Daniel Craig als James Bond in der Szene eines Trailers zum James-Bond-Film «Keine Zeit zu sterben». Foto: Nicole Dove/DANJAQ and Metro Goldwyn Mayer Pictures/Universal Pictures /dpa

Die Warterei auf den neuen James-Bond-Film ist für einige 007-Fans offenbar nicht mehr zu ertragen. Nach der vierten Verschiebung des Kinostarts von „No Time To Die“ lancierte eine Gruppe namens Team Bond im Internet eine Crowdfunding-Kampagne. Ihr ambitioniertes Ziel: 607 Millionen Pfund - rund 670 Millionen Euro - an Spenden zu generieren, um die Rechte an dem Actionthriller (deutscher Titel: „Keine Zeit zu sterben“) mit Daniel Craig zu erwerben und den Film noch vor Weihnachten ins Fernsehen zu bringen. „Bond rettet Weihnachten“ lautet das Motto der Initiatoren.

Die Summe basiert auf Medienberichten der vergangenen Wochen. Demnach habe das Studio MGM den Streamingmarkt sondiert und angeblich 600 Millionen Dollar - nicht Pfund, wie von Team Bond irrtümlich avisiert - für den Film verlangt. Doch dieser Betrag scheint unrealistisch, denn der bislang letzte James-Bond-Film „Spectre“ aus dem Jahr 2015 spielte weltweit 880 Millionen Dollar (751 Millionen Euro) ein - und lag damit sogar noch unter den Erwartungen.

„Der Film steht nicht zum Verkauf“

„Der Film steht nicht zum Verkauf“, stellte jetzt auch ein MGM-Sprecher im US-Branchemagazin „Variety“ klar. Schließlich habe man den Filmstart verschoben, „um das Filmerlebnis für ein weltweites Kinopublikum zu ermöglichen“. Die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson, die seit den 90er Jahren die Geschicke des smarten Geheimagenten leiten, sollen sich ebenfalls klar gegen die Streaming-Variante ausgesprochen haben.

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Immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Kinobetreiber weltweit. Mit 007 hatten viele die Hoffnung verbunden, dass sich die von der Corona-Krise gebeutelte Branche wieder ein wenig erholt. Die anfängliche Empörung darüber, dass „No Time To Die“ dann doch nicht wie zwischenzeitlich geplant am 12. November starten sollte, ist mittlerweile dem blanken Entsetzen darüber gewichen, dass ihre Filmtheater komplett geschlossen bleiben müssen. Womit sich die Bond-Produzenten in ihrer Entscheidung, den Start erneut zu verlegen, bestätigt sehen.

Broccoli und Wilson werden es sich nicht leicht gemacht haben. Die PR-Kampagne für den 25. James-Bond-Film war gerade zum zweiten Mal angelaufen - mit neuem Trailer, Plakaten, Podcasts und dem Musikvideo von Popstar Billie Eilish, die den Titelsong singt. Dazu die üblichen Sponsoring-Deals - Unternehmen wie Nokia, Omega und DHL hatten große Kampagnen mit 007-Bezug lanciert. Doch die Corona-Lage führte schließlich zum Umdenken. Und vielleicht trug auch das enttäuschende Einspielergebnis von Christopher Nolans Blockbuster „Tenet“ im Sommer dazu bei.

Film soll weltweit zur selben Zeit veröffentlicht werden

„Diese Sache ist einfach größer als wir alle“, erklärte Hauptdarsteller Daniel Craig (52) in der „Tonight Show“ von US-Moderator Jimmy Fallon. „Wir wollen, dass die Leute den Film auf die richtige Art und auf sichere Weise sehen können. Auf der ganzen Welt sind gerade Kinos geschlossen. Aber wir wollen den Film weltweit zur selben Zeit veröffentlichen. Und jetzt ist nicht die richtige Zeit.“

Als längster amtierender James Bond hält Craig schon jetzt den Agentenrekord. Seit mittlerweile 15 Jahren hat der Schauspieler, für den es der letzte Einsatz als englischer Spion sein wird, die Rolle inne - und damit länger als seine Vorgänger Sean Connery, Roger Moore und Co. „Ich will jede mögliche Sekunde rausholen“, scherzte Craig, der nun mindestens bis April 2021 James Bond bleibt, bei Fallon.

