle, wie schutzbedürftig sie war.” Kristen studiert Diana: „Ich lese gerade die dritte Biografie über sie. Ich will sie nicht nur spielen, ich will sie kennen.” Der Film „Spencer” schildert drei Tage im Leben von Diana. Es sind die dramatischen Tage, in denen sie beim Familien-Weihnachtsfest der Royals beschließt, sich von Charles scheiden zu lassen. Wie der Hollywood-Zufall es will beginnen die Dreharbeiten gleich nach der der Premiere von Kristens Film „Happiest Season”. Die Handlung klingt irgendwie vertraut: Junge Frau stemmt sich Weihnachten gegen die Zwänge ihrer konservativen Familie. Doch im Gegensatz zu „Spencer” ist „Happiest Season” eine Komödie, in der es zwei Prinzessinnen gibt: ein lesbisches Liebespaar.

Berliner KURIER: Im Film haben die Eltern keine Ahnung, dass ihre Tochter lesbisch ist. Wie war es bei Ihnen, als Sie sich Ihren Eltern offenbart haben?

Kristen Stewart: Ehrlicherweise habe ich mit meiner Familie da noch nie darüber direkt gesprochen. Es soll nicht falsch klingen, aber es ist mir echt egal wie andere mein Leben bewerten. Es gab nie einen Moment, an dem ich mich offiziell geoutet habe. Auch nicht vor meinen Eltern. Ich habe mich einfach in ein Girl verliebt. Es hat mich selbst überrascht.

Kristen Stewart (l.) und Mackenzie Davis  als lesbisches Liebespaar in „Happiest Season”. Foto: Jojo Whilden/Hulu via AP

Aber Ihre Eltern haben dann ja davon erfahren.

Natürlich Aber ich bin nicht zu ihnen hin und habe gesagt ‚Hey ihr Beiden, ich muss euch leider etwas gestehen‘. Ich habe nie so etwas auch nur in Erwägung gezogen, weil ich nichts Ungewöhnliches an der Situation fand. Ich habe nur gesagt, dass es eine Frau in meinem Leben gibt, dich mich glücklich macht. Das war’s. Sorry, also kein Drama (lacht).

Wenn man vorher mit Männern zusammen war, kann man dann wirklich einfach so ein neues Kapitel aufschlagen?

Natürlich gab es für mich auch schwierige Momente, wo ich mich wegen meiner Identität und Sexualität unwohl gefühlt habe. Allerdings hatte ich das Glück, in einer Metropole wie Los Angeles aufgewachsen zu sein, wo man wirklich nicht negativ bewertet wird, nur weil man lesbisch ist. Wäre ich woanders groß geworden, hätte ich mich wahrscheinlich geschämt, lesbisch zu sein. Weil andere Menschen und Mitschüler mich als andersartig und ekelig angesehen hätten.

Im Film machen Sie Ihrer Freundin einen Heiratsantrag. Haben Sie je über eine Ehe nachgedacht?

Grundsätzlich mag ich Traditionen und auch pompöse Erklärungen wie ein Ja-Wort. Auf der anderen Seite tue ich mich mit der scheinheiligen Natur der ganzen Angelegenheit sehr schwer. Wenn ich heirate, dann auf meine eigene Weise. Ich kann jemanden ein Versprechen geben und mich an ihn binden, ohne es auf die vorgegebene Weise zu tun.

Der Film „Spencer” schildert drei Tage im Leben von Diana. Es sind die dramatischen Tage, in denen sie beim Familien-Weihnachtsfest der Royals beschließt, sich von Charles scheiden zu lassen. Foto: AP Photo/Jim Bourdier

Wollen Sie eines Tages auch Kinder?

Ich will das, was jeder normale Mensch im Leben will. Und dazu gehört auch eine Familie.

Sie haben noch nie so offen wie jetzt über ihre sexuelle Orientierung gesprochen. Was hat sich geändert?

Erst einmal habe ich nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich lesbisch bin. Es gibt genug Fotos, auf denen ich mit meiner Freundin in der Öffentlichkeit Händchen halte oder auf der Straße mit ihr rumknutsche. Aber es stimmt, ich hatte einfach keine Lust darauf, in Interviews diesen zutiefst privaten Teil meines Lebens breitzutreten – damit die Medien dann mit meiner Story Geld machen können. Mein Film gibt jetzt eine würdige Plattform dafür, etwas dazu zu sagen.

Sie stehen bereits seit ihrer frühesten Jugend im Rampenlicht. Wie können Sie abschalten?

Das ist mir früher viel schwerer gefallen. Ich stand unter Dauerstress und konnte schlecht schlafen. Inzwischen kann ich mit all den Ängsten, die mich einst beherrscht haben, umgehen. Ich mache Kickboxen, um mich abzureagieren und chille mit meinem Hund.

Mit ihrer Rolle als Bella in der Twilight-Saga wurde Kristen Stewart weltberühmt. Foto: Imago Images

Gibt es besondere Weihnachts-Traditionen im Hause Stewart?

Ich lebe ja schon nicht mehr zuhause, seitdem ich 17 bin. Ich gehe am 1. Weihnachtstag traditionell thailändisch essen. Ich wohne in Los Angeles gleich neben Thai-Town und es sind die einzigen Restaurants, die offen haben. Wobei dieses Jahr ist ja alles etwas anders und ich muss mal abwarten. Heiligabend will ich mit meiner Mutter verbringen. Ich werde mich vorher auf Covid-19 testen lassen, um sicher zu sein.

Um noch einmal auf Diana zurück zu kommen, fühlt sich diese Rolle anders an?

Ja, der Druck ist auf jeden Fall grösser, es gut zu machen. Ich musste wirklich erst einmal abwägen, ob ich es mir zutraue, sie zu spielen. Mein erster Gedanke war „Oh Shit, das wird hart!“. Diana zu werden ist mehr, als nur eine Perücke aufzusetzen und ihre Outfits zu tragen. Auf der anderen Seite ist mir klar geworden, dass jeder in ihr etwas anders sieht. Daher kann ich eigentlich nichts richtig oder falsch machen. Ich kann nur alles, was ich zu bieten habe, in die Rolle stecken.