Katarina Witt, zweifache Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Eiskunstlauf, steht am Roten Turm, dem Wahrzeichen ihrer Heimatstadt Chemnitz. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

Vor Kameras kann sie sich noch immer gut in Szene setzen. An Attraktivität hat das einst „schönste Gesicht des Sozialismus“ kaum eingebüßt. Nachdem es in den vergangenen Jahren ruhiger um Katarina Witt geworden war, kehrt die einst erfolgreiche Eiskunstläuferin anlässlich des Einheitsjubiläums in der Dokumentation des Filmemachers Jobst Knigge „Katarina Witt – Weltstar aus der DDR“ auf den Bildschirm zurück.

Ihren Fans Autogramme geben und für ein Erinnerungsfoto posieren – das absolviert die jetzt 54-Jährige, die in einem glitzernden Hosenanzug zur Voraufführung des 52-minütigen Streifens im Chemnitzer CineStar-Kino erschienen war, routiniert und freundlich. In Chemnitz, das bekannte die einstige Ausnahmesportlerin, sieht sie noch immer ihre Heimat. Dort habe sie die intensivste Zeit ihres Lebens verbracht.

Viele der Bilder der Doku sind bekannt: Sequenzen aus Witts Läufen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, Katarina als Carmen und auf dem Siegertreppchen. Zweimal hat sie bei Olympia gewonnen, viermal bei Welt- und sechsmal bei Europameisterschaften auf dem Siegertreppchen ganz oben gestanden.

Katharina Witt mit Maske bei der Filmvorstellung. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

Andere Bilder zeigen sie beim Training oder im Blauhemd der DDR-Jugendorganisation FDJ Reden haltend, der DDR-Partei- und Staatsführung dankend, Bilder mit Erich Honecker. Denn die DDR wusste wohl, was sie an der Witt hatte und wusste sie für ihre Propaganda zu nutzen. „Halb wissend, halb naiv, halb nutzend“, beschreibt sie sich in der Rückschau.

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Und doch muss sie um ihrer Rolle in der Auseinandersetzung zwischen Ost und West sehr genau gewusst haben. „Weil der Sport in der Politik genutzt wurde, hattest du das Gefühl: Entweder du gewinnst oder du stirbst. Als ob du in den Krieg ziehst“, sagt sie in dem Film.

Vor allem aber war die Witt unglaublich ehrgeizig. „Ich habe immer gedacht: Ich werde euch schlagen. Ich werde euch beweisen, dass ich besser bin.“ Und sie habe es sich nicht vorstellen können, keine Eisläuferin zu sein. „Sechs, sieben Stunden Training, Eistraining, Ballett, Waldläufe“. Das ganze Leben habe sich auf die Auftritte auf dem Eis fokussiert.

Katarina Witt und Sportbund-Präsident Manfred Ewald auf dem 11. FDGB Kongress 1987. Foto: Imago Images

Ein Großteil ihrer DDR-Erinnerungsstücke passen in eine Sporttasche – Poesiealben, Pässe, Ausweise, Parteiausweis und ihre mehr als 3000 Seiten umfassende Stasi-Akte, in der sie den Angaben der Filmemacher zufolge nach langer Zeit das erste Mal immer wieder blättert und zitiert. Es ist, als hätten die Spitzel der DDR-Staatssicherheit dort ihr Leben protokolliert, beginnend schon im zweiten Schuljahr. „Das ist ja verrückt. Ich war sieben. Und da hat man sich schon mit meiner gesamten Familie beschäftigt.“

Enthalten sind Trainingsbeurteilungen, lautstark geführte Auseinandersetzungen mit ihrer Trainerin Jutta Müller und lukrative Angebote aus dem Westen, von denen sie erst später erfuhr. 1988 schaffte sie nach ihrem zweiten Olympiasieg als erste DDR-Sportlerin den Sprung ins Showbusiness in den USA.

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Drei Jahre lang tourte sie gemeinsam mit Brian Boitano, dem amerikanischen Weltmeister und Olympiasieger von Calgary, bei Shows durchs Land. Der Madison Square Garden in New York war zum ersten Mal nach zehn Jahren mit einer Eiskunstlaufshow ausverkauft. 1994 ging sie noch einmal bei Olympischen Spielen an den Start. Diesmal in Begleitung der Familie. „Sie besaß diese Mischung aus Schönheit, Unergründlichkeit und Wettkampfwillen“, bescheinigt ihr Boitano. Das werde es in dieser Kombination wohl nicht wieder geben.

Ausgestrahlt wird der Film am 23. September auf Arte, am 3. Oktober in der ARD und am 11. Oktober im MDR.