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Dass es bei dem neuen Starttermin im Frühjahr bleibt, ist angesichts der Unvorhersehbarkeit der Corona-Lage nicht sicher. Als der Film erstmals unter dem Arbeitstitel „Bond 25“ angekündigt wurde, sollte er im Oktober 2019 starten. Dann gab es einen Regisseurswechsel, der US-Amerikaner Cary Fukunaga ersetzte den Briten Danny Boyle, und der Start wurde auf Februar 2020 verlegt. Wegen Änderungen am Drehbuch wurde der Termin um zwei weitere Monate korrigiert. Als „No Time To Die“ endlich fertig war, brach die Coronavirus-Pandemie aus.

„Kommen Sie, Bond! Wo zum Teufel stecken Sie?“, fragt M, der Chef des britischen Geheimdienstes, im Trailer zu „No Time To Die“ und spricht vielen 007-Begeisterten aus der Seele. Die Hoffnung einiger Fans, den Film noch vor Weihnachten bei Streamingdiensten wie Netflix, Apple+ und Co. zu sehen, wird sich aber aller Voraussicht nach nicht erfüllen.

Die Zeitung „Telegraph“ begrüßte das. „Daniel Craig's Abschied als 007 gehört nicht auf dieselbe Plattform wie „Emily in Paris““ kommentierte das Blatt in Anspielung auf die kitschige Netflix-Comedy-Seifenopfer. Und vielleicht wartet die Mehrheit der James-Bond-Fans doch lieber darauf, „No Time To Die“ wie gewohnt auf der großen Leinwand zu erleben. Team Bond hatte nach einer Woche übrigens auch erst rund 800 Pfund an Spenden gesammelt.

Lashana Lynch wird neue 007

Lashana Lynch hat bestätigt, dass sie die Rolle von 007 spielen will.
Foto: imago images (Archivbild)

Inzwischen hat Lashana Lynch das offene Geheimnis bestätigt: Sie ist die neue 007. Und zwar nicht in irgendeiner fernen Fortsetzung der Bond-Saga, sondern just in „Keine Zeit zu sterben“. In einem Interview mit Harpers Bazaar hat die britische Schauspielerin nun Einzelheiten zum verschobenen Bond ausgeplaudert. Der britische Geheimdienst MI6 hat James Bond nämlich endlich in den verdienten Ruhestand geschickt und den Posten 007 mit der Agentin Nomi besetzt, gespielt von Lashana Lynch. James Bond kommt allerdings nicht zur Ruhe, weil ihm ein Fiesling namens Safin (Rami Malek, benannt als Freddy Mercury in "Bohemian Rhapsody") nach dem Leben trachtet. Da kommt 007 James Bond zur Hilfe.

Lashana Lynch ist sich darüber im Klaren, dass sie in der Rolle Kontroversen auslösen wird. Denn mit der Romanvorlage von Ian Flemming hat diese Besetzung nicht mehr viel zu tun. Bereits im vergangenen Jahr war durchgesickert, dass eine schwarze Frau die Rolle von 007 spielen würde. In dem Interview steht sie zu ihrer Identität als in Großbritannien geborene Schwarze : "Hätte eine andere schwarze Frau die Rolle gespielt, wäre die Aufregung dieselbe gewesen, sie wäre denselben Angriffen und Herabsetzungen ausgesetzt gewesen." Sie sei sich bewusst, dass sie in der Filmrolle Teil von etwas sei, "das sehr, sehr revolutionär sein wird."