Trubel am Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast. Foto: dpa

Aufmerksame Berlinale-Besucher wussten es längst: Da fehlt doch was? Klimaproteste, genau! Wenn Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, das neue Führungsduo der Internationalen Filmfestspiele Berlin, geglaubt hatten, dieser Kelch würde an ihnen vorübergehen, dann hielt der Glaube jedenfalls nur bis Sonnabendmorgen. Da nämlich kündigten die „Red Carpet Activists“ (Motto: „Für Klimagerechtigkeit auf dem Teppich bleiben“) im Internet ihre große Protestaktion am Berlinale-Palast an. Exakt an der Stelle, wo am Abend der Goldene und die Silbernen Bären verliehen werden sollten.

Klimaprotest lief nach Absprache mit der Berlinale-Leitung

Die Berlinale-Leitung hatte sich mit den Klimaprostestlern ausgetauscht. „Dennoch kann es am Nachmittag um den Marlene-Dietrich-Platz zu Beeinträchtigungen beim Festival-Besuch kommen“, wurde gewarnt.

So kündigten die Aktivisten ihre Demonstration auf Twitter an. Punkt 17 Uhr sollte es losgehen.
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Für die Prominenz, die am Sonnabend die Abschlussgala des Filmfestivals besuchen durften, bedeutete das: Staus und lange Wartezeiten auf dem Roten Teppich.

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Wer es dann doch ins Musical-Theater reinschaffte, durfte sich auf einen spannenden Abend freuen. Die Internationale Jury um ihren Chef Jeremy Irons („Nachtzug nach Lissabon“) hatte die ehrenvolle Aufgabe, aus 18 Wettbewerbsstreifen den Sieger zu küren. Im Wettbewerb liefen auch Filme von zwei deutschen Regisseuren: Christian Petzold erzählt in „Undine“ eine ans mystische angelegte Liebesgeschichte, Filmemacher Burhan Qurbani legte eine mutige Neuverfilmung des Romans „Berlin Alexanderplatz“ vor.

Preise werden für Schauspiel und Regie vergeben - Alfred-Bauer-Preis ausgesetzt

Am Freitag waren die letzten Wettbewerbsbeiträge ins Rennen gegangen: „Irradiés“ und „Es gibt kein Böses“. Mit „Irradiés“ schafft der kambodschanische Regisseur Rithy Panh eine Collage. Er schneidet Bilder von Kriegen, Gräueltaten und Theatermomente aneinander. Und der iranische Regisseur Mohammed Rassulof erzählt in „Es gibt kein Böses“ mehrere kurze Geschichten, die sich unter anderem mit den Auswirkungen der Todesstrafe im Iran auseinandersetzen.

Verliehen werden mehrere Bären-Statuen, so etwa auch für Schauspiel und Regie. Ausgesetzt wird in diesem Jahr allerdings der Alfred-Bauer-Preis. Hintergrund sind Recherchen zur Vergangenheit des ersten Festivalleiters Alfred Bauer (1911-1986). Er war ein hoher NS-Kultur-Funktionär.