Schauspieler Kevin Bacon. Foto: Imago/Zuma Press

Andere würden sich die „Ehre“ verbitten, als „bester Schauspieler, der noch nie für einen Oscar nominiert wurde“ bezeichnet zu werden. Kevin Bacon sieht das anderes. Für den 62-Jährigen gehört es zum guten Ton, nicht in den Star-Himmel gehoben zu werden. Ihm reicht es, dass er ein Markenzeichen für ungewöhnliche Rollen ist. So wie jetzt wieder im zweiten Teil von „City on a Hill“. Da spielt Bacon einen FBI-Beamten, der sich die Hände schmutzig macht. Dass Bacon dennoch bei den Fans ein Hit sein würde, davon waren Ben Affleck und Matt Damon überzeugt. Das befreundete Weltstar-Duo produziert die Serie, die in den 1990er-Jahren in Boston spielt. In der ersten Folge durfte er auch Regie führen.

War das Ihr erstes Mal als Regisseur?

Nein, das war bereits 1996 im Film „Abschied von Chase“, in dem meine Frau Kyra die Hauptrolle hatte. Ich liebe es, die Fäden in der Hand zu haben und selbst die kleinsten Dinge zu planen. Von Make-up bis Licht.

In der Serie geht es um die korrupte Politik einer Großstadt …

… die ich als Kind selbst miterlebt habe. Zumindest vom Hörensagen. Mein Vater war der Vorsitzende des städtischen Planungsausschusses in Philadelphia. Dad hat versucht, sich aus der Politik herauszuhalten. Doch es gab vieles, was an „City on a Hill“ erinnerte. In jeder Großstadt gibt es hochrangige oder einflussreiche Leute, denen andere Leute einen Gefallen schulden. Seilschaften und das Motto „Eine Hand wäscht die andere“ gab es nicht nur im Boston der Neunziger.

Korruption ist ein Problem in der Politik.

Lassen Sie es mich so sagen: Unsere Gesellschaft wird von Gier getrieben. Und mit Gier nach Geld oder Einfluss kommt Korruption. Sei es im großen Stil oder im kleinen Rahmen, wo man Dinge einfach mal eben illegal durch die Hintertür erledigt.

In der Serie sind sie alles andere als der perfekte Vater. Der Mann, den Sie spielen, hat Probleme, mit seiner Tochter zu kommunizieren. Wie wichtig ist Ihnen als Vater die Kommunikation mit Ihren Kindern?

Sie ist das Wichtigste von allem! Meine Kids sind inzwischen 30 und 28. Wir haben ihnen schon sehr früh klargemacht, dass sie immer offen ihre Meinung vertreten sollen. Wir wollten insbesondere unsere Tochter Sosie zu einer selbstbewussten Frau erziehen, die weiß, dass ihre Worte Macht sind. Und nie ist gute Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern wichtiger als in der Teeniezeit. Man muss dann noch mehr mit seinen Kindern reden, weil sonst Dinge wie Sex oder Drogen außer Kontrolle geraten können. Wer miteinander redet, findet Lösungen!

Sie und ihre Frau Kyra Sedgwick sind beide schon 40 Jahre im Filmgeschäft. Geben Sie sich noch gegenseitig Tipps oder macht jeder bei Karrierefragen sein eigenes Ding?

Unsere Partnerschaft funktioniert nicht nur im Privatleben. Wir beraten uns immer gegenseitig, egal ob bei Rollen oder was wir zu Events anziehen. Wir besprechen alle großen Entscheidungen miteinander. Nicht weil wir uns verpflichtet fühlen, sondern weil wir die Meinung des anderen schätzen. 

Kevin Bacon mit seiner Ehefrau Kyra Sedgwick. Foto: Imago/Zuma Press

Hand aufs Herz, gibt es manchmal Neid, wenn der andere eine tolle Rolle oder große Auszeichnungen bekommt?

Im Gegenteil. Wir freuen uns unheimlich für den anderen, wenn er Erfolg hat. Wir sind der größte Fan des anderen ...

… was auch erklärt, warum Sie schon 33 Jahre verheiratet sind, für Hollywood-Verhältnisse eine lange Zeit. Was ist Ihr Ehe-Geheimnis?

Ich glaube, es ist sehr wichtig, Streits nicht ausarten zu lassen. Natürlich haben wir Meinungsverschiedenheiten oder können einander auf die Nerven gehen. Doch wir versuchen, die Meinung des anderen zu respektieren, und einigen uns dann irgendwie. In Filmen wird oft gezeigt, wie Paare erbitterte Fights haben, die dann in gutem Sex enden. So etwas würde bei uns nicht klappen. Ich fühle mich nach Streits immer total schlecht.

In der 1. Folge der Serie geht es um die Frage, was wichtiger ist: glücklich zu sein oder recht zu haben. Was würden Sie persönlich wählen?

Früher war es mir unglaublich wichtig, recht zu haben. Als ich jung war, glaubte ich, alles zu wissen. Je älter ich geworden bin, desto mehr habe ich begriffen, dass es noch viel für mich zu lernen gibt. Und ich bin jetzt an einem Punkt in meinem Leben angelangt, wo glücklich sein Priorität hat. Und ich bin glücklich!