Die Toten Hosen mit ihrem Frontmann Campino bei einem Live-Auftritt im Juni 2022.
Die Toten Hosen mit ihrem Frontmann Campino bei einem Live-Auftritt im Juni 2022. dpa/Vennenbernd

Auf dem Instagram-Profil der Düsseldorfer Punkrock-Band Die Toten Hosen ist die Hölle los. Worum geht es? Die Kult-Band, für ihr Engagement gegen Rechtsradikale bekannt, hat sich am Donnerstag mit einem Statement zu einem geplanten Auftritt auf dem Festival Rock am Ring/Rock im Park zu Wort gemeldet. Die Metal-Band Pantera ist nicht nur irgendeine Band, sondern großer Headliner im bislang bekannten Programm des Traditionsfestivals, das Ende Mai parallel in Nürnburg und in der Eifel starten wird, die erste Ausgabe ganz ohne Corona-Beschränkungen, auch wenn von diesen bereits 2022 auf dem Festivalgelände kaum noch etwas zu sehen war.

Kontroverse um Nazi-Vorwürfe gegen Pantera-Sänger Phil Anselmo: Ist seine Entschuldigung glaubwürdig?

Nun wollen die Festival-Veranstalter wieder massiv durchstarten: Jeweils 90.000 Zuschauer und ein sehr rocklastiges Lineup mit Bands wie NOFX, Evanescence, Incubus – und den Toten Hosen. Deren Auftritt war bis zum Donnerstag noch fraglich, da die Band um Frontmann Campino erhebliches Unbehagen an der Einladung der Band Pantera geäußert hatten. Dabei geht es insbesondere um Pantera-Sänger Phil Anselmo, von dem unter anderem ein Konzertvideo-Ausschnitt kursiert, in dem rassistische Gesten und Sprüche zu hören sind.

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Die Toten Hosen beziehen sich allerdings auf ein vor sechs Jahren veröffentlichtes Video, in dem Anselmo 2016 „offensichtlich besoffenen“ beim Zeigen eines Hitlergrußes zu sehen sei. Für sein Verhalten soll sich der Sänger anschließend entschuldigt und beteuert haben, er sei kein Rassist. Einige Fans nehmen ihm diese Distanzierung jedoch nicht ab. Auch die Toten Hosen sind sich nicht klar, „wie glaubwürdig seine Entschuldigung ist und wie man mit dieser Problematik umgeht“.

Die Toten Hosen lassen offen, ob der Pantera-Auftritt bei Rock am Ring richtig ist – und irritieren ihre Fans

Den Düsseldorfer Punkrockern ist dann jedoch aufgefallen, dass Pantera dieses Jahr auf zahlreichen europäischen Festivals auftritt, die „schwerlich in die rechte Ecke zu stellen sind“. Ihr Fazit: Die Mehrheit der Rockmusik-Welt scheint dem Sänger seine Läuterung abzunehmen. Es ist unklar, ob sich Campino und seine Mitmusiker dieser Meinung anschließen oder nicht, Zweifel bleiben. Angesichts der unklaren Gemengelage hätten sie sich nun entschieden, „dem Booking-Team grundsätzlich (zu) vertrauen, dass es bei jedem Act eingehend prüft, ob dieser zum Umfeld des Festivals passt und mit seinem Spirit vereinbar ist“.

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Das wiederum sehen zahlreiche Fans der Toten Hosen ganz anders, und so sieht sich die Band einem wahren Shitstorm ausgesetzt. Am Ende siegt der Kapitalismus über den Punk, giftet die antirassistische Influencerin Jasmina Kuhnke (Quattromilf): „at the end Capitalism kills Punk“. „Macht ihr es euch nicht ein bisschen einfach wenn ihr sagt‚ das Booking weiß schon, was es tut‘?“, heißt es in einem anderen Kommentar.

Kaum ein Fan äußert Verständnis für die Toten Hosen: „Entweder wir oder Pantera“

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„Man redet nicht mit Nazis. Man teilt die Bühne nicht mit Nazis. So einfach ist das. Punkt“, redet ein Fan Klartext. Ein anderer enttäuschter Follower der Toten Hosen spekuliert sogar, die Toten Hosen hätten mit Druck auf die Festivalmacher viel mehr erreichen können: „Wie viel geiler wäre es gewesen, wenn ihr den Festivals das Ultimatum gegeben hättet: Entweder wir oder Pantera.“

Nur wenige Hosen-Fans äußern Verständnis für die Entscheidung der Band: Man müsse auch vergeben können, meint ein Kommentator unter dem Instagram-Post. „Wenn man für alles nachtragend ist, weil irgendwo irgendwas mal passiert ist, wird sich die Welt auch nicht bessern.“