Schauspieler Jim Parsons bei der Oscarverleihung 2017. Foto: dpa/Jordan Strauss

Er war mit einer der ersten Hollywood-Stars, der schon am Anfang der Corona-Krise erkrankte. Kein Wunder, dass Jim Parsons bis dahin noch nichts von Covid-19 gehört hatte. „Wir dachten, dass wir uns einfach nur eine starke Erkältung eingefangen hatten.“ Bis ein Symptom hinzukam, das der „The Big Bang Theory“-Star und sein Ehemann Todd Spiewak noch nie erlebt hatten: „Wir verloren komplett unseren Geruchs- und Geschmackssinn – ein unbeschreibliches Gefühl.“ Jetzt verrät der 47-Jährige zum ersten Mal, warum er damals Gewicht zulegte: „Essen war das einzige, was man gegen Langeweile tun konnte. Ich bin halt nicht Sheldon, der für Quarantäne wie gemacht ist.“ Man sieht es ihm in seiner neuen Rolle nicht an. Denn das Netflix-Drama „The Boys in the Band“ wurde vor Corona abgedreht. Es ist ein Remake des Films „Die Harten und die Zarten“ von 1970. Revolutionär für damals, weil es um eine Gruppe schwuler Freunde ging. Anders als damals: Alle Rollen werden diesmal von offen homosexuellen Schauspielern gespielt.

KURIER: War Ihnen das wichtig?

Jim Parsons: Ja sehr. Es war eine einzigartige und sehr ermächtigende Erfahrung. Es war wie seinen Stamm gefunden zu haben, dem man sich tief zugehörig fühlt. Wissen Sie, dass viele der Schauspieler aus dem Originalfilm danach keine Rollen mehr bekommen haben – nur weil sie einen Schwulen gespielt haben?

Jim Parsons und Matt Bomer in einer Szene des Films „The Boys in the Band“.  Foto: AP/Netflix/Scott Everett White

Obwohl sie nicht schwul waren?

Ein Großteil der Schauspieler damals war wirklich schwul und musste es verstecken. Ich habe herausgefunden, dass über die Hälfte von ihnen später an Aids gestorben ist. Schlimm. Deshalb haben wir es als eine Hommage an die gesehen, die vor uns kamen.

Wenn Sie die 60er-Jahre mit heute vergleichen, wie hat sich die Lage in Amerika für Homosexuelle verbessert?

Die Unterdrückung ist noch immer da, nur dass sie nicht mehr offen, sondern subtil stattfindet. Ich lebe in einer Welt, die Schwule zeitweise noch immer als Menschen zweiter Klasse sieht. Sie haben Probleme mit mir, weil sie denken, es ist falsch so zu sein wie ich.

Sind Sie optimistisch, dass auch diese Kluft sich bald schließen wird?

Mit vereinten Kräften vielleicht. Aber das passiert nicht über Nacht und es wird immer wieder Rückschläge geben.

Jim Parsons mit seinem Ehemann Todd Spiewak.

Im Film machen Sie Party. Schmeißen Sie privat auch gerne mal eine?

Früher kamen ständig Leute bei mir vorbei und wir haben dann spontan gefeiert. Doch je älter ich werde, desto kontrollierender werde ich. Ich bevorzuge Paar-Abende.

Was war Ihre letzte große Party?

Mein 40. Geburtstag! Und die fand gegen meinen Willen statt. Mein Mann hat mich dazu überredet. Und es war am Ende eine Feier, die meine wildesten Erwartungen übertroffen hat.

In drei Jahren steht schon der nächste runde Geburtstag an.

Ja. 50. Ich kann’s nicht glauben. Und nein, ich habe nichts geplant.

Ihre Filmfigur lebt am Rande des Existenzminimums. Gab es mal Zeiten, wo das ähnlich war?

Ja, als ich als junger Schauspieler nach New York kam. Ich war ständig mit der Miete hinterher und habe die letzten Cents zusammengekratzt, um mir eine Pizza kaufen zu können. So etwas schlägt aufs Selbstwertgefühl! Zum Glück war diese Periode nur sehr kurz. Ich war niemals obdachlos, weil ich ständig Menschen um mich herum hatte, die mich unterstützt haben.

Von wem kam die Unterstützung?

Meiner Familie. Mein Vater weilt nicht mehr unter uns, aber meine Mutter, meine Schwester und ich sind bis heute sehr eng. Je älter ich werde, desto mehr schätze ich das.

Sie haben sich 2012 geoutet. Wann wusste Ihre Familie, dass Sie schwul sind?

Ziemlich spät. Mit 31. Ich habe meine Sexualität erst entdeckt, als ich im College war. Meine engen Freunde und auch Kollegen wussten es und ihnen war es egal, wen ich liebte. Doch mit meiner Familie, da bin ich dieser harten Konversation immer ausgewichen. Bis es nicht mehr ging.

Wieso?

Weil ich dann Todd, meinen jetzigen Mann, kennengelernt habe. Als klar wurde, wie wichtig er in meinem Leben ist, da wollte ich meine Gefühle mit meiner Familie teilen.

Jim Parsons in seiner Paraderolle des Sheldon Cooper in „The Big Bang Theory“ zusammen mit seiner Schauspielkollegin Mayim Bialik. Foto: AP/CBS/Michael Yarish

Wie haben Sie Todd getroffen?

Wir haben gemeinsame Freunde, die überzeugt waren, dass wir super zusammenpassen. Und sie haben ein Date arrangiert. Ein Abend mit Billard und dann Karaoke. Und meine schlauen, liebevollen Freunde hatten recht, Todd war perfekt für mich. Plötzlich gab es jemanden in meinem Leben, der jeden Tag schöner gemacht hat. Ich bin plötzlich jeden Morgen voller Optimismus aufgewacht, was für einen arbeitslosen Schauspieler in New York ein riesiger Vorteil ist.

Wie hat Ihre Familie reagiert, als Sie enthüllt haben, dass Sie einen Mann lieben?

Ich will hier niemanden bloßstellen, aber diese Unterhaltung war nicht gerade lustig (lacht)!

Aber Sie sagten doch, dass Sie immer eine sehr enge Beziehung mit Ihrer Familie hatten.

Ja. Und trotzdem. Meine Mutter ist in den tiefsten Südstaaten aufgewachsen, mit all den negativen Vorurteilen, die man dem homosexuellen Lebensstil nachsagt. Und als ich mich ihr anvertraute, da hatte sich ihr Leben schon dramatisch geändert. Mein Vater war ein Jahr zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Sie glaubte, dass mir ein schreckliches Leben bevorstehen würde